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16. Januar 2007
Eye of the Storm Die Zukunft des DemonstrantenEinen Einblick in Methode und Umfang polizeilicher Videoüberwachung gibt der Film "Eye of the Storm" - ein Film über Polizeigewalt, der jedoch aufdeckt, wie moderne Überwachungsmethoden gezielte staatliche Repression ermöglichen. Das Schlimme: gezeigt werden ausschließlich aktuelle Szenen polizeilicher Videoüberwachung. Was bereits heute verfügbare Technik möglich machen wird, ist allenfalls am Rande erwähnt. Weshalb "Eye of the Storm" mit häufig eingeblendeten Filmausschnitten aus der Nazizeit sich selber einen Bärendienst erweist. Der Hinweis, dass moderne Technologie einen totalitären, alles überwachenden und maßregelnden Staat ermöglicht, ist so richtig wie naheliegend. Dennoch schlagen die Einsprengsel des Dritten Reichs einen unpassenden Bogen in eine Zeit, in der die Überwachungstechnik in den Kinderschuhen steckte und der Unrechtsstaat mit erheblichem Mehraufwand realisiert werden musste. Mit den Methoden des Dritten Reichs wird der Überwachungsstaat der Neuzeit nicht mehr arbeiten müssen. Das Beängstigende an "Eye of the Storm" ist indessen weniger die gezeigte Realität, sondern das darüber Hinausdenken. Vernetzte Datenbanken der Ermittler und Geheimdienste, Bilderkennungssoftware und Identifizierung von Einzelpersonen über im Netz publizierte Fotos, Erfassung biometrischer Erkennungsmerkmale sind längst keine Zukunftsmusik mehr. All diese Technologien werden in "Eye of the Storm" nicht einmal angesprochen - dennoch verschafft der Film einen Eindruck davon, wie riskant es bereits heute ist, auf eine nicht allzu regierungsfreundliche Demonstration zu gehen.
(Totalitäre Tendenzen bei der Demonstrationsüberwachung - taugt der Vergleich mit dem Dritten Reich?) Nun mag man zu seinen Zielen und Meinungen auch mit seinem Gesicht und seiner Identität stehen wollen. Die Frage ist indessen berechtigt, ob ein Staat das Recht haben soll, alle Meinungen und Ziele eines Individuums zu erfassen, zu archivieren und ihn gegebenenfalls negativen Sanktionen auszusetzen - sei es eine Sonderbehandlung auf Demonstrationen. "Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln", heißt es, von einer Pflicht, sich dabei erkennungsdienstlich behandeln zu lassen, ist im Artikel 8 GG aber keine Rede. "Jetzt können wir euch sehen", sagt der Televisor in 1984 zu Julia und Winston. Auch heute können dies die Kameras der Polizei. Und, wie in Orwells Roman, können sie inzwischen die Gesehenen identifizieren und die Orte und Anlässe ihres Auftauchens erfassen und archivieren. Wer denkt, Vermummung hilft, sollte sich den Film nicht nur herunterladen, sondern auch ansehen. (via) Verwandte News
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