Deckel drauf - die Gulli Glosse (Woche 37): Datenchaos
Die britische Regierung ist immer für einen guten Witz zu haben. Selbst verlieren sie massenhaft Daten, aber dulden es nicht, wenn einem beauftragten Unternehmen ein USB-Stick abhanden kommt. Nach dem Bekanntwerden des Datenverlusts bei PA Consultung reagierte die zuständige Behörde und kündigte einen Vertrag in Höhe von 1,5 Millarden Britischen Pfund. Wenn ein Datenverlust solch Konsequenzen hat. Wow, da bekommt ein Hacker plötzlich Macht...
Google Chrome sammelt Daten. Dabei ist Google vielleicht nur das Goldene Kalb, das symbolisch geopfert wird. Denn kann letztlich nicht jeder Bürger mittlerweile Daten sammeln, archivieren und auswerten? Da muss man nicht erst ein großer Technologieentwickler, Softwarehersteller oder Malware-Phisher sein, um an persönliche Daten zu kommen. Gelegenheiten gibt's genug. Und wenn dann nicht mal Banken in der Lage sind, für verlässliche Passwortsicherheit sorgen, so sollte man auf dieser Ebene mal über alternative Sicherungssysteme nachdenken.
Denn selbst aus dem stinknormalen Internet kann man sich genügend Daten holen, sodass einem fröhlichen Privat-Profiling nichts im Wege steht. Läuft uns die Selbstbestimmung der eigenen Daten (die zum Teil unvermeidlich entstehen) nicht in Stundenkilometertempo davon? Da muss man sich doch langsam fragen, ob wir da nicht auf etwas ganz anderes zusteuern.
Google und der Europäische Datenschutz. Der weltweit größte Datensammler und garantiert nie und nimmer böse Google macht ja derzeit massives Lobbying für Datensammeln in großem Stil und lange Speicherfristen. Und spielt dabei fast beiläufig auch die europäischen Datenschützer aus. Bei dieser Sammelwut wollen die europäischen Staaten nun auch mitmachen, oder wie ist es zu verstehen, dass die EU sich mit der frisch gegründeten "Zukunftsgruppe" nun allen Mitgliedsstaaten systematisches Datensammeln aufbürden will? Es soll ein "reichaltiger Datenpool" entstehen, aus dem man nach Belieben schöpfen kann. Selbstverständlich sollen diese Maßnahmen ausschließlich der Gefahrenabwehr dienen.
Ausnahmsweise gibt es dieses Mal nichts Neues von der Copyrightfront zu vermelden. Trotz der extrem medienwirksamen Aktion von Johannes Kreidler bewegt sich die GEMA, wie schon seit über zehn Jahren, mal wieder keinen Millimeter vom Fleck. (020200)
(Bildquelle: LOLcats, thx!)
| 1 Reaktionen aus dem gulli:Board |
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gullinews am 14.09.2008 17:19:56: |
Jein am 15.09.2008 14:47:16: |