gulli: FUD für Torrent-User
19. Januar 2005

FUD für Torrent-User

Verunsicherungsversuch durch US-Firma

Fear, Uncertainty, Doubt, kurz FUD - mit Angst, Unsicherheit und Zweifel kann man nach wie vor offenbar gute Geschäfte machen. Die US-Firma BayTSP behauptet, das BitTorrent-Netzwerk mit bisher nicht gekannter Genauigkeit überwachen zu können. Ihren Kunden bietet sie an, mit ihrer Software FirstSource urheberrechtlich geschützte Werke im Torrent-Netzwerk gezielt überwachen zu lassen. Angeboten wird die Protokollierung des ersten Uploads, um gezielt Releaser ermitteln zu können, wie auch die Überwachung der User, wer welche Dateiteile wie lange angeboten hat.

Was klingt wie ein weiterer Baustein zur Verunsicherung der Filesharing-Netze, ist jedoch per se überhaupt nichts neues. BayTSP ermittelt, wie eben üblich, die IPs von Filesharing-Nutzern. Schon seit Jahren ist bekannt, dass die IPs der Nutzer meist ermittelbar sind, sollte man seinen Filesharingtraffic beispielsweise nicht über anonyme Proxies geleitet haben, sondern direkt vom eigenen Rechner aus betreiben. So geht auch intern.de davon aus, dass Ziel der Kampagne vor allem die Verunsicherung der Power-User ist.

Denn die IPs von Tauschbörsennutzern sind bereits seit Jahren ermittelbar, falls die User keine entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen treffen. intern.de berichtet im genannten Artikel über Versuche niederländischer Forscher, die IP von Torrent-Usern, die ein bestimmtes File anbieten/laden, ganz ohne Spyware zu ermitteln - bereits 2003 wurden dabei über 50.000 IPs geloggt. Technisch folglich überhaupt nichts neues, was BayTSP aktuell seinen Kunden zu verkaufen versucht. Inwieweit in den USA mit dem Digital Millennium Copyright Act Möglichkeiten bestehen, mit den gewonnenen Daten Tauschbörsennutzern rechtliche Probleme zu bereiten, sei dahingestellt. In Deutschland existieren die von BayTSP genannten Möglichkeiten zur Userüberwachung schon lange, die spärliche juristische Anwendung lässt vermuten, dass ihr Einsatz real nicht allzu effizient ist. Usern, die ihre Daten verschlüsselt speichern, wird trotz geloggter IP schwer ein Vergehen nachzuweisen sein.

Insofern ist allenfalls erstaunlich, dass mit jahrealter Technik offenbar immer noch zahlende Kunden gewonnen werden können.

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