Facebook: Verschwörung gegen die Privatsphäre

Simon_Columbus am Samstag, 07.11.2009 00:51 Uhr

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Eine Frau aus Texas klagt gegen das "Soziale Netzwerk" Facebook und den Video-Verleiher Blockbuster. Der Vorwurf: Die Unternehmen hätten sich gegen ein Gesetz zum Schutz der Privatsphäre verschworen.

Konkret geht es um ein Bundes-Gesetz, dass die Daten von Menschen schützt, die Videos geliehen oder gekauft haben. Facebook hat eine Vereinbarung mit dem Verleih-Unternehmen getroffen, wodurch es Informationen über von Nutzern auf Blockbuster.com bestellte Filme erhält. Cathryn Harris sieht darin einen Verstoß gegen das "Video Privacy Protection Act", von Facebook hieß es dagegen: "Diese Klage entbehrt jeglicher Grundlage und wir werden uns energisch dagegen wehren."

Allerdings hat Facebook gerade erst im September eine Einigung in einer Massenklage erreicht, bei der es um dieselbe Sache ging. 9,5 Millionen Dollar muss das Unternehmen in diesem Fall zahlen; der Großteil wird im Übrigen in eine Stiftung fließen, die Projekte zum Schutz der Privatsphäre im Internet fördern soll.

Die Verfahren haben ihre Ursache in Facebooks kontroversem Werbesystem "Beacon". Als es vor zwei Jahren gestartet wurde, traf das Social Network Vereinbarungen mit 44 Unternehmen, die Daten über Einkäufe von Kunden an Facebook weiterleiten sollten. Diese Informationen sollten dann für Freunde sichtbar im Profil veröffentlicht werden. Vorher gefragt wurden die betroffenen Person nicht, aussteigen konnte man nur, indem man in den Privatsphäre-Einstellungen jedes einzelnen teilnehmenden Unternehmens eine Weitergabe der Daten untersagte.

Der Aufschrei war entsprechend groß, so dass Facebook "Beacon" einen Monat später auf opt-in umstellte. Von da an mussten Nutzer, die an dem personalisierten Werbe-Programm teilnehmen wollten, dem vorher ausdrücklich zustimmen. Facebooks Image als Feind er Privatsphäre war trotzdem erst einmal zementiert.

Die oben erwähnte Einigung würde Facebook neben den Entschädigungszahlungen auch verpflichten, Beacon ganz zu stoppen. Bisher fehlt dazu noch die Zustimmung des dem Verfahren vorsitzenden Richters. Doch Klägerin Harris ist das nicht genug. Einer ihrer Anwälte kritisierte, dass in der Einigung weitere rechtliche Maßnahmen gegen die an "Beacon" als Daten-Lieferanten beteiligten Unternehmen ausgeschlossen würden.

Die Texanerin dagegen will vor allem Blockbuster dafür vor Gericht bringen, dass das Unternehmen illegalerweise Daten weitergegeben habe. Sie hat bereits ein weiteres Verfahren gegen den Video-Verleiher laufen, das sich aktuell in der Schwebe befindet. Mit der Klage wegen Verschwörung gegen das "Video Privacy Protection Act" will Harris verhindern, dass ein weiteres gerichtliches Vorgehen gegen Blockbuster ausgeschlossen wird: "Wir denken, dass Facebook uns Schaden zufügt durch seine Aktionen, die darauf ausgelegt sind, uns vom Vorgehen gegen Blockbuster abzuhalten", sagt ihr Anwalt.

Man könnte die von Facebook mit "Beacon" verfolgten Ziele allerdings auch ganz ohne rechtlichen Hintergrund als "Verschwörung gegen die Privatsphäre" bezeichnen. Um personalisierte Werbung - eine vielversprechende Geldquelle - zu ermöglichen, wurden Unmengen an sensiblen Daten munter drauflos ausgetauscht und veröffentlicht.

Quelle: Wired: Threat Level

Bild: GeekSugar

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vgwort
 
6 Reaktionen aus dem gulli:Board

agrarbayer am 07.11.2009 12:58:57:
Wenn du dir einen Porno ausleihst und die Verleihfirma schlägt dann einen Aushang davon im Park an einen Baum, siehst du das dann auch noch so?...

TRON2 am 07.11.2009 13:53:05:
Das wird wohl niemand begrüßen wollen. Der Weg der persönliche Daten, geht zudem auch noch in die umgekehrte Richtung wie G:N hier schon oft berichtete. Die Frau hat ganz recht. Der Dienst wird als persönliche Vorstellung und Werbung verstanden, nicht dem total Exhibitionismus. Zumal es keine w...

Babaroga am 07.11.2009 15:46:12:
Wenn du dir einen Porno ausleihst und die Verleihfirma schlägt dann einen Aushang davon im Park an einen Baum, siehst du das dann auch noch so? Ich habe grundsätzlich eine Abneigung gegen "Soziale Netzwerke", weil daran nichts sozial ist. Bei der Verleihfirma ge...

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