gullinews am Donnerstag, 02.10.2008 15:07 Uhr
Nach der Verkündung des Urteils heulte am Abend des 17.09. fast stündlich der News-Alert von "big G" im E-Mail-Postfach vieler Beobachter auf. Den berühmt berüchtigten Abmahnanwalt hat es letztlich doch noch erwischt, so zumindest wetterten einige Journalisten nicht ohne dabei ihre Schadenfreude zum Ausdruck zu bringen. Zumindest das Telefonat kurz nach Ende des Verfahrens brachte etwas Licht ins Dunkel. Man konnte schon nach wenigen Sätzen ahnen, dass dies noch nicht das Ende ist. Es wurde sehr schnell deutlich: Gravenreuth wird weiter machen, egal, was es kostet. Er geht bis zur höchsten Instanz. Kämpft, bis der letzte Vorhang fällt.
Was meine Person betrifft: Von Beginn bis Ende der 90er sah man sich einige Male auf diversen Amiga-Messen, beobachtete sich, schätzte sich ab. Er fragte sich, welches Pseudonym sich aus der Computerszene hinter meinem Gesicht verbarg. Und ich stellte mir die Frage, was das für ein Mensch ist, der sich die Verfolgung von Raubkopierern auf den Leib geschrieben hatte. Ein damals enger Freund aus dem Rheinland hatte zunächst Post von Tanja Nolte-Berndel, später von seiner Kanzlei bekommen. Sie habe doch so wenig Geld zur Verfügung und wollte deswegen Spiele für den Amiga kopieren, anstatt sie zu kaufen. Sie bat ihn schriftlich um eine Liste, um die Cracks beider Personen miteinander vergleichen zu können. Der Rheinländer ahnte nicht, dass er auf eine Falle reingefallen war. Eine gedruckte Falle, die damals in Form einer privaten Kleinanzeige in verschiedenen einschlägigen Zeitschriften positioniert wurde.
1998. Im Zuge der Cologne Conference kam es zum ersten Eklat. Das Organisationsteam der Szeneparty hatte eine Dartscheibe mit dem Konterfei von Gravenreuth beklebt. Große abstehende Ohren, viele böse Pickel, unzählige Hautunreinheiten und nicht zuletzt die dicke Nase rundeten das Bild ab. Man wollte den Besuchern ihren Aufenthalt auf der CC98 mit diesem Dartspiel auf sein Gesicht versüßen. Plötzlich stand er im Eingang, machte sich bemerkbar. Er rief fast hilfesuchend, dass er auch mitspielen wolle. An diesem Abend bat ihn Evrim Sen freundlich aber bestimmt zu gehen. Ein Jahr später wurde es ihm gestattet, auf seine eigene Karikatur zu werfen. Die Dartcompetition gewonnen haben andere, die Lacher hatte er aber auf seiner Seite. Günni, wie ihn manche in der Szene nennen, bewies mit der Aktion eindrucksvoll, dass er auch sehr gut über sich selbst lachen kann.
Bei anderen Gelegenheiten wirken die Handlungen von Herrn Gravenreuth nicht mehr so locker. Im Gegenteil: sie erscheinen weitaus verkrampfter. Heise online, fastix, diverse politische Parteien, die taz, raubmordkopierende Jugendliche, Betreiber von bulletin board systems (bbs = illegale Mailbox zu Beginn der 90er). Wir können unmöglich eine auch nur ansatzweise komplette Liste seiner Gegner präsentieren. Die Reihe seiner Widersacher ist lang und wurde im Laufe der Jahre immer länger. Trotzdem oder gerade deswegen wollten wir einen Blick hinter die Kulissen werfen. Was macht diesen umstrittenen Mann wirklich aus? Warum muss er immer wieder, fast wie Don Quijote, seinen Kampf gegen die Windmühlen austragen?
Lars Sobiraj: Vielleicht möchten Sie sich unseren Lesern zu Beginn vorstellen?
Günter Freiherr von Gravenreuth: (GFvG) Ich bin ledig aber seit fast 40 Jahren in einer festen Beziehung.
Hobbys: Gut Essen, mit meiner "besseren Hälfte" spazieren gehen, mit Freunden insbesondere aus Studentenverbindungen was unternehmen.
Lars Sobiraj: Wie sind Sie überhaupt zur "Juristerei" gekommen? Was hat Sie damals an diesem Fach gereizt, als Sie ihren Werdegang in Angriff nahmen?
GfvG: Ich als Fachhochschulabsolvent konnte nicht unmittelbar Patentanwalt werden. Ich hätte noch ein vollständiges TU-Studium, zuzüglich ca. drei Jahre als Patentanwaltskandidat absolvieren oder 10 Jahre im Angestelltenverhältnis arbeiten müssen, um dann als "Zehnender" zur Patentanwaltsprüfung zugelassen zu werden.
Ein Jura-Studium zzgl. Referendariat war da weniger Zeit und als Rechtsanwalt habe ich sogar deutlich mehr Vertretungsbefugnisse als "nur" ein Patentanwalt. Ein Patentanwalt darf zum Beispiel nicht selbstständig einen Verletzungsprozess für seinen Mandanten vor den Zivilgerichten führen. Die Rechtskenntnisse im Patentrecht habe ich mir im Referendariat und in ca. 6 Jahren in gemischten Patent- und Rechtsanwaltskanzleien angeeignet.
Lars Sobiraj: Ich nehme an, Sie haben zwischenzeitlich die Revision gegen das Urteil vom 17. 09. beantragt, oder?
GFvG: Sie wurde bereits am nächsten Tag eingelegt.
Lars Sobiraj: Wie soll ich das werten? Ist dies eher als Verzögerungstaktik anzusehen - oder funktioniert Ihr Verdrängungsmechanismus einfach hervorragend? Rechnen Sie sich eine Chance auf einen Sieg in welcher Form auch immer aus?
GfvG: Nach Angaben diverser Juristen, darunter auch mein Verteidiger, steht das Urteil des AG/LG Berlin im Widerspruch zu mehreren BGH-Entscheidungen.
Lars Sobiraj: Wir sind auf den weiteren Verlauf der Verhandlungen sehr gespannt. Aber warum haben Sie sich ausgerechnet die taz als Gegner ausgesucht?
GFvG: Ich habe sie mir nicht "ausgesucht" sondern von der taz.de eine belästigende Mail erhalten. Hiergegen bin ich wie in diversen anderen Fällen auch vorgegangen. Dass das LG Berlin (in Übereinstimmung mit der damaligen Rechtsprechung des Berliner Kammergerichts [= OLG]) erst die einstweilige Verfügung erlässt um sie dann bei unverändertem Lebenssachverhalt wieder aufzuheben, war nicht vorhersehbar. Selbiges gilt auch für das Berliner Kammergerichts, welches weder der gegenteiligen Meinung eines anderen Senats des Berliner Kammergerichts folgen, noch zu diese offenen Rechtsfrage die beantragte Revision zulassen wollte. Insoweit werfe ich diesem Senat des Berliner Kammergericht schlichtweg Feigheit vor dem BGH vor. Wenn die sich sicher gewesen wären, hätten die die Revision doch zulassen können.
Lars Sobiraj: Einerseits bekämpfen Sie mit allen Mitteln eine höchst unabhängige, links gerichtete Tageszeitung - andererseits fühlen Sie sich in einem extrem progressiven Forum, dem gulli:board, wie zu Hause, schauen fast täglich bei uns rein. Jetzt mal ehrlich: das passt doch hinten und vorne nicht! Auf welchen Schlips ist man Ihnen da getreten?
GFvG: Die Redaktion ist auf gar keinen Schlips getreten. Ich bekam von der taz.de eine belästigende Mail und hiergegen bin ich - wie in anderen Fällen auch - vorgegangen. Dass die DVU einsichtiger als die TAZ war und (schimpfend) eine Unterlassungserklärung abgab, bzw. die REPUBLIKANER und die SPD nach einer einstweiligen Verfügung einsichtig wurden spricht wohl eine klare Sprache.
Lars Sobiraj: Das mag ja sein aber nur eine belästigende E-Mail reichte für den ganzen Aufruhr aus? Der Kasseler Bürger Jörg Reinholz, im Netz besser bekannt als fastix, hat es Ihnen ja unglaublich angetan. Ihre Auseinandersetzung geht schon über viele Jahre. Warum können Sie den Mann nicht einfach so lassen, wie er ist?
GfvG: Er lässt mich ja auch nicht "wie ich bin".
Lars Sobiraj: Der Streit wäre seit langer Zeit ausgelaufen, hätten Sie ihn und seine Aussagen schlichtweg ignoriert. Warum gelingt Ihnen das nicht?
GfvG: Nein - Er geht auch häufig gegen Personen vor, die in Foren nicht über ihn posten.
Lars Sobiraj: Das mag ja alles sein. Aber manche Leute denken einfach fernab jeder Realität. Haben Sie ihm durch die Klagen etc. nicht viel mehr Medienwirksamkeit beschert, als ihm das sonst je vergönnt gewesen wäre?
GfvG: Mag sein - Aber ich bin nun mal nicht bereit mich z.B. als "Callboy", den man stundenweise gewinnen kann, bezeichnen zu lassen. Herr Reinholz reagiert auch äussert agressiv... (den Rest des Satzes haben wir auf Wunsch von Herrn Reinholz entfernt)
Lars Sobiraj: Marie von Ebner-Eschenbach schrieb einst: "Nicht was wir erleben, sondern wie wir es empfinden, macht unser Schicksal aus." Fest steht aber - Herr Reinholz hat zumindest eines erreicht: Er hat Ihren Nerv im Zentrum getroffen.
GfvG: Absolut falsch - ich amüsiere mich über ihn!
Lars Sobiraj: Warum können oder wollen Sie nicht loslassen? Ich bin sicher: Herr Reinholz ist ähnlich, wie Sie, auch sehr an der Wahrnehmung seiner Person in der Öffentlichkeit interessiert. Hätten Sie ihn mit Ignoranz "bestraft", wäre die never ending fastix-story längst Geschichte!
GfvG: Warum geht er dann auch gegen Personen, die in Foren nicht über ihn posten, vor?
Lars Sobiraj: Mich hat ehrlich gesagt verwundert, dass es trotz Ihrer aktiven Verfolgung von Mitgliedern der illegalen Szene nie zu gewalttätigen Racheakten gekommen ist. Mit am geschicktesten hat es der Szener MWS/Radwar aka Markus Wiederstein angestellt. Der hat Sie einfach zu einer Runde Paintball eingeladen. Warum nicht eine Runde Paintball oder Boxen mit fastix, heise online oder den Verantwortlichen der taz? Haben unsere Richter denn wirklich keine dringlicheren Fälle zu erledigen anstatt das gekränkte Ego von ein paar Männern zu rächen?
GfvG: Frag das mal HEISE :-D
Deren Ego ist bereits so gekränkt, dass die z.B. auf der diesjährigen CeBIT ein c't-Probeaboantrag von mir noch angenommen, dann aber nicht ausgeführt haben. Ich darf die c't nicht einmal mehr abonieren!
Das (mit dem Paintball) war Jahre später. Der Markus war in der 64er-Scene daheim. Paintball mit mir war ab den 90iger Jahren.
Lars Sobiraj: Ja, aber die früheren Gegner also die Raubmordkopierer auf dem C64 und ihr Jäger standen sich einige Zeit später trotz der problematischen Vorgeschichte völlig friedlich gegenüber. Man sieht also: es geht doch!
Was sagt eigentlich Ihre Partnerin zu der ganzen Angelegenheit? Unsere Frauen haben bekanntlich einen sehr großen Einfluss auf uns Männer, ob wir wollen oder nicht. Sie sind es auch, die uns oftmals vor unserem eigenen Starrsinn und vor Fehlern bewahren. Ich darf das sagen, ich spreche aus eigener Erfahrung. ;-)
GfvG: Wir streiten uns seit fast 40 Jahren, das sagt doch fast alles.
Lars Sobiraj: Sie sind jetzt 60 Jahre alt. Ist es nicht bald Zeit, sich aus dem aktiven Geschäft komplett zurückzuziehen, ein paar Bücher zu schreiben oder einfach den Lebensabend zu genießen? Was treibt Sie voran, gibt Ihnen die Kraft, noch immer als Rechtsanwalt zu arbeiten?
GFvG: Weil es mir einfach Spaß macht!
Lars Sobiraj: Noch ein paar letzte Worte?
GfvG: Weiter viel Erfolg für das gulli:board !
Lars Sobiraj: Auch Ihnen viel Erfolg und vielen herzlichen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Lars "Ghandy" Sobiraj durch.
Bild rechts: Gravenreuth & Korrupt in Bochum auf der gulli wars Party.
Bild ganz oben: Günni kommentiert den Dartwettbewerb auf der Cologne Conference 1999. Fotos: Ghandy.
Da nichts neues mehr kommt und hier nur noch gegeneinander geschossen wird, mache ich den Thread an dieser Stelle zu. Vielen Dank für eure Mitarbeit....
Jede Menge, Meister Kotze! ;) Oder was meinst du, warum ich hier manchmal mitlese/schreibe? Es kommt ja leider nicht jederzeit gute Comedy im Fernsehen. :D...
Soweit ich weiß, ist RA Neuber ein Fachmann, da er schon viele Jahre erfolgreich in seinem Beruf tätig ist. Du scheinst ja doch Humor zu besitzen!...
Könnt ihr endlich aufhören den plauzi zu zitieren? Es nervt und zwar gewaltig, wie ihr auf Trolle eingeht! Es gibt hier User, die wollen seine Ergüsse nicht lesen, vielleicht respektiert ihr diese mal. Das wäre echt nett. Bist du hier Hilfsmoderator? Seit wann gehört der Thr...
..."ICH würde..." Schließ doch nicht ständig von dir auf andere Menschen. Ich bin heilfroh, dass ICH nicht so bin wie du. Wahnsinn! Hier hast du ein gutes Beispiel wie du immer wieder das tust was du anderen vorwir...