06. November 2007
Freiheit statt Angst Fast 300 Demonstranten in Düsseldorf
Anfangs waren um die zweihundert Zuhörer anwesend, im Verlauf der rund neunzig Minuten kamen noch einige Nachzügler dazu. Manche Passanten, die ursprünglich shoppen gehen wollten, blieben aus Interesse einfach stehen. Somit summierte sich am Ende der Veranstaltung die Menge der Teilnehmer auf fast dreihundert Personen. Den Anfang der dargebotenen Reden bildete ein Vertreter der
ASTA von der Heinrich-Heine-Universität. Ein Arzt aus Essen trug anschließend seine Meinung bezüglich der geplanten Elektronischen Gesundheitskarte vor. Die Gesundheitskarte wird ab April 2008 schrittweise die bisherige Krankenkassenkarte ersetzen. Man rechnet offiziell mit Kosten in Höhe von 1,4 Milliarden Euro. Weniger vorsichtige
Schätzungen wie die der Betreibergesellschaft "gematik" beziffern die Aufwendungen innerhalb der ersten fünf Jahre auf rund 5,2 Milliarden Euro.
Werner Koch von der
FSFE (Free Software Foundation Europe) und einer der Autoren der GnuPG sprach davon, dass alleine Verschlüsselung als Schutz der Privatsphäre heute nicht mehr ausreicht. Die Politiker hätten die Vorratsdatenspeicherung als neues Mittel gefunden, um die Menschen in unserem Land beschnüffeln zu können. Die Engländer hätten im Zweiten Weltkrieg viel erreichen können, weil sie herausfanden, von wo aus deutsche Soldaten verschlüsselt gefunkt haben. Nicht nur das Entschlüsseln der Befehle und der Kommunikation, auch die Lokalisierung der Sendestationen hätte eine große Rolle dabei gespielt. So könnte auf die heutige Zeit übertragen auch die Ortung von Teilnehmern im Internet eine entscheidende Rolle spielen.
Frank Guthausen vom
ChaosDorf erläuterte in seinem historischen Abriss die Vorgänge in Politik und Wirtschaft von 2000 bis heute. Themen wie der vor ein paar Tagen eingeführte ePass, der Bundestrojaner, die Onlinedurchsuchung, die einheitliche Steuer-ID und die Elektronische Gesundheitskarte wurden jeweils kurz angeschnitten. Auch eine junge Studentin aus dem antifaschistischen Lager kam zu Wort. Ganz zu Anfang der Demonstration wurden ein paar Antifaschisten von den Organisatoren der Veranstaltung freundlich gebeten, keine sachfremden Themen vorzubringen. Das Verhalten der örtlichen Polizei muss man fairerweise lobend erwähnen. Die Beamten haben sich sehr dezent im Hintergrund aufgehalten und dem Treiben aus der Ferne zugeschaut. Ein Eingriff jeglicher Art war ohnehin nicht nötig. Anders als in Berlin hätte eine Minderheit von gewaltbereiten Randalierern keine Chance für die Durchführung jeglicher Aktionen gehabt. Alle beteiligten Organisationen hatten zu einer gewaltfreien Demo aufgerufen, das wollte man sich in der Rheinmetropole nicht kaputt machen lassen.
Ein Kamerateam vom WDR machte Aufnahmen für die "Aktuelle Stunde". An Politikern gab sich lediglich Monika Düker, die Innen- und Migrationspolitische Sprecherin der Grünen im Düsseldorfer Landtag als solche zu erkennen. Sie sprach davon, sie hätte sich eine längere Vorlaufzeit bezüglich der Ankündigung der Demo gewünscht, um eigene Parteimitglieder zur Teilnahme aufrufen zu können. Inwiefern dies primär der Bewerbung der eigenen Partei hätte dienen sollen, ist schwierig zu beurteilen.
Insgesamt kann man die Veranstaltung als Erfolg werten. Knapp 300 Teilnehmer bei einem solch speziellen Thema ist unterm Strich nicht wenig, in Berlin sollen es sogar eintausend Personen gewesen sein. Wenn die Organisatoren in den vierzig anderen Städten ähnliche Teilnehmerzahlen melden können, konnte einiges bewegt werden.
Schade, manch einer der Passanten konnte leider noch immer nichts oder nur sehr wenig mit dem Inhalt der Demo anfangen. Ein paar weibliche Jugendliche fragten uns, wer denn hier betrauert werden würde. Sie hatten aus der Ferne das Kreuz bestehend aus Grabkerzen leuchten sehen. Auf die Thematik der Demonstration angesprochen fingen die pubertierenden Mädchen an zu kichern. Sich darüber Gedanken zu machen ob und in welcher Form unsere Freiheit bereits eingeschränkt wird - das entsprach offensichtlich nicht ihrem Interesse.
Wer sich aus erster Hand informieren möchte,
Radio 1984 bietet auf seiner Seite einen Livestream sowie Telefoninterviews und Lageberichte aus vielen Städten der Republik an.
Bericht und alle Fotos: Lars Sobiraj
Verwandte News
Trackbacks
-
... 300 Demonstranten sollen es in Düsseldorf gewesen sein,Kiel meldet 200, 200 in Augsburg und 1000 in Berlin, die trotz Regen und schlechter Witterung auf die Straße gingen um zu demonstrieren. Bundesweit sollen es insgesamt 10.000 gewesen s ...
-
» 1 Trackbacks » Trackback URL dieses Artikels
Zitat:
Die Verbindungsdaten würden ohnehin bereits gespeichert
Aha.. Die Beschäftigung mit dem Thema hat scheinbar keine 5min gedauert und es war niemand dabei der Ahnung für 5c hatte... Toller Richterbund.
Btw.. warum 'nen Mörder bestrafen.. das Opfer ist doch schon tot.
Zitat:
Zitat von altrulazor
lol
ich war auch in münchen. aber da da tote hose war (war gegen 17:30 ca. da) habsch mich wieder verkrümelt....meinen zug aber trotzdem verpasst.
Naja wenn es erst um 18:00 losgeht ist es albern um 17:30 zu kucken wer so da ist.
Zitat:
Zitat von Gravenreuth
Das machen die im Umkreis von 500m vom Hofbräuhaus immer und von allem.
Das kann sein, aber lustig war es allemal.
Zitat:
Zitat von modulo
um kurz vor acht, also als viele leute schon wieder gegangen sind, waren es auf dem odeonsplatz noch gut mehrere hundert menschen - trotz Regens.
ich habe zwar auch einige punks o.ä. gesehen, aber auch einige gruppen von 40 oder 50+.
die kundgebung war mE zum Teil wesentlich zu geschwollen formuliert, aber es war auch nur das Ende der ganzen Demo, bevor es dann zur Band weiterging.
Viele ...