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24. August 2008
FrOSCon 2008 Impressionen und InterviewsAm gestrigen Samstag waren insgesamt rund 800 Personen und 40 Aussteller auf der Open Source und Linux-Messe FrOSCon 2008 anwesend. Publikumsmagnet der Veranstaltung war zweifelsohne die Keynote des gut gelaunten Informatikgurus und OS-Entwicklers Andrew S. Tanenbaum. 60 Vorträge beziehungsweise Workshops wurden insgesamt veranstaltet, rund 1.250 Teilnehmer wurden zusammen mit den heutigen Gästen gezählt. Wir haben uns mit zahlreichen Vertretern der Community ausgetauscht und bringen von dort einige Impressionen und ausführliche Interviews mit. Die Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg im Westen der Republik bot allen Ausstellern und Besuchern ausreichend Platz für ihre Aktivitäten an. Über Waschbären und Bugs: Kauft man sich ein Fernsehgerät, möchte man den Stecker einstecken und das Gerät einfach benutzen. Bei Computern sieht der Fall gänzlich anders aus: Nach der Installation des Betriebssystems muss das OS gegen Viren, Spyware, Spam, Hacker etc. geschützt werden, um eine halbwegs stabile Funktion des PCs zu gewährleisten. "Stellen Sie sich vor, Sie kaufen sich ein Auto und das bleibt alle paar Tage oder Wochen stehen - wie würden Sie darauf reagieren?" Seine eigene Entwicklung Minix 3 will mit diesem Missstand aufräumen.
Der Gitarrist Michael Bohle (siehe Bild unten) fiel auf der Ausstellung schon alleine deswegen auf, weil er auf seinem Stand häufiger Gitarrensolos zum Besten gab. Der Macher des Projekts JackLab wollte sich nicht damit abfinden, dass es keine anständigen Anwendungen im professionellen Musikbereich für Linux gab. "Ich habe mich mit einigen Leuten aus der Suse-Community zusammengesetzt und wir haben überlegt, wie wir diese Lücke schließen können, daraus ist JackLab entstanden. Das Projekt hat sich zu einem Treffpunkt für Entwickler und Musiker entwickelt, wo wir diskutieren, welche Voraussetzungen für Open Source bzw. Linux geschaffen werden müssen." Für Windows wäre die Palette an Anwendersoftware mehr als ausreichend, da hätte er nichts zu tun. Im Fall von Linux könne er sich noch "austoben". "Auch die Tools für die Musikproduktion müssen in Zeiten von freier, downloadbarer Musik frei sein. Das Alphabet ist auch nicht lizenziert, das kann jeder benutzen. Und so muss das hier auch sein." Kommerziell ausgelegte Projekte für Linux wären seiner Meinung nach wegen des zu kleinen Marktes grundsätzlich zum Scheitern verurteilt. Zudem müsse man zunächst sehr viel Vorarbeit leisten, um die hohen Erwartungen der Anwender von Windows- oder Mac-Rechnern erfüllen zu können. "Zudem gibt es kaum oder keine Unterstützung von der Industrie." Die Hersteller der Hardware würden sich sehr lange bitten lassen, bis diese ihre Treiber endlich zur Verfügung stellen würden, wenn überhaupt. Im Laufe der Zeit haben rund 20 Personen ihren Beitrag zur Entwicklung von JackLab geleistet. Im September letzten Jahres hat man die erste offizielle Version des Programmpakets veröffentlicht. Die Arbeit ist aber noch lange nicht abgeschlossen, will man den Linux Anwendern den gleichen Komfort wie unter Windows oder MacOS bieten.
Leider gibt es keinen zentralen Ansprechpartner, um die Verbreitung von Linux voranzutreiben. Viele Städte und Gemeinden entscheiden über die Ausstattung ihrer Schulen eigenständig. In anderen Nationen, deren Gemeinden über weitaus weniger Geld verfügen, konnte die Verbreitung des Freien und kostenlosen Betriebssystems leichter realisiert werden. Erste Ansätze sind auch hier erkennbar, in Deutschland muss die weitere Entwicklung aber noch abgewartet werden. Ergänzung vom Atari-Frosch: In seinem Vortrag "IPsec und SSL-VPNs" zeigte Johannes Hubertz die Einsatzgebiete für IPsec (Verschlüsselung von IP-Paketen) und verschlüsselten Virtual Private Networks, ohne dabei jedoch in die genaue Funktionsweise beider Techniken einzusteigen. IPsec hat den Vorteil, dass die Verschlüsselung im Kernel stattfindet, während VPNs im Userland verschlüsselt werden. Ein Problem insbesondere im B2B-Bereich sind dabei allerdings oft die in Firmen eingesetzten Netzwerkrouter: Die Hersteller der Router implementieren IPsec nicht immer 100-prozentig standardgemäß, sondern bauen kleine Veränderungen ein. So kann es vorkommen, dass zwar die Router zweier Firmen IPsec sprechen - aber nicht miteinander. Johannes Hubertz betonte in seinem Vortrag immer wieder: Egal welche der beiden Methoden man wählt, es sollte immer quelloffene Software eingesetzt werden. Die Quellcodes der Programme können überprüft und ggf. an eigene Bedürfnisse angepasst werden. Bei proprietärer Software habe man keine vollständige Kontrolle über sein Netzwerk und dessen Sicherheit.
Auf die Frage, warum es so viele Linux-Distributionen gibt, antwortet er mit der Gegenfrage "Warum gibt es so viele unterschiedliche Autos?" Mit der Brille eines Unternehmers betrachtet wäre eine solche Splitterung innerhalb der Linux-Community sehr ungünstig. "Die Entwickler Freier Software haben aber keinen kommerziellen Hintergrund. Es ist uns nicht wichtig, dass wir die totale Macht haben und alle anderen vom Markt verdrängen. Wir verkaufen keine einzige CD, keinen einzigen Datenträger und keinen Rechner damit. Für uns von Debian steht lediglich Freie Software und ein vernünftiges System im Vordergrund. Ein universal operating system, das man überall einsetzen kann." Die einzelnen Distributionen haben unterschiedliche Zielsetzungen, sollen unterschiedliche Bedürfnisse der Anwender befriedigen. "Es ist nicht so, dass es DIE Community mit dieser EINEN Zielsetzung gibt. Etwa so wie die Firma Microsoft, die die Gewinnoptimierung als Ziel hat und gerne auch die Konkurrenten vom Markt verdrängt, das ist bei der Freien Softwarebewegung anders." Die Unterschiedlichkeit der Distributionen ist zugleich ihre Schwäche wie auch ihre Stärke. Wer mit der einen Lösung nicht zurechtkommt, kann alternativ etwas anderes ausprobieren. Bei Debian wurden viele Anstrengungen unternommen, um die Abhängigkeiten innerhalb des Betriebssystems sinnvoll festzulegen. So werden die entsprechenden Zusatzinformationen (Pakete) automatisch bezogen, die von unterschiedlichen Personen erstellt wurden. Installiert man beispielsweise den Firefox, so braucht man auch Qt und noch ein paar weitere Bibliotheken und Programmpakete. "Diese Abhängigkeiten müssen sinnvoll definiert werden." Und im Gegensatz zu kommerziellen Unternehmen finden solche Diskussionen öffentlich in den Mailinglisten statt. Die Entscheidung trifft dann die Community und nicht ein einzelner Geschäftsführer. Vor allem arbeiten solche Personen aktiv an der Entwicklung von Debian mit, die ein Problem haben und dieses selbst lösen können. "Wenn dieses Problem vernünftig gelöst ist, ist auch deren Leben einfacher." So tragen überall in der Welt ganz viele Menschen ihre Arbeit bei. Die Summe all dieser Mosaiksteine bildet im Endeffekt die komplette Distribution. Diese besteht insgesamt aus einer Datenmenge von umgerechnet zwei DVDs.
Letztlich sind all die Einschränkungen der Vista-Benutzer die beste Werbung für anders geartete Betriebssysteme. Die Anwender fragen sich immer häufiger, ob sie oder das OS die Kontrolle über den Computer übernommen haben. "Ich habe schon häufiger davon gehört, dass man unter Vista einen mit der eigenen Digitalkamera gedrehten Film nicht abspielen oder an Freunde verschicken konnte, weil die DRM-Information fehlt. Das betrifft nicht jedes Format und jede Kamera aber das ist mehrfach vorgekommen." Wenn der Empfänger des Videos dieses abspielen wollte, hat ihn Vista mit dem Hinweis daran gehindert, das DRM würde nicht passen. "Da kann ich mir doch nur an den Kopf packen. Was soll der Blödsinn denn? Das ist ein selbst gedrehter Film, der verletzt kein Copyright von irgendeinem Hollywoodstudio."
Text und Fotos: Lars "Ghandy" Sobiraj. Verwandte News
Trackbacks
...dann bin ich mal gespannt! Ghandy am 30.08.2008 00:03
Wuerde mich freuen, wenn jemand das dann hier zu gegebener Zeit bekannt gibt - wie ich mich kenne, vergess ich in ein paar Tagen wieder, nachzusehen. pvna am 30.08.2008 00:27
Yeah, die Streams sind jetzt online! *Bescheid geb* Ghandy am 18.12.2008 19:16
Danke Ghandy. Hier der Link: http://streaming.linux-magazin.de/archiv_froscon08.htm pvna am 20.12.2008 02:28
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