Etappensieg für Bürgerrechtler: Bundesverfassungsgericht schränkt Vorratsdatenspeicherung weiter ein

Etappensieg für Bürgerrechtler: Bundesverfassungsgericht schränkt Vorratsdatenspeicherung weiter ein

gullinews am Donnerstag, 06.11.2008 21:27 Uhr

Seite druckenArtikel empfehlengulli RSS News Feedsgulli twittertgulli:Newsletter

In der heute veröffentlichten dritten Entscheidung zur umstrittenen Vorratsdatenspeicherung hat der erste Senat des Bundesverfassungsgerichts seine bisherige Entscheidung nochmals bekräftigt. Die Karlsruher Richter schränken damit die Nutzung der Vorratsdaten bis zur Hauptverhandlung insofern weiter ein, dass die Daten nun nicht mehr zur Verfolgung schwerer Straftaten, sondern nur noch zur Abwehr von dringenden Gefahren abgerufen werden dürfen.

Am 11. März hatte das Bundesverfassungsgericht bereits in einer Eilentscheidung beschlossen, die Vorratsdatenspeicherung erheblich einzuschränken. Damals hatten die Richter den Abruf der Vorratsdaten auf die Verfolgung von schweren Straftaten beschränkt, wenn "die Erforschung des Sachverhalts auf andere Weise wesentlich erschwert oder aussichtslos wäre". Diese Entscheidung wurde am 1. September wiederholt. Nun hat der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung (AK Vorrat) einen weiteren Etappensieg errungen.

Der zweite Antrag der 34.000 Beschwerdeführer, mit dem sie das Gericht aufforderten, die Vorratsdatenspeicherung per Eilverfahren auszusetzen, hatte dabei tatsächlich Erfolg. Bis zur Hauptverhandlung dürfen die Vorratsdaten nur noch dann erhoben werden, wenn "ihr Abruf zur Abwehr einer dringenden Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit einer Person" oder zum Schutz des Staates oder der Allgemeinheit erforderlich ist. Die Speicherung der Vorratsdaten haben die Verfassungsrichter aber noch nicht ausgesetzt.

Das Bundesverfassungsgericht erklärte die Speicherpflicht der Verbindungsdaten zwar nicht für rechtmäßig, sah sich aber nicht befugt, diese auszusetzen. Die Karlsruher Richter sahen insbesondere die Missbrauchsmöglichkeiten durch Telekommunikationsunternehmen kritisch "gerade wenn es sich um umfängliche und sensible Daten wie denen nach § 113a TKG handelt". Es sei jedoch "nicht ersichtlich", dass es bis zur Hauptsacheentscheidung zu einem Missbrauch komme. Auch den Einschüchterungseffekt, den die Massenspeicherung der Verbindungsdaten verursache, sei bedenklich. Die Beschwerdeführer des AK Vorrat hatten dazu eine repräsentative Forsa-Umfrage ins Spiel gebracht, die zeigt, dass die Vorratsdatenspeicherung sensible Gespräche verhindere. Das Gericht fand jedoch, dass dieser Umstand bereits im ersten Eilentscheid beachtet wurde. In ihrer Verantwortung wollten die Verfassungsrichter ihrer Hauptsacheentscheidung nicht vorgreifen. Weitere Entscheidungen werden dabei 2009 gewartet, unter anderem vom Europäischen Gerichtshof, der bereits eine erste Klage gegen die Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung angreift. Sollte die Richtlinie nach dieser Entscheidung noch Bestand haben scheint es wahrscheinlich, dass das Bundesverfassungsgericht ihn beuaftragt, die Richtlinie auf die Vereinbarkeit mit den Grundrechten hin zu prüfen. Bis dahin wird eine endgültige Entscheidung noch auf sich warten lassen. (Malo)

Grafik wurde erstellt von codec, danke!

Bookmark and Share

24 Reaktionen aus dem gulli:Board

soricsoon am 08.11.2008 19:51:06:
Wieso? Es wurde doch nie ein Hehl daraus gemacht, dass es nicht um Terrorismus geht. Aber mit Terrorismus lässt es sich besser verkaufen. So sagte z.B. SPD-Innenpolitiker Wiefelspütz: "Vo...

titus_shg am 08.11.2008 20:37:15:
Und Fragen die Wiefelspütz gnädigerweise beantwortet hatte, klangen ungefähr so: "Sie wollen mich nicht´s fragen, Sie wollen mich belehren".... :p :o :p MfG Andy PS: Wiefelspütz ist aber trotz allem noch derjenige, der die meisten Fragen persönlich beantwortet ...

soricsoon am 08.11.2008 21:06:01:
"Sie wollen mich nicht´s fragen, Sie wollen mich belehren".... :p :o :p MfG Andy PS: Wiefelspütz ist aber trotz allem noch derjenige, der die meisten Fragen persönlich beantwortet da. :T Auch das ist in den Antworten des Herrn W. zu lesen. Für wen hält der sich e...

 

© 1998-2010 gulli.com | Suche

Seite druckenArtikel empfehlengulli RSS News Feedsgulli twittertgulli:NewsletterSeitenanfang

Suche

Verwandte News

Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung: Überwachung stoppen, Schäuble absetzen
Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung: Postkarten gegen Überwachung
Vorratsdatenspeicherung: Klage auf Herausgabe der Daten
EU-Vertrag: Verfassungsgericht fordert Nachbesserung
Vorratsdatenspeicherung: Schleswig-Holstein will auch ein Stück vom Kuchen