Eurojust: Hat Skype doch lieb

gullinews am Sonntag, 01.03.2009 01:39 Uhr

Seite druckenArtikel empfehlengulli RSS News Feedsgulli twittertgulli:Newsletter

Die EU entschuldigte sich bei der Betreiberfirma der Voip-Software Skype für die Behauptung, diese würde nicht mit den Ermittlungsbehörden kooperieren.

Um die Verschlüsselung von Voip-Gesprächen zu überwinden, will die EU in Zukunft verstärkte Anstrengungen unternehmen. Dies wurde insbesondere auf Wunsch Italiens vor kurzem beschlossen (gulli:news berichtete). Die Ermittlungsbehörden Italiens (und vieler anderer EU-Länder) sehen das Abhören von Telefongesprächen als wichtiges Werkzeug bei der Bekämpfung von Kriminalität, insbesondere organisiertem Verbrechen und Terrorismus. In dem entsprechenden Dokument der EU-Justizbehörde Eurojust hieß es, Skype würde nicht mit den Ermittlungsbehörden kooperieren. Dem widersprachen die Betreiber der wohl beliebtesten Voip-Software, die mittlerweile zu eBay gehört, entschieden.

Sie ließen verlauten, sie wären zur Kooperation, also zur Herausgabe der Schlüssel an die Ermittlungsbehörden, durchaus bereit, die EU habe lediglich nicht bei ihnen angefragt. Gegenüber US-Medien sagte man sogar, man habe Eurojust längst eine Kooperation angeboten. Eurojust bestätigte nun die Darstellung der Skype-Chefetage und entschuldigte sich bei ihnen für die abweichende Darstellung.

In einer Stellungnahme teilt Eurojust nun sogar mit, es habe bereits im Jahr 2006 eine Konferenz gegeben, an der auch Vertreter von Skype beteiligt gewesen seien. "Es gab während des Treffens einen positiven Bescheid von Skype-Repräsentanten, der ihre Entschlossenheit zeigt, mit den Ermittlungsbehörden im Kampf gegen ernste, grenzüberschreitende organisierte Kriminalität zu kooperieren."

Das offenbar vorliegende Missverständnis erklärte ein Eurojust-Sprecher gegenüber britischen Medien damit, man habe Skype in der ursprünglichen Erklärung nur als Beispiel genannt, da es sich dabei um den bekanntesten Anbieter von Internet-Telefonverbindungen handele. Skype begrüßte die Richtigstellung und kündigte an, auch künftig mit Eurojust und Ermittlungsbehörden der EU-Länder zusammenzuarbeiten, soweit dies rechtlich und technisch möglich sei.

Für Skype-Nutzer sind angesichts solcher Töne die Fragen, die seit langem um diese Software kursieren, wohl beantwortet: Skype kann nicht mehr als sichere Kommunikationsmöglichkeit betrachtet werden. Wer seine Privatsphäre zuverlässig schützen will, sollte auf Alternativen ausweichen. Leider sind diese meist noch umständlicher in der Bedienung und die meisten von ihnen benötigen, im Gegensatz zu Skype, einen Voice-Server. Möglicherweise wird ja in näherer Zukunft jemand den Bedarf nach einer quelloffenen, mit guter Kryptographie und per Peer-to-Peer arbeitenden Skype-Alternative entdecken und ein entsprechendes Projekt ins Leben rufen. (Annika Kremer)

(via heise, thx!)

Bookmark and Share

 
16 Reaktionen aus dem gulli:Board

sssSCH am 01.03.2009 18:26:00:
Von XTLS höre ich zum ersten mal, danke für den Hinweis. Scheint vielversprechend aber es gibt bisher kaum Clients für Jingle geschweige denn XTLS. Hier gibt's die Details zu XTLS: http://xmpp.org/extensions/inbox/xtls.html Das bereits erwähnte Zfone (bzw dessen Protokoll ZRTP/SRTP) ...

Annika_Kremer am 01.03.2009 18:32:15:
TS ist weder frei noch verschlüsselt und benötigt eigene Server. Insofern sehe ich es nicht als Alternative an. Die Verschlüsselung der Verbindung realisiere ich, indem ich das ganze über SSH tunnele. Da man den Server selbst kontrolliert, kommen da ja eher keine Pakete ab...

pvna am 03.03.2009 18:04:52:
Skype kann nicht mehr als sichere Kommunikationsmöglichkeit betrachtet werden. rotfl. wie geil....

Seite druckenArtikel empfehlengulli RSS News Feedsgulli twittertgulli:NewsletterSeitenanfang

Suche

Verwandte News

Vodafone & T-Mobile: Streit über Skype auf Mobiltelefonen
Skype: Bald wieder in alten Händen ?
Skype: Verschenkt SILK Audio-Codec
EU: Hat Skype im Visier (Update)
Italiens Polizei: Sieht Skype als Bedrohung