gulli: GB: Propaganda gegen freie WLan-Hotspots

Anzeige

gulli:Toolbox

Voting

Worüber wollt ihr mehr News?
Netzwelt
Untergrund
Filesharing
Datenschutz
Hacking
Demoszene
Mobiles (Handy)
Linux
Feature (Gulli Glosse)
16. November 2007

GB Propaganda gegen freie WLan-Hotspots

Wer erkennt den Unterschied? "User hat zehn Websurfern zu freiem Netzzugang verholfen" und "Zehn Diebe stehlen skrupellos Bandbreite eines unbescholtenen Bürgers" - richtig, es geht um exakt dieselbe Sache. Nur wie darüber gesprochen wird, ändert sich dank der Times in Großbritannien. Fast das halbe Land wird dadurch kriminell, im Kampf gegen offene Hotspots scheint das aber egal zu sein.

Mitsurfen auf offenen Hotspots betrachte die britische Polizei als "ernstes Vergehen", weil die Surfer "Pornografie und illegale Bilder laden können, ohne gefasst zu werden", so die Times, die bedauert, dass zwar die Hälfte der Computernutzer in Großbritannien bereits über ein fremdes WLan gesurft sei, aber "nur 11 Personen" gefasst wurden.

Weshalb kräftig Stimmung gemacht wird: wer auf fremden WLans surft, kann bis zu fünf Jahre Knast und tausend Pfund Geldstrafe kassieren. Und Betreibern offener Hotspots wird recht unmissverständlich deutlich gemacht, dass sie nicht nur Ärger befürchten  müssen, sondern auch Straftaten begünstigen:

"Das ist schwer zu verfolgen. Aber es gibt eine gewisse Verantwortung des Einzelnen in diesem Kampf. Beispielsweise sollten alle Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden, damit niemand Opfer einer solchen Attacke wird."

Richtig: wer andere über seinen Hotspot surfen läßt, ist "Opfer einer Attacke". Die Aussage kommt von einem Sprecher der Abteilung Organisiertes Verbrechen der britischen Polizei.

Acht Millionen freie WLans gibt es in Großbritannien, und dass man als Betreiber schnell in die Pflicht kommen kann, die eigene Unschuld zu beweisen, damit droht Tony Neate von getsafeonline.org, einer von der Regierung geförderten Beratungsseite:

"Stellen sie sich beispielsweise vor, dass Computer und Laptops automatisch nach drahtlosen Netzen suchen. Wenn Sie etwas tun, was sie besser nicht getan hätten und die Polizei eingreift, finden sie den Inhaber des Hotspots, nicht den Täter. Und als Eigentümer der Verbindung ist es ihre Aufgabe, die Polizei davon zu überzeugen, dass Sie nicht der Täter waren."

In einem weiteren Bereich geht damit einmal mehr die Unschuldsvermutung vor die Hunde. Dass Polizei und Ermittler einen Kreuzzug gegen freie Hotspots führen und dabei einmal mehr Bürgerrechte als lästiges Beiwerk verstehen, überrascht heute jedoch niemanden mehr. Umso trauriger, dass sich die Times externer Link in neuem Fenster folgtvor den Propagandakarren spannen läßt und die Botschaft wunschgemäß und kritikfrei verkündet.

  • 13 Kommentare zum Artikel
  • Zitat: Zitat von news  Dass Polizei und Ermittler einen Kreuzzug gegen freie Hotspots führen und dabei einmal mehr Bürgerrechte als lästiges Beiwerk verstehen, überrascht heute jedoch niemanden mehr. Eigentlich handelt es sich um einen Kreuzzug gegen die anonyme Kommunikation. Wer etwas wann gesagt hat, das sekundenschnell abgreifen zu können, darum geht es. Wann möchte man eigentlich den ...

  • Zitat: Zitat von Toronto  England hat eine Nein haben die nicht. Das sind Telekom Hotspots. in manchen ländern schon. zb. hier in usa gibts in fast jedem schnellfress schuppen nen kostenlosen wlan-zugang.

    Screemer am 19.11.2007 06:55
© Copyright 2008 gulli.com  | home | sitemap | kontakt | impressum | Partner | downloads |