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14. Juni 2008

Filesharing als Chance US-Fernsehsender releast Serienpilot per P2P

Man ist sich weitgehend einig in der Medienbranche: Raubmordkopierer gefährden das Geschäft. Wer sich etwa die neueste Folgen von TV-Serien per BitTorrent besorgt, bezahlt keine Pay TV-Gebühren und verhindert Einnahmen durch Werbung. Hin und wieder gibt es jedoch Fernsehleute, die ihre Scheuklappen abnehmen und auch das virale Marketing-Potential von Peer-to-Peer sehen. Jüngst kooperierte der US-Sender Spike mit der Jun Group, um für eine neue Serie auch in der Filesharing-Community zu werben.

Glaubt man den Zahlen von Torrentfreak, sind Fernsehserien ein höchst beliebtes Objekt auf den BitTorrent-Trackern der Welt und übertreffen in ihren Downloadzahlen sogar die regulären Einschaltquoten der Sender. Die Anti-Filesharing-Lobby übersieht beim Anprangern dieses Sachverhalts nur zu gern, dass die Industrie keine legale Alternative geschaffen hat. Der illegale ist für Millionen loyaler Fans weltweit der einzige Weg um an die neuesten Folgen von "Lost", "Battlestar Galactica" und "Doctor Who" zu kommen. Die Initiative der "South Park"-Macher, die neuesten Folgen als Stream kostenlos ins Web zu stellen ist da nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Vielleicht findet aber langsam ein Stimmungswechsel bei den Inhabern der der Verwertungsrechte und exklusiven Sendelizenzen statt. Spike ist eine Tochter des Mediengiganten Viacom. Um potentiellen Zuschauern die neue Serie "Factory" schmackhaft zu machen, hat man die Jun Group, bekannt vor allem für die Releasercrew-Krimiserie "The Scene", engagiert. Diese speist laut Informationen eines L.A. Times-Blogs den Pilotfilm der Serie in diverse Filesharing-Netze ein, besonders per LimeWire in das Gnutella-Netz. Das Video soll dabei frei kopierbar, nicht mit Werbung versehen und ohne DRM-Verkrüppelung verfügbar sein. Der offizielle TV-Start der Serie, die als "The Office"-Abwandlung im Arbeitermilieu mit halboffenen Drehbüchern angekündigt wird, ist erst der 29. Juni. Durch den frühen hochoffiziell genehmigten Pre-Release könnte der Serie durchaus der virale Marketingeffekt zu Gute kommen. Ob die Sendung tatsächlich gut ist, wird die innovative Werbetechnik freilich nicht beeinflussen können.

Logo der US-TV-Serie FactoryLob für die Idee, aber Kritik an der Durchführung äußert das Blog newteevee.com. So sei LimeWire als primäre Audiotauschbörse nicht das traditionelle Netzwerk von Serien-Downloadern. Stattdessen hätte man besser mit den großen Säulen der BitTorrent-Szene, Pirate Bay, Isohunt und Mininova kooperieren sollen, um eine größtmögliche Menge an potentiellen Zuschauern anzusprechen. Dem schließt sich der Autor dieser Zeilen an und fügt hinzu, dass auch gestreamte Video-Häppchen, die man sich nur mit einer US-IP anschauen kann (Zitat aus der Fehlermeldung: "Es tut ich Leid"), den offenen Charakter der Serie nicht unbedingt unterstreichen.

  • Zitat: Zitat von fraencko aber das South Park-Streaming findet auf jeden Fall mit Duldung der großen Konzernmutter statt. Aber auch nur seit kurzem mit schön lauter Werbung dazwischen....

    ThegReg1602 am 16.06.2008 01:10
  • Comedycentral macht das geschickt vor, da gibts das ganze Programm international im Web, ohne Einschränkungen, in sehr guter Qualität. Natürlich ist da Werbung drin aber damit kann man gut leben weil sie kurz ist (max. 30 Sekunden) und nur alle 5min kommt.

    Crass Spektakel am 16.06.2008 08:46
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