|
16. Juni 2006
Demoscene Breakpoint 2006 Party ReportWas tun Freunde und Anhänger der Demoszene des C64, des Amigas, der PC`s und sämtlicher Consolen, wie PSP, Nintendo DS, N64, Pokemon etc. zu Ostern wenn sie ihren familiären Verpflichtungen entkommen wollen? Die Frage stellt sich für die meisten eingefleischten Freaks von neuen und Retro-Computern gar nicht - der jährliche Gang nach Bingen zur Breakpoint ist seit langer Zeit fest im Kalender verankert. Historischer Überblick Vor drei Jahren zog die Party von Fallingbostel bei Hannover nach Bingen am Rhein. Die Organisatoren des Mekka^Symposium hatten sich zerstritten, genauere Hintergründe wurden nicht preisgegeben. Andere Dinge wie der Job, Ehefrau und Familie waren für die Ausrichter wichtiger geworden. Der Computerman, Simon "Scamp" Kissel verschob 2003 die Party von der Heidemarkhalle in ein ehemaliges Armeecamp, eingebettet von malerischen Weinbergen. Weitab jeglicher Zivilisation, was den Anwohnern des nächsten Dorfes bei dem extrem hohen Lautstärkepegel gut zu statten kam.
Die Rundsporthalle, in der die Breakpoint dieses und letztes Jahr stattfand, und die vom Aussehen her stark an ein Ufo erinnert, ist optimal ausgeschildert, mit allen Verkehrsmitteln (inklusive Raumschiff) gut erreichbar und liegt unmittelbar in der Nähe des Zentrums von Bingen. Alte Kisten, wie der C64 und der Amiga und eine Party mit über 1.000 Gästen, passt das noch? Ja, tut es aber fairerweise muss man zugeben, die Retrofreaks stellten eher eine Minderheit der Besucher dar. Die Atarianer haben sich vor ein paar Jahren nach einer erfolglosen ST- und Falcon-DemoCompetition aus dem Geschehen ausgeklinkt.
Alle anderen Anhänger neuer oder alter Computer, bzw. Spielekonsolen betreiben ein harmonisches Nebeneinander. Jeder Freak ist willkommen, egal ob er auf einer Sony PSP, einem Apple Ipod, auf einem Computer mit Linux/Windows oder auf einem Pokemon oder GBA arbeitet. Traditionell wird niemand ausgeschlossen, von den reinen Gamern mal abgesehen. Wer dort hinfährt, um einen Egoshooter zu spielen, hat Pech! Packet-Filtering heißt das Zauberwort. Die Netzwerkadmins unterbinden jährlich erfolgreich jegliche Kommunikation zwischen Gamer und Gamer. Interessant ist die Party dennoch. Denn so hermetisch abgeschlossen, wie sich die Demoszene von der Warezszene darstellen möchte, ist sie nicht. Isogruppen wie Razor 1911, Hoodlum (beide ehemals), Fairlight, Deviance unterhalten eigene Demosections. Oder sie heuern wie beispielsweise Orion, Virility, Reloaded etc. Demogruppen wie z.B. Titan an, um Crackintros für sie erstellen zu lassen. Die Mitglieder der Demosections haben allerdings aus Sicherheitsgründen wenig persönlichen Kontakt zu den "bad boys". Richtig ist auch, daß viele Demoleute die Warezszene verabscheuen, weil sie grundsätzlich destruktiv und nicht konstruktiv ist. Demos sind eigene Kreationen, hier wird niemandem der Lohn der Mühe durch einen Crack streitig gemacht. Das eigene Kunstwerk steht im Vordergrund, nicht, wer ein gecracktes Spiel als erstes auf eine 100+mbit-Site wirft. Der entscheidene Vorteil der Legalität ist auch, daß Frau & Mann sich mit guten Produktionen für die Spieleindustrie empfehlen kann. Übrigens: Ohne die Demoszene gäbs keine Archäologin Lara Croft. Der Programmierer war Anfang der 90er in Grossbritannien bei der Gruppe Lemon aktiv, bevor er bei Core Design einstieg. Breakpoint 2006 - Ups and downs Up: Die Verleihung der Scene.org Awards. Was in der Filmindustrie der Oscar oder Golden Globe ist, das sind in der plattformübergreifenden Demoszene die Scene.org Awards. Immerhin hatte die Amiga Gruppe The Black Lotus mit ihrem Winnerdemo von 2005 die Kategorien Best Graphics und Best Soundtrack abgeräumt.
To photo or not 2 photo Der Photo Wettbewerb hat seit seiner Einführung in diesem Jahr für viel Diskussionsstoff gesorgt. Manch ein Besucher fragte sich, was ein Photo, nachträglich z.B. mit Photoshop verändert oder nicht, mit der Demoszene zu tun hat. Sicher ist, über die durchschnittliche Qualität der abgegebenen fünfundzwanzig Bilder konnte niemand mäkeln. Die jeweils besten Plätze der zahlreichen Musikcompos waren wieder langweilig einheitlich besetzt. Bis auf Streamed Music (Mp3) hatte sonst in allen Fällen der britische Amiga-, PC- und C64-Musiker Reed von Fairlight die Nase vorn. Wilddemos & Animations Wer über einen schnellen Internetzugang verfügt, sollte sich möglichst keinen der Animationsfilme entgehen lassen. Die Werbung für die holländische Party Demozone mit dem wohlkingenden Namen "The tits have escaped" hat verdient den ersten Rang abgeräumt. "Of Mice and Monsters" war kurz, knackig und technisch perfekt, gefolgt vom zweiten Teil einer Animationsreihe der hungarischen Firma "Aenima". Freunde des Amigas wird es nicht schwer fallen zu erraten, welche Computerplattform ins Wachkoma, ins "Vigil Coma" gefallen ist. Girls are the demosceners best friends Der Frauenanteil war dieses Jahr erheblich höher als jemals zuvor. Dabei waren es nicht nur mitgeschleppte Freundinnen von Insidern, auch sind einige der Frauen selber als Grafikerinnen oder Musikerinnen in der Szene aktiv. Das Lautstärkeproblem der letzten Jahre wurde sehr elegant gelöst. Live Action
Zwar bestehen die Musikgruppen "BASS" und "Ultrasound" lediglich aus Hobbymusikern, die ihre Instrumente stimmig zum Klingen brachten. Aber dennoch haben sie für viel Stimmung gesorgt. Nur am Gesang haperte es hier und da, was aber niemandem wirklich die Laune verdorben hat. Professioneller Bühnenzauber mit weiblicher Unterstützung wurde von der kommerziellen Band "Welle:Erdball" präsentiert.
Funwettbewerbe wie die Bananenwettfresscompo sorgten zusätzlich für Kurzweil. Wem das alles noch nicht reicht, konnte sich einem der Seminare in einer extra Halle anschliessen - die Stimmung inklusive Osterfeuer rund um die Sporthalle geniessen (frei nach dem Slogan:Real Party is outside!) oder einfach alle fünfe gerade sein lassen. Ein Bierchen oder zwei trinken und sich selbst feiern. Sehr angenehm war auch die kostenlose Einladung zu Shrimps und anderen Köstlichkeiten. Die Mitglieder der Gruppe Limp Ninja hatten eingeladen und kochten vor den Augen der höchst überraschten Gäste.
Fazit Zwar klingen die 45 Euros Eintritt zunächst nach recht viel, aber gemessen am angebotenen Programm und dem entstandenen Aufwand der Organisatoren (inklusive Preisgelder!) von Kafreitag bis Ostermontag war der Obulus mehr als gerechtfertigt.
Wer also nächstes Jahr in die Welt der bunten Demos einsteigen will, sollte dieses Mal über Ostern die Fahrt in die Weinberge einplanen, Ostereier wird man dort nicht suchen oder bemalen müssen. ;-) Weiterführende Links: http://breakpoint.untergrund.net - die offizielle Partyhomepage Lars "Ghandy" Sobiraj wurde vom Demoszenefieber seit AmigaPLUS-Zeiten nicht losgelassen und schreibt heute bei diskmag.de sowie gelegentlich für de:bug und Mac Life. Verwandte News
Trackbacks
|