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23. März 2006

Ex-Gator Claria gibt Adware auf

Deutsche Bank verkauft das Unternehmen

An das Gator-Krokodil dürften sich noch einige Netzuser erinnern, doch auch der Neustart unter dem Transparenz suggerierenden Namen Claria brachte Gator kein Glück. Das Geschäft mit Ad- und Spyware wird schwieriger, EULAs müssen in immer mehr Ländern auch ankündigen, was Programme auf dem Rechner anrichten, Adware-Programme müssen nach Inkrafttreten einiger neuer Gesetze auch deinstallierbar sein: lauter Faktoren, die das Geschäft erschweren, in dem Claria zwischen 1999 und 2003 149 Millionen Dollar umsetzen konnte.

GatorDie Konsequenz: man zieht sich aus dem Geschäft zurück, in dem man vor Jahren noch gute Umsätze machte mit Kunden, die sich gelegentlich über ein Gator-Icon in den Programmverzeichnissen und zahlreiche heruntergeladene Werbeeinblendungen in diversen Ordnern wunderten. Anlaß meist ein installierter Screensaver, Downloadmanager oder Filesharing-Client, der sich gebündelt mit der Adware installierte. KaZaA, mit dem Gator ebenfalls vertrieben wurde, sattelte vor einiger Zeit auf Direct Revenue um.

Die Deutsche Bank Securities Inc. verkauft nun die Adware-Firmenteile der Claria. Der Käufer muss sich laut Claria dazu verpflichten, sich an eine Reihe von Standards zu halten, die unter anderem von Truste und anderen Privacy-Gruppen eingefordert werden. Konsequent sei das nicht, so Kritiker: man solle den Adwarebusiness besser komplett einstellen.

Das scheint jedoch selbst Claria nicht wirklich vorzuhaben: das nächste Projekt hieße "PersonalWeb", mit dem sich "personalisierte Webportale" erzeugen lasen, die themenbezogene Werbung von BehaviorLink einblendet, dem neuen Werbenetzwerk Clarias. Der Unterschied zu den meist unverlangten Popups, die alte Gator-Installationen erzeugten: die BehaviourLink-Werbung wird mit Erlaubnis der Sites eingeblendet, welche die Werbeeinblendung triggern.

Ein Ende der Adware-Seuche ist damit weniger in Sicht denn je: die Firmen wandern allenfalls in Länder mit weniger scharfer Gesetzgebung ab. Die Kundschaft existiert auf beiden Seiten: User klicken offenbar noch immer auf die unverlangte Werbung, Firmen kooperieren mit Adware-Herstellern trotz zweifelhafter Geschäftspraxis. Von 20 angefragten, größeren US-Firmen beendete nur eine ihre Werbepartnerschaft mit dem Adwarevertrieb 180solutions, nachdem sie auf umstrittene Distributionstechniken der Adwarevertreiber aufmerksam gemacht wurden.

Aber auch hier dürfte gelten, was beim Spam schon lange gilt: letzten Endes muss der User damit aufhören, auf entsprechende Werbung anders als mit Adblocker oder Spamfilter zu reagieren. Wenn niemand mehr das Zeug kauft, erledigt sich das Problem von selbst.

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