Elektrischer Reporter: bringt die Demoszene ins ZDF

Elektrischer Reporter: bringt die Demoszene ins ZDF

gullinews am Freitag, 05.12.2008 18:03 Uhr (Rating: RatingRatingRatingRatingRating)

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Die Neuauflage des Video-Podcasts "Elektrischer Reporter" befördert die zumeist im Verborgenen befindlichen Mitglieder der Demoszene raus aus dem Untergrund und rein in den strahlenden Sonnenschein. Mario Sixtus und sein Team führte sämtliche Interviews im Außengelände rund um die Kölner Vulkanhalle. Die Dreharbeiten fanden bereits letzten August 2008 im Verlauf der Demoparty Evoke statt. Wer Außenstehenden in 10 Minuten erläutern will, womit er seine ganze Freizeit verbringt, der dürfte an dieser Stelle bestens bedient werden.

Der Video-Podcast "Elektrischer Reporter" hat in Deutschland eine echte Vorreiterrolle inne. Denn sonst hat sich bislang noch kein anderer Fernsehsender an dieses internetaffine Format gewagt. Seit Kurzem wird die Serie wöchentlich auf dem ZDFinfokanal per Kabel, Satellit, DVBT (regional begrenzt) und überregional per Zattoo ausgestrahlt.

Trotzdem. Die meisten Zuschauer dürften sich noch immer auf der Website direkt einfinden. Noch letzte Woche zwitscherte uns der elektrische Reporter die Geheimnisse vom Microblogging-Dienstes Twitter vor. Und gestern in aller Herrgottsfrühe war in der zweiten Folge die Demoszene an der Reihe. In seinem typischen Retrostyle in schwarzweiß zuzüglich zu einer guten Portion Ironie wird in wenigen Minuten erläutert, was Demoszener tun und was die Faszination ihrer Tätigkeit ausmacht. Dass die Aktiven zu den Partys unter ihren Steinen und gulli:Deckeln hervorkriechen, stimmt nicht so ganz. Viele Programmierer haben mittlerweile einen guten Job in der Spieleindustrie inne.

Doch der Reihe nach. Manche Leser könnten beim Begriff Demoszene auf die Idee kommen, es handelt sich dabei um spezielle Spieledemos, also kostenlose Vorabversionen von Games. Und obwohl viele der Aktiven auch bei Softwareschmieden tätig sind, so haben die beiden Dinge nichts miteinander gemeinsam. Das Wort Demo ist die Kurzform von Demonstration. Das bedeutet, derjenige stellt auf einem Computer oder einem elektronischen Gerät etwas selbst Erstelltes dar. Bezüglich der verwendeten Hardware sind den Machern absolut keine Grenzen gesetzt. Demos können auf tragbaren Spielkonsolen, Handys, MP3-Playern, den unterschiedlichsten Computern oder sogar auf einem Drucker realisiert werden. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist nur, dass das Gerät optische wie auch akustische Signale von sich geben kann. Auch spielen generell betrachtet die Soundfähigkeiten eines Geräts, die Anzahl der verfügbaren Farben oder die Grafikauflösung, absolut keine Rolle. Im Gegenteil: Die Fans von Retrocomputern empfinden mehr Spaß, weil sie für ihre Präsentation sehr viel weniger Farben und Bildpunkte zur Verfügung haben.

So unterschiedlich die Ersteller eines Demos sind, so verschiedenartig sind auch ihre Erzeugnisse. Manche erzählen eine Geschichte, einige wenige tragen eine politische Botschaft in sich. Manche wollen das Maximum aus der Hardware herausholen, wieder andere legen ihr Hauptaugenmerk auf die Ästhetik. Die Produktionen müssen nicht zwingend aufwendig programmiert sein. Manche wollen einfach schön aussehen und den Betrachtern gefallen. Intros sind die kleinen Ableger der Demos, sie sind lediglich durch ihre Größe limitiert. 64 KB-Intros dürfen demnach maximal eine Größe von 64 KB haben, 4k-Intros nur vier Kilobytes aufweisen. 10.000 dieser 64k-Intros passen auf eine einzige CD, rund 69.000 Stück auf eine DVD. Die Aktiven messen sich also, ähnlich wie beim indischen Limbo-Tanz, in der Form, dass sie sich selbst bei der Datenmenge beschränken. Sie legen die Stange entsprechend niedrig, unter der sie durchtanzen wollen. Sich mit normalen Mitteln zu messen, das reicht vielen Leuten nicht mehr aus. Weniger ist hier mehr.

Ein kleiner historischer Abriss.

Diese Freizeitaktivität hielt gleichzeitig mit der Markteinführung von Heimcomputern in den Haushalten der Anwender Einzug. In den späten 1980ern gab es allerdings nur eine einheitliche Computerszene, eine Aufspaltung in Demo-, Hacker- und Crackerszene fand erst viel später statt. Während sich Cracker mit dem Entfernen von Kopierschutz von Anwendersoftware oder Spielen beschäftigen, so geht die Arbeit eines Demoszeners in eine ganz andere Richtung. Er setzt sich rein kreativ mit seiner Hardware auseinander. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Publikum etwas selbst Gemachtes zu präsentieren. Die ersten kreativen Ergüsse kamen trotzdem aus dem illegalen Bereich der Szene, es waren die sogenannten Crackintros. Darunter versteht man ein ausführbares Programm, das nicht anderes tut als den Anwendern zu erklären, welche Einzelperson oder Crackergruppe den Kopierschutz des Spiels oder der Applikation entfernt hat. Die Crackintros enthielten neben grafischen Darstellungen auch Scroller, die Nachrichten an Gleichgesinnte, oder an ihre Konkurrenten enthielten. Im Laufe der Zeit wurden die Crackintros immer aufwendiger, eine eigene Kunstform entstand. Innerhalb der Szene war Deutschland traditionell immer sehr stark vertreten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Und in Deutschland finden auch einige der wichtigsten Demopartys statt, auf denen sich die Mitglieder der Szene untereinander messen. Im Gegensatz zu den legendären Copypartys von vor 20 Jahren dienen solche Veranstaltungen nicht mehr dem Austausch von Software. Der Erfahrungsaustausch untereinander und der Wettbewerb um die beste Produktion stehen klar im Vordergrund.

READY antwortete schon der C64, wurde er unter Strom gesetzt. Weil aber heute kaum noch jemand in die Tasten haut, sondern lediglich die Maus herumgeschubst wird, gibt es auch enorme Probleme beim Nachwuchs dieser Bewegung. Die große Zeit der Bastler und Hacker ist leider vorbei. Heute wollen die Leute nur noch, dass die Technik irgendwie funktioniert. Und das egal, welche Grafikkarte oder Soundkarte oder sonstige Hardware im Computer eingebaut oder angeschlossen wird. Dafür tippen wir heute deutlich weniger und lernten zunehmend zu akzeptieren, dass unser Betriebssystem so ist, wie es ist. Die Zahl der Neugierigen, die ihre Hardware auseinandernehmen und die verwendete Software durchleuchten, sie nimmt von Jahr zu Jahr ab. Vollautomatische, von fremder Hand gesteuerte und nicht weniger trübe Zeiten könnten da auf uns zukommen, oder? READY antwortet noch immer der blaue Startschirm des Commodore 64, der Cursor blinkt quasi als Gegenbeweis.

Wie dem auch sei. Wer die bewegten Bilder den vielen Worten vorzieht, das passende Video gibt es weiter unten auf die Augen. Dieses kann auch in den unterschiedlichsten Formaten direkt von der Website heruntergeladen werden. Sogar an die Besitzer eines iPods, einer Sony PSP und von Handys hat man dabei gedacht. Dass der gulli:Redaktion im Sommer auch die Möglichkeit gegeben wurde ein paar schlau klingende Sätze zum Thema vor der Kamera zu äußern, sollte sich auf die Qualität des Beitrages im Idealfall weder negativ noch positiv auswirken. (Lars "Ghandy" Sobiraj)

Elektrischer Reporter: Demoszene - Hollywood in 64 Kilobyte

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20 Reaktionen aus dem gulli:Board

LBS am 27.12.2008 12:39:41:
Wie funktioniert eigentlich so eine Demo?...

am 27.12.2008 17:09:24:
Beeindruckendes Video. Beeindruckende Szene. :T...

CronekorkN am 27.12.2008 17:45:10:
Wie funktioniert eigentlich so eine Demo? Begabte Programmierer erstellen etwas optisch und akkustisch imposantes, ohne dabei bspw. mehr aks 64 KiB Speicherplatz in Anspruch zu nehmen. Das schafft man mit enormer Kenntnis und prozedualen Elemtenten, durch welche mithilfe Speich...

 

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