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16. September 2007
Geschichte wird gemacht Was brachte die Woche #37?Eine immer schneller werdende Kultur konstatierte bereits Douglas Coupland in den 90ern. Ein Grund, gelegentlich mit dem Drücken der Turbo-Taste am Rechner die Taktfrequenz herunterzuschalten und vom Stunden- auf den Wochenrhythmus zu wechseln. Der Rückblick auf gulli.com, mit wechselnden Gesprächspartnern, das Debut mit Lukas, seines Zeichens Blogger auf coffeeandtv.de und Autor auf bildblog.de. In loser Folge wollen wir an dieser Stelle Wochenrückblicke veröffentlichen - idealerweise mit externen Gesprächspartnern, die in ähnlichen oder ganz anderen Netzgefilden unterwegs sind wie gulli.com. Ziel: bisschen breiterer Horizont, Denkanstöße, Kontroversen, Meinung und ein wenig mehr Überblick in einem sehr schnellen Medium. Lukas: Ich kann eine gewisse Genugtuung über den Rauswurf von Eva Hermann kaum verhehlen, auch wenn sie natürlich ein denkbar weiches Ziel ist. Die Reaktion darauf waren dann aber aus beiden Ecken tragisch: Zum einen muss nicht jeder TV-Moderator, Gremien-Grande und sonstige Pappaufsteller seiner Meinung mit immer neuen Adjektiven Ausdruck verleihen; zum anderen haben mich manche Reaktionen vom Typus "Sie hat doch Recht: unterm Führer war doch nicht alles schlecht" schon nachdenklich zurückgelassen. Korrupt: Und welche am meisten geärgert? Korrupt: Wir leben in einem " Lukas: Im Wahn lebe ich sicherlich - das tun wir ja alle, wenn auch in unterschiedlichen Stadien. Das Internet ist für mich ein Werkzeug und so, wie man mit einem Hammer Häuser bauen oder Robbenbabies erschlagen kann, kann man im Internet gute Dinge oder schlechte Dinge anstellen. Hass und Wahn gibt es überall, im Internet blinken sie vielleicht nur bunter und machen lustige Geräusche. Korrupt: Franco Frattini will Suchen nach "Töten", "Bombe" oder "Genozid" Lukas: Ich frage mich immer, ob man solche Aussagen ignorieren oder ihnen seine gesamte Aufmerksamkeit widmen sollte. Wenn solche ahnungslosen Menschen nicht die Geschicke ganzer Völker steuern würden, wäre es ja schon beinahe lustig, sie vor sich hin brabbeln zu lassen. Was mich schon mal wahnsinnig macht, ist das Gerede von "gefährlichen Wörtern" - was soll denn das sein? Ansonsten erscheint mir Frattinis Forderung noch eine Spur inkompetenter und gefährlicher als ein durchschnittlicher Auftritt des Bundesinnenministers in den "Tagesthemen", von daher: 1,2 bis 1,5 Schäuble. Korrupt: Ich schreib gelegentlich, dass ich unglaublich subjektiv Medien mache. Ihr macht auf dem Bildblog Medienkritik. Wie siehst du grade das Verhältnis Meinungsmache/Berichterstattung und die Klarstellung bezüglich "wir sind objektiv"/"wir sind subjektiv" in den deutschen Massenmedien? Lukas: Irgendwie vermisse ich diese klare Richtungsansagen, die man z.B. früher bei "Report München" oder "Monitor" hatte. Das war ja nur notdürftig getarnte Propaganda für die eine oder andere Seite. Heute bemühen sich alle um Stromlinienform und man kann bei vielen Medien nicht mehr auf den ersten Blick sagen, in welche Richtung sie schielen - so halten ja viele den "Spiegel" immer noch für "links". Ich würde mir also einerseits objektive Berichterstattung wünschen und andererseits wieder mehr streitbare (und nicht einfach nur hinterhältige) Charakterköpfe im Journalismus - und als Zugabe dann ein Publikum, das in der Lage ist, alles entsprechend einzuordnen. Korrupt: Mein empfehlenswertes Album aktuell: Dogma von KMFDM. Was empfiehlst du zur aktuellen Situation? Lukas: Ich höre seit Wochen abwechselnd zwei Alben: "Kill The Kilians" von den Kilians und "Good Girl Gone Bad" von Rihanna. Beides nicht sonderlich politisch, aber dafür gibt's ja eh The Clash. Korrupt: Warum kommen demnächst zweifellos bessere Zeiten? Lukas: Nun, der Herbst beginnt und ich bin großer Herbst-Fan. Ich bin jedes Jahr von Neuem guter Dinge, dass verfärbte Blätter und warmer Kakao die Menschheit friedlicher stimmen könnte. Korrupt: Um nun im ICQ nachzufragen: Deine Statements bezogen sich alle auf nicht grade klasssische "Netzthemen", das fand ich auffällig. wir hattens ja auch schon auf der Pl0gbar davon - ich bin super internetfixiert, du bist da eher auf dem Medienmix unterwegs. Das bringt mich zu ner Klischeefrage, verzeih sie mir, aber nehmen sich Netzcommunities, Blogs, Netisens da zu wichtig? Lukas: Sich selbst und sich gegenseitig. Allerdings gibt es ja auch die gegenteilige Bewegung, Blogger, die Werbung auf ihrer Seite haben oder eine journalistische Ausbildung haben, auszugrenzen. Ich hatte die Hoffnung, dass ein Medium, das immer als so "demokratisch" gefeiert wurde, da mehr Toleranz untereinander zulässt und man da eher nebeneinander existieren kann. Korrupt: Hihi. Eben bloggte ich mein Blutblogger-Shirt. Ja, das kann ich unterschreiben. Aber mal noch böse nachgefragt: das Lukas: Ich glaube, es gibt überhaupt gar kein überflüssiges Blog: Auch dieses berühmte Beispiel von Strick- und Rezept-Bloggern (-Blogerinnen ja dann meist) ist doch selbst dann super, solange es nur den Schreibern selbst Spaß macht und keine Leser hat. Das also dazu. Korrupt: Das ergibt Sinn. Lukas: Natürlich ist es irgendwie nervig oder beunruhigend, wenn die Leute sich mehr für irgendwelchen Klatsch interessieren als für die Beschränkung ihrer Freiheit. Aber es gab immer Leute und wird sie immer geben, denen sind so größere Zusammenhänge nicht klar oder egal. Und ich glaube ganz unzynisch, dass das für die völlig okay ist, was los ist. Die haben ihr Leben für sich eingerichtet und alles andere ist egal. Ich glaube, wenn wir weniger wüssten, was hier eigentlich los ist, wären wir auch unbeschwerter und total zufrieden. Verwandte News
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