gulli: eCard: Ärztebund fordert Abbruch der Tests, Aufklärung und Aufschub

Anzeige

gulli:Toolbox

Voting

Worüber wollt ihr mehr News?
Netzwelt
Untergrund
Filesharing
Datenschutz
Hacking
Demoszene
Mobiles (Handy)
Linux
Feature (Gulli Glosse)
10. Mai 2008

eCard Ärztebund fordert Abbruch der Tests, Aufklärung und Aufschub

Vor dem entscheidenden Ärztetag in Ulm fordert der Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, NAV-Virchow-Bund, einen Aufschub der elektronischen Gesundheitskarte. "Das Projekt ist in Kosten und Nutzen völlig unklar, zeigt in den Testregionen große Anfälligkeiten und spiegelt schon heute nicht mehr den aktuellen Stand der Technik dar", so der Bundesvorsitzende Dr. Klaus Bittmann.

Die Organisation fordert einen sofortiger Stopp in den Testregionen, ein Kassensturz über bislang ausgegebene Mittel sowie die Neukonzeption unter Berücksichtigung des Nutzens und des heutigen Stands der Technik. Des Weiteren will der Bund vermeiden, dass die Daten alle zentral gespeichert werden, die Datenhoheit muss beim Patienten verbleiben. Zudem regt man eine bessere Einbindung der eCard in den Praxisablauf der Ärzte an.

Letztes Jahr beschloss der Deutsche Ärztetag bereits eine Neukonzeption dieses Projektes und stellte zentrale Bedingungen für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte auf.

"Da diese Forderungen bislang keinerlei Berücksichtigung fanden, muss der Deutsche Ärztetag in diesem Jahr seine Bedingungen erneut klar formulieren und vor allem handfeste Konsequenzen benennen." Dabei darf der Ausstieg aus der gematik mbH, einer Gesellschaft, die 2005 von den Spitzenorganisationen des deutschen Gesundheitswesens gegründet wurde, kein Tabu sein, so Dr. Bittmann weiter.

Die eCard soll ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt und Patient fördern, was sie in dieser Form nicht tut. Die Ärzte betonen in ihrem Positionspapier, dass die Symbiose aus Telekommunikation und Informatik ein Symbol für den Fortschritt unserer Zeit ist. Sie mahnen aber auch dazu, dass damit sehr viel Verantwortung verbunden ist. Die Politiker sollen die Schattenseiten erkennen und abwehren, "vielmehr ist es ein Technologieprojekt mit klaren ökonomischen Erwartungen der Industrie." Der NAV-Virchow-Bund kann keine Nachweise für eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit, Transparenz oder Qualität durch die eCard erkennen. Zudem sei die chipbasierte Gesundheitskarte bereits überholt, die Ärzte schlagen stattdessen die Verwendung der USB-Technik vor.

Jjeder Patient hat das Recht, jederzeit zu wissen, welche Daten wo gespeichert sind. Der Versicherte soll auch darüber verfügen können, dass Daten über ihn nicht gespeichert oder gelöscht werden. Details über genbasierte Krankheiten sollen zum Schutz des Patienten nicht auf der eCard gespeichert werden. Die genauen Forderungen kann man im PDF der Organisation nachlesen.

Hintergrund: Der Namensgeber der Organisation, Rudolf Virchow, entdeckte die nach ihm benannte "Virchowsche Trias" - das sind die Faktoren, die beim Menschen zur Blutgerinnung führen. Er setzte sich zudem als politisch engagierter Bürger für eine bessere medizinische Grundversorgung der Bevölkerung, eine flächendeckende Kanalisation und mehr Hygiene in den Krankenhäusern ein. Zu seinen Lebzeiten (1821 - 1902) war keiner der drei genannten Punkte in Europa gegeben.

(Via Nav-Virchowbund.de)

  • 7 Kommentare zum Artikel
  • @ chrispiac Na da haben wir doch mal einen echten Verfechter der neuen Karte... Nur leider bei dem ganzen netten Gesülze vergessen das die Datensicherheit, Verarbeitung usw. in hohem Maße ein Sicherheitsrisiko darstellt, was immer gern weggelassen bzw nicht erwähnt wird. Hier sollen hochsensible Daten erhoben und verarbeitet werden, wenn's geht zentral - aber genau da liegen die Schwachpunkte.... was ist mit eventuellen Missbrauch von ...

    ghostuser am 10.05.2008 17:50
  • Zitat: Zitat von ghostuser  @ chrispiac Na da haben wir doch mal einen echten Verfechter der neuen Karte... Das nicht, es ist nur interessant, wer da auf einmal den Datenschutz für sich entdeckt. Der Ärztebund ist ein Interessenverband von Ärzten. Sicher haben die zunächst Anschaffungskosten, sparen aber anschließend beim Personal, da Daten die an die Abrechnungsstellen und Krankenkassen ...

    chrispiac am 11.05.2008 11:22
© Copyright 2008 gulli.com  | home | sitemap | kontakt | impressum | Partner | downloads |