gullinews am Sonntag, 21.06.2009 21:11 Uhr




Durch Deutschland geht kein Ruck, sondern ein Riss. Unüberwindbar scheinen die Unterschiede zwischen den Befürwortern von Netz-Sperren und ihren Gegnern. Zu unkonstruktiv der Dialog: Man redet aneinander vorbei. Die nachweislich überalternden Parteien der CDU/CSU und der SPD geben sich aber auch die beste Mühe, es sich mit der nachwachsenden Generation zu verscherzen. "Internet, was ist das? Kenn ich nicht?" Nur leider wird auf dieser Grundlage die Rechtsstaatlichkeit geopfert. Ein politischer Diskurs bestehend aus Halbwahrheiten, haltlosen Vermutungen und in der Sache unwirksamen Gesetzen soll "Teil einer Gesamtstrategie" gegen Kinderpornografie sein. Dieses sagt die Familienministerin von der Leyen.
Szenenwechsel. Wie ein Blitz erschien dieses Video vor zwei Tagen - Massive Viral Content - welches gute Chancen hat, in Diskotheken und am Ballermannstrand einen unvergesslichen Sommer 2009 zu bescheren. Zensi-Zensa-Zensursula. La-la-la-la-la-la-la-la.. (Video siehe unten) Es scheint, als würde sich dieser Spitznahme für Frau von der Leyen noch etwas länger halten.
Die Fronten sind verhärtet, und eigentlich ist ja auch schon alles gesagt: Bundestag beschließt Zensurgesetz, Jörg Tauss verlässt die SPD und wechselt zu den Piraten. Aktivisten in Deutschland demonstrieren für Rechtsstaatlichkeit in dieser Sache. Verfassungsbeschwerde ist auf dem Weg. Obwohl die Fronten verhärtet sind, grad nochmal ein Argument, warum die Netz-Sperren Unsinn sind und in der Sache nicht helfen: "Das Zugangserschwerungsgesetz ist tatsächlich eine Erleichterung für Anbieter von kinderpornografischen Inhalten. Wie der AK Zensur ausführt, ist das Stoppschild für sie ein Frühwarnsystem, das ihnen genug Zeit verschafft, ihre Inhalte immer wieder auf neue Server zu verschieben und die Spuren zu verwischen. Das Gesetz macht die Löschung erheblich schwerer, es spielt den Tätern in die Hände." (Zitat von einem Kommentar auf dem Freiheitsblog).
Ich habe mir vorgenommen, heute mal nicht eine so lange Glosse zu schreiben. Doch die Spaßvögel von der Musik- und Filmindustrie lassen uns mal wieder keine andere Wahl. In Deutschland fällt die Popkomm aus, welche (noch bis letzer Woche) als DIE Musikbranchenmesse in Deutschland galt. Nur gab es wohl zu wenig Anmeldungen und prompt sind die bösen digitalen Raubmordkopierer schuld, dass es sich die Aussteller nicht leisten konnten, nach Berlin zu reisen. Kurz und bündig: Die Piraterie ist schuld, dass die Popkomm ausfällt. Da bleibt dem Bundesverband Musikindustrie auch nichts anderes mehr übrig als "Oh, Politik hilf!" zu rufen. 2010 möchte die Popkomm wieder kommen - nun, warten wir erstmal ab.
Nächste Hiobsbotschaft: Radikale Preiserhöhung für "Musik aus der Dose" in Australien. Gastronomiebetriebe und vor allem Fitness-Studios sollen massiv zur Kasse gebeten werden. Mit Preiserhöhungen von bis zu 20.000 Prozent! Zahlte eine Imbissbude Lizenzgebühren für das plärrende Radio von bisher etwa 84 Dollar per anno, so soll die Radiokonserve bald jedes Jahr den Anschaffungspreis eines Kleinwagens verschlingen. Da sollte man doch als Gastwirt tatsächlich überlegen, das Radio mal wegzuwerfen und sich statt dessen einen Flügel zuzulegen - oder das Geld in einen Fuhrpark zu investieren. Argumentativ sagen die Australischen Musikverwerter, dass vor allem die "Fitness-Industrie" von der Musik profitiere (im Rhythmus hampelnde Jogger usw.) und die "Fitness-Industrie" deswegen schön zahlen soll. Geht es nur mir so, oder gibt es auch andere, denen bei dem Wort "Industrie" immer wieder ein kalter Schauer den Rücken herunterläuft?
Ein ganz anderes Problem: Free Content. Die sogenannte Commons wird immer größer. Frei erhältliche Musik, Computerspiele, Filme, Videos, Texte, bald auch Bücher. Software sowieso. Der Pool von frei verfügbaren Kulturgütern wächst seit Jahren rapide an. Warum dann überhaupt noch bezahlen? Eine eigentlich sehr unbequeme Frage. (Exemplarisch hier ein Link zu der News Musikpiraten e.V. gegründet.) Da wird noch ein interessantes Problem auf uns zukommen, wo dann vielleicht nur sowas wie ein Grundeinkommen helfen wird. Stichwort "Neuer Gesellschaftsvertrag". Und nein, das hat mit Kommunismus oder Sozialismus nix zu tun. Eher noch mit der großen Kopiermaschine Internet.
Monopole sind evil. Das denkt auch Cory Doctorow. Wettbewerb hilft, sagt er.
Die großen Filesharingprozesse in den USA gehen derzeitig weiter, ein Ende ist auch hier nicht in Sicht. Jenseits jeder Konkurrenz das Urteil gegen Jammie Thomas - 80.000 Euro Schadenersatz pro Musikstück kommen auf die arme Frau zu. Womit das Urteil ganz im Trend liegt, im UK denkt man derweil eine Strafe von 50.000 Britischen Pfund pro raubmordkopierter MP3 an. Sollte das noch nicht reichen, in den USA will darf man die Ergebnisse der aktuellen ACTA-Verhandlungen nicht veröffentlichen, weil dies die Sicherheit der Nation gefährden würde. Musik ist gefährlich, wussten wir das nicht schon immer? Leute, was für eine Woche! (020200)
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Zensursula - der Song. "Ein Stoppschild bald auch am Telefon"
hmm bringt wohl eher weniger die Piraten zu wählen wenn jeder so denken würde, gäbe es heut immer noch 2 gegensätzliche parteien da die anderen zu wählen "es eh nicht gebracht hätte". Denkst du wirklich so? wach mal auf. außerdem, informiere ich mal was die ziele der ...
vll die Grünen??da gibbet wenigstens die Chance einer Regierungsbeteiligung Hmm... ich weiss ja nicht so recht. Hast Du Dir das auch genau überlegt? MfG Andy PS: Die Gr...
hmm bringt wohl eher weniger die Piraten zu wählen vll die Grünen??da gibbet wenigstens die Chance einer Regierungsbeteiligung ansonsten 4 Jahre warten und für Europa wählen!! denn da werden die Gesetze gemacht...
Aus der News ist aber von 4000% dir Rede. Die Werte sind z.T. unterschiedlich, im Einzelfall scheint es bis zu über 19.000 Prozent zu gehen. So oder so ist es nen ganz schöner Wucher....
Mit Preiserhöhungen von bis zu 20.000 Prozent Aus der News ist aber von 4000% dir Rede....