Bei "Save Israel" muss der Spieler israelische Städte vor Raketen schützen, die aus einer mit "Gaza" bezeichneten Ecke des Spielfeldes fliegen. Die Städte sind in Form einer primitiven Karte angeordnet und tragen Namen wie Askelon, Be'er Sheva und Sderot, die auch im realen Leben häufig als Opfer von Raketenbeschuss durch die Hamas Schlagzeilen machen.
Das Spielprinzip ist denkbar simpel: Zunächst müssen durch Mausklick die Städte, auf die gerade eine Rakete zufliegt, in den Alarmzustand versetzt werden. Anschließend sprengt ein Klick auf die anfliegende Rakete diese in die Luft. Mit der Zeit werden die Raketen mehr und schneller und das Treffen so anspruchsvoller. Sind alle Städte zerstört, ist das Spiel vorbei. Das Spielprinzip erinnert an das früher populäre Spiel "Missile Master". Die Zielsetzung allerdings dürfte weit ernsthafter sein als bei dem Retro-Actionspiel. Auf der Website wird das Spiel vollmundig als "ein politisches Spiel, das einem hilft, den Nahost-Konflikt zu verstehen" bezeichnet. In Wirklichkeit aber gibt es Grund anzunehmen, dass es eher um pro-israelische Meinungsmache geht. Aufgrund des Spielprinzips kann man "Save Israel", wie die meisten Arcade-Spiele, nicht gewinnen, sondern nur so lange wie möglich durchhalten. Ist das Spiel beendet, also alle Siedlungen zerstört, was aufgrund des Spielprinzips immer irgendwann, je nach Können des Spielers früher oder später, eintreten wird, erscheint jedes Mal derselbe Text. Dieser lautet: "Game over. Es ist sehr schwer, israelische Städte vor Raketen der Hamas zu schützen, deswegen müssen wir uns selbst verteidigen." Die Intention liegt auf der Hand: Mithilfe dieses Spiels soll die Offensive Israels als Selbstverteidigung gegen Hamas-Terroristen, die Raketen auf israelische Zivilisten feuern, legitimiert werden. Inwiefern man die Spieler auf diese Art in ihrer politischen Meinung beeinflussen kann, ist allerdings fraglich.
Die entgegengesetzte Seite im Gaza-Konflikt, nämlich die der Hamas, wird mit dem Spiel "Raid Gaza!", gegen das sich "Save Israel" geradezu harmlos und naiv ausnimmt, vertreten. Dieses richtet sich gegen die Rechtfertigung israelischer Angriffe. Dazu geht es einen zunächst ungewöhnlich erscheinenden Weg: Es versetzt den Spieler in die Position Israels, das laut Meinung der Spiele-Autoren den Aggressor darstellt. Als solcher hat er in dem eher simplen Strategiespiel das Ziel "so viele Palästinenser wie möglich zu eliminieren". Die Anzahl palästinensischer Opfer muss über der israelischer liegen. Man muss Waffen bauen und diese gezielt einsetzen; mehr Geld für Kampfflugzeuge, Raketen und Panzer erhält man, wenn man Bündnispartner anruft und diese um "humanitäre Hilfe" bittet. Für Treffer gegen Einrichtungen wie Krankenhäuser und Polizeistationen gibt es Bonuspunkte. Am Ende des Spiels wird die Quote berechnet, wie viele Palästinenser man pro totem Israeli getötet hat, und demnach die Fähigkeiten des Spielers bewertet.
Durch dieses Spiel soll offenbar suggeriert werden, dass die Israelis besonders unethische Taktiken wie Angriffe gegen Zivilisten gutheißen, sowie dass die internationale Gemeinschaft dies stillschweigend duldet. Einziges Ziel der israelischen Offensive ist demnach die Ermordung möglichst vieler Palästinenser.
gulli meint:
Logischerweise macht im 21. Jahrhundert der Konflikt, der derartig die Gemüter bewegt, auch vor einem Medium wie Flashgames nicht halt. Die offensichtliche Propaganda-Funktion der Spiele ist dabei aber ebenso besorgniserregend wie das zum Ausdruck kommende Weltbild, das sehr viel Hass und Unverständnis auf beiden Seiten offenbart. Abseits der Schlachtfelder wird auch hier deutlich, wie festgefahren in Gaza die Fronten sind und wieviel Unrecht auf beiden Seiten bereits geschehen ist. Um leichte Unterhaltung handelt es sich bei diesen Spielen also um keinen Fall. (Annika Kremer)
| 8 Reaktionen aus dem gulli:Board |
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steez187 am 12.01.2009 14:27:50: |
Gravenreuth am 12.01.2009 14:31:41: |
kekstier am 12.01.2009 16:21:04: |