Garfield minus Garfield / Travis: Wenn Kunst wichtiger ist als Copyright

Garfield minus Garfield / Travis: Wenn Kunst wichtiger ist als Copyright

gullinews am Samstag, 02.08.2008 05:42 Uhr

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Ruchlos ist die Unterhaltungsindustrie, wenn es um die Verteidigung ihrer Pfründe geht, maßlos und verlogen. Ganz klar: Wer ein paar DivX-Filme tauscht oder ein YouTube-Video mit einem Song aus den aktuellen Charts unterlegt, ist in den Augen der Rechteverwerter ein Verbrecher. Nicht übersehen sollte man jedoch, dass Künstler selbst Verletzungen ihrer Urheberrechte zum Teil sehr viel gelassener sehen als die Industrie. Wenn sie selber Einfluss nehmen, können sie ein Umdenken bewirken. Dies beweisen einmal mehr zwei aktuelle Beispiele aus völlig unterschiedlichen Bereichen.

Die Idee klingt zunächst bizarr: Der Ire Dan Walsh bearbeitet Comic Strips der weltweit beliebten Garfield-Reihe und schneidet per Bildbearbeitung ausgerechnet den Hauptprotagonisten heraus. Diese Strips veröffentlicht er seit Februar 2008 mehrmals wöchentlich in einem eigens eingerichteten Weblog unter dem Namen "Garfield minus Garfield". Die Ergebnisse tragen eine gewisse Komik in sich, denn die kurzen Erzählungen konzentrieren sich durch das surreale Stilmittel auf Garfields neurotischen Besitzer Jon Arbuckle. Dessen tragischer Charakter eines sozial isolierten Spießers, der sich mit kaum jemandem als seinen Haustieren unterhält, tritt ohne die trockenen bis hämischen Denkblasenkommentare des getigerten Vierbeiners nämlich viel deutlicher zutage, provoziert dabei ironischerweise trotzdem ein Grinsen beim Betrachter.

Walshs Blog war sehr erfolgreich. So blieb es nicht aus, das Garfield-Erfinder Jim Davis davon erfuhr. Anstatt dass er nun Walsh über seine Anwälte mit Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen überzog, lobte er ausdrücklich dessen Arbeit:

"Ich möchte Dan danken, dass er mir ermöglicht hat, eine andere Seite von Garfield kennen zu lernen. Einige der Comics, die er aussuchte, waren Knüller: 'Oh, das hätte ich eigentlich weglassen können, es wäre lustiger gewesen'."

Damit nicht genug. Anlässlich des 30. Jubiläums des Lasagne-affinen Katers erscheint nun sogar ein Sonderband bei Ballantine Books, dem Verlag der regulären Garfield-Bücher, basierend auf "Garfield minus Garfield". Darin wird jeweils der Original-Strip und der Bearbeitete zu sehen sein, das Vorwort stammt von Dan Walsh.

Auch aus der Musikwelt hört man Positives. SoMuchSilence.com ist ein Musikblog aus Phoenix, Arizona, das sich mit Hip Hop und Indie beschäftigt. Der Betreiber Kevin publizierte dort am 21. Mai ein MP3 der bekannten schottischen Pop-/Rockband Travis ("Why does it always rain on me?"). Am 1. Juli bekam Kevin einen unpersönlichen gehaltenen "Cease and Decist"-Brief der IFPI, welcher ihn aufforderte, den Track sofort offline zu nehmen. Dabei wurde jedoch ein falscher Bandname genannt und behauptet, dem Brief wäre bereits eine Aufforderung vorausgegangen. Kevin nahm den Track sicherheitshalber offline, wunderte sich jedoch nicht nur über die Ungereimtheiten im Brief, sondern auch darüber, dass Travis im Forum auf ihrer Website ausdrücklich dazu aufgefordert hatten, den Track mit anderen zu teilen.

Der Blogger wandte sich per MySpace an die Band und bekam innerhalb von 30 Minuten eine Antwort des Bandleaders Fran Healey. In dieser stand:

"Ich nehme an, bis sie den richtigen Song rausgefunden haben, kannst du ihn weiterverbreiten. Du hast definitiv den Segen von mir als einem der vier Rechteinhaber für diese spezifische Aufnahme. Tatsächlich halte ich die Sache für Unsinn. Danke auf jeden Fall, dass du (den Song) auf deiner Seite öffentlich gemacht hast. Es war wunderbar zu sehen, wie er da draußen seine Runde macht. Wir haben ihn nicht ins Radio gebracht, also hilfst du damit, die Leute zu infizieren."

Die Geschichte endet positiv: Die IFPI entschuldigt sich für den "Fehler", Kevin bietet das MP3-File wieder an (im Artikel runterscrollen), bittet seine Leser, es herunterzuladen und die Band mit Liebe zu überschütten. Travis-Bandleader Healey gibt zudem ein umfassenderes Statement gegenüber Torrentfreak ab, in dem er Kritik gegenüber der unflexiblen Industrie äußert, andeutet, eine Filesharing-Flatrate zu befürworten und die Ansicht vertritt, dass Musikkopien auch ohne das Internet weiterexistieren würde.

Dies sind zwei Beispiele, wie Urheberrecht mit Augenmaß angewandt - beziehungsweise nicht angewandt - wurde. Beispiele, die Schule machen könnten. Man muss Künstlern wie Jim Davis und Travis dankbar sein, denn ihnen ist bewusst, dass sie ihr Geld nicht dank einer Industrie verdienen, welche ihre Urheberrechte zu verteidigen vorgibt, sondern einzig durch ihre Fans. (fraencko)

Comic Strip: Garfield minus Garfield vom 22. Mai 2008

Bild von Fran Healey: alterna2 (cc)

(via techdirt and torrentfreak, thank you)

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5 Reaktionen aus dem gulli:Board

Schattenspieler am 02.08.2008 23:56:55:
Schön zu lesen, daß es auch anders geht. :T Aber warum haben die meisten Links http://go.gulli.com/gulli/url/http://go.gulli.com/gulli/url/* ?...

musicjunkie am 03.08.2008 17:33:19:
link, der via script das gulli-zeugs vorne drangehängt bekommt, dann erneut, und erneut und erneut, unschön gecoded würd ich sagen, oder mehrfach geändert, mit nem eben nicht so schönen script, das sich gleich alle links schnappt, egal ob schon gändert oder nicht.... tja ^^...

Ghandy am 04.09.2008 23:00:38:
Das mit den links ist gefixt!...

 

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