gulli: Expertenurteil: Medienkonsum macht blöd und gewalttätig
30. Juni 2006

Expertenurteil Medienkonsum macht blöd und gewalttätig

Es ist ein Dauerbrenner, der deshalb "Experten" sicher auch noch in zwanzig Jahren fragen wird lassen: Macht Medienkonsum dumm? Mal wieder beschäftigte sich mit dieser Frage das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen, dessen Chef Christian Pfeiffer kein Freund von Fernsehgeräten und Computern ist. "Wir haben herausgefunden, dass Jugendliche, die viel Computer spielen, öfter deutlich schlechter in der Schule sind", findet er offenbar im Vierteljahrestakt heraus.

Das Zitat nämlich stammt aus einem Gespräch, das Anfang März erschien, während seine Anmerkung: "Wer sich regelmäßig Gewaltdarstellungen aussetzt, der verschlechtert seine Schulleistungen" ganz aktuell, aber wenig überraschend ist, denn der "Experte" würde sich doch kaum selbst widerlegen wollen. Diesmal also hat er in Thüringen geforscht oder forschen lassen - und dabei kam, wer hätte es gedacht, heraus, "dass häufig fernsehende und Computer spielende Kinder deutlich schlechtere Noten in Deutsch, Sachkunde und Mathematik erreichen als Kinder, die nur selten vor TV oder Rechner sitzen."

Und noch etwas fand er heraus: "'Hartz-IV'-Empfänger haben die meisten Fernsehgeräte im Haus" und machen damit wohl ihren Nachwuchs vorsätzlich dumm. Denn nicht nur seien "Geräte in den Kinderzimmern" ein "Ausdruck von Lebensarmut", die auf Kosten aller anständigen Steuerzahler Lebenden verabsäumten es sogar noch, ihren Kindern die elementarsten Schritte zur Bedienung der Geräte beizubringen. "Die Eltern müssen ihren Kindern sagen, dass der Fernseher einen Aus-Schalter hat", forderte Christian Pfeiffer daher bei der Vorstellung seiner neuesten einschlägigen Studie.

Befragt wurden rund 600 Viert- und 2.700 Neuntklässler, die täglich etwa 135 Minuten vor dem TV-Gerät und weitere 36 Minuten am Computer verbrächten. Die Hälfte der Kinder verfüge dabei über einen eigenen Fernsehempfänger und 44 Prozent über einen eigenen PC, wobei Jungen beide häufiger nutzten als Mädchen. 15jährige Jungen kämen in Thüringen sogar auf gut vier Stunden vor dem einen und dem anderen Flimmerkasten. Schauen sie sich dabei auch noch Horrorstreifen an, werden sie nachgerade zwangsläufig kriminell.

In Elternhäusern mit geregelten Einkommens- und Lebensverhältnissen wären nämlich 32 Prozent von ihnen gewalttätig, während, würden sie auf den Horror-Konsum verzichten, unter sonst gleichen Bedingungen nur 7.5 Prozent der Jugendlichen zu Gewalt neigten. Gewalttätige Spiele wirkten ähnlich. Wer sie spielt, bleibt dumm oder verblödet, wer sich mit ihnen nicht vergnügt, der wird hingegen ein schlauer und vor allem friedlicher Erwerbsloser, wenn er mit seinen Eltern nicht in den Süden zieht. Dort nämlich, wo es edmundstoibert, ist alles besser.

Der Nachwuchs verbringt dort weniger Zeit vor PC oder TV-Empfänger, weshalb es dem Land wirtschaftlich besser gehe. Nein, umgekehrt: Weil im Süden bessere wirtschaftliche Bedingungen herrschen, stehen in den Kinderzimmern der arbeitetenden Bevölkerung weniger Gerätschaften herum, die daher auch weniger genutzt werden könnten, um, wie Neurologen gemeint haben sollen, als "Löschprogramm" für das zu wirken, was vorher im Unterricht oder bei den Hausaufgaben gelernt wurde. Mithin wären die Kinder in Bayern auch schlauer. Und weniger gewalttätig.

Vielleicht liegt es aber auch am Ministerpräsidenten oder am Wetter. Das hat Christian Pfeiffer freilich nicht untersucht. Schon im März hatte er ganz weise verkündet: "Unser Wirtschaftswunder ist entstanden, weil wir besser waren. Da waren wir noch in Europa Spitze, heute sind wir auf Platz 17. Und gleichzeitig haben die Deutschen die meisten Geräte und Computer im Zimmer." Und eine Kanzlerin, die neuerdings bis in die Kinderzimmer hinein videopodcastet und dafür sich feiert. Sie hat, so scheint's, die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt. Es gibt noch viel Arbeit für Christian Pfeiffer.

  • 31 Kommentare zum Artikel
  • Sarkasmus etc. finde ich in den News schon passend. Die Kursivschrift nervt mich auch. Man muss sich aber wohl dran gewöhnen

    Greg5000 am 01.07.2006 13:03
  • Zitat: Zitat von klotzi Boah, diese News... Wenn man keine verfassen kann, dann sollte man es auch lassen! Dass die gulli-news-Autoren wenigstens mal versuchen würden, halbwegs objektiv zu schreiben, ist wohl eh nur ein Wunschgedanke, der nie Realität wird. Was aber außerdem noch extrem stresst: Dieses dumme, vollkommen sinnlose Setzen von Wörtern in Kursivschrift. Schlecht! wenns dir nicht ...

    dilapan am 01.07.2006 20:20
  • Naja, ich würde jetzt auch nicht behaupten, daß alles was in den Medien geboten wird die Leute automatisch verblödet... man kann sich über das Fernsehen und Internet ja wirklich informieren... wenn man gut auswählt. Und die Vielfalt der Informationen kann die Intelligenz bzw. Bildung schon steigern. Was ich aber feststelle ist, daß die Kinder vermehrt Fernsehen konsumieren und/oder vorm Computer abhängen... und ich frage mich oft über den ...

    lilith1970 am 01.07.2006 21:03
  • Wenn ich mir die Sendungen von SAT1 oder RTL ansehe muss ich Pfeifferle sogar recht geben. Bei dem Weichspülprogramm kann man nur verblöden... Volksverhetzung pur - jeder Hartz IV Empfänger ist doch bei denen ein Mensch der auf Mallorca oder in Florida Steuergelder verschwendet und der mehr Geld hat als der arme Familienvater in Deutschland. Vielleicht sollte Pfeiffer mal das Programm wechseln und seinen Schreibtischmörderarsch in die Höhe ...

    Ironwhistle am 01.07.2006 21:52

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