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26. Mai 2007

Finnisches Gericht CSS-Kopierschutz bei DVDs offiziell ineffektiv

Gestern entschied das Bezirksgericht in Helsinki, dass die Kopierschutzmethode des Content Scrambling System (CSS) nicht als effektiv einzustufen sei. Diese Entscheidung könnte weitreichende Konsequenzen haben: die Europäische Kopierschutz-Direktive von 2001 verbietet die Umgehung von "effektiven technologischen Massnahmen".

Der Hintergrund des Gerichtsprozesses liegt über ein Jahr zurück: Ende 2005 stellten einige finnische Computer-Aktivisten eine Website online, wo Methoden zur Umgehung von CSS erläutert wurden. Um gegen Kopierschutzsysteme zu protestieren, erstatteten sie daraufhin Selbstanzeige; dabei aber waren sie davon ausgegangen, dass die Behörden der Sache wohl kaum nachgehen werden. Zu ihrer Überraschung wurde der Fall jedoch weiterverfolgt und landete vor das Bezirksgericht Helsinki. Angeklagt waren der Betreiber der inkriminierten Website Mikko Rauhala, sowie ein weiterer Aktivist.

Das gestern gesprochene Urteil kann getrost als eine Sensation bezeichnet werden. Nach Anhörung zweier Experten stellte das Gericht in seinem Urteilsspruch fest: "...da es einem norwegischer Hacker bereits 1999 gelungen ist, den CSS-Kopierschutz bei DVDs zu umgehen, können Endnutzer ohne Schwierigkeiten Dutzende entsprechender Umgehungs-Programme, die sogar kostenlos sind, aus dem Internet bekommen. Bei manchen Betriebssystemen ist solche Software vorinstalliert." Somit, so das Urteil, "kann das CSS-Kopierschutz nicht länger als 'effektiv' im Sinne der Gesetzgebung charakterisiert werden." Alle Anklagepunkte wurden fallengelassen.

Die finnische Copyright-Gesetzgebung basiert auf der 2001 verabschiedeten EU Copyright Directive (EUCD). Darin heißt es ausdrücklich, dass "effektive technologische Massnahmen" zum Kopierschutz vor Umgehung geschützt werden sollen. Der Anwalt der Angeklagten, Mikko Välimäki, sieht weitreichende Konsequenzen durch diesen Richterspruch: da das Wort "effektiv" explizit der EU-Richtlinie entstammt, könne das Urteil in ganz Europa als Präzendenzfall gelten. Er führt weiter aus: "Ein Kopierschutz ist nicht länger effektiv, wenn es weit verbreitete Endnutzer-Software gibt, die diesen Schutz umgehen kann. Meinem Verständnis nach hängt es nicht von einer bestimmten Technologie ab. Somit kann das Urteil in Zukunft auch auf Blu-Ray und HD-DVD angewandt werden."

  • 28 Kommentare zum Artikel
  • Zitat: Zitat von Nubi  Danke für die Belehrung! Welche Belehrung? War da was? Zitat: Zitat von Nubi  Aber eine Bitte hätte ich dann doch noch: Nenn mir bitte mal ein Beispiel für einen "richtigen" Kopierschutz. Dann werde ich versuchen ab jetzt auch getrennte Korinthen für Kopierschutz, Abspielschutz und Inhaltsschutz zu kacken und das ganze nicht wie ...

    mboettcher am 29.05.2007 15:40
  • Ich wollte von Dir eigentlich nur ein Beispiel für einen Kopierschutz.

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