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22. Juni 2008
Deckel drauf - Die Gulli-Glosse (Woche 25)Nanu, schon wieder Sonntag? Höchste Zeit für Deckel drauf, die Gulli-Glosse, heute zur Abwechslung mal aus der (nicht immer) flinken Feder von fraencko. Was brachte die Woche? Ganz klar, den Ausnahmezustand allerorten. Auch wenn die Presse den Begriff Ausnahmezustand mittlerweile inflationär verwendet, muss man doch feststellen, dass es in dieser Woche reichlich davon gab: Hochwasser in den USA, Irland treibt mit seiner DoS-Attacke gegen den Deformvertrag die EU in die Bredouille, Jogi Löw wird mit Baldrian und Aspirin auf die Baseler Tribüne verbannt, worauf seine Mannen tatsächlich mal ansehnlichen Fußball spielen und in Kanada muss man einen DNA-Test bemühen um festzustellen, dass ein angeschwemmter Fuß nicht vom Menschen stammt. Man kann also konstatieren, dass selbst in Ausnahmezustandsdingen gerade Ausnahmezustand herrscht.
Indes geht die Associated Press (AP) neue Wege in der Eigenvermarktung: Blogger dürfen zukünftig keine Meldungen der Nachrichtenagentur mehr zitieren, werden sonst verklagt. Wobei das übertrieben dargestellt ist: Ein Zitat von bis zu vier Wörtern Länge ist großzügigerweise nach wie vor erlaubt. Das reicht zwar nicht für "Die Associated Press hat die Blogosphäre nicht verstanden, sie sollte gefälligst froh sein wenn ihre Nachrichten zitiert werden", für "AP verhält sich strunzdämlich" jedoch allemal. Nun berichten selbst die traditionellen Medien kritisch darüber und das US-Blog TechCrunch erläutert eine eigene Politik gegenüber AP : Für TC existiert Associated Press nicht mehr, solange deren neue "Strategie" nicht zurückgenommen wird. Moment mal... Associated Wer?
Zum Schluss ein Blick ins Land von Boule und Froschschenkeln, um mal ein paar abgehangene Klischees zu recyceln. Die Franzosen haben es gut, denn sie haben ihren tollen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Der ist nicht nur ganz besonders charmant, sondern geht die gesellschaftlichen Probleme unseres westlichen Nachbarlandes auch dampfreinigermäßig an. Zum Beispiel das Thema Filesharing. Ein Gesetzesentwurf ist endlich auf dem Weg, laut dem jenen Delinquenten die DSL-Leitung gekappt, ja - geradezu guillotiniert wird, die zum dritten Mal bei ihrem schändlichen Tun erwischt werden. Bei dem Entwurf hatten die Rechteverwerter natürlich ihre Hände im Spiel. Wir von Gulli finden es prima, wenn Leute mit Sachverstand politisch mitgestalten. Ja, weg aus dem Web mit diesen Verbrechern! Es wäre ja noch schöner, wenn der olle französische Soziologe (ja, Soziologe!) Émile Durkheim tatsächlich Recht gehabt hätte, dass Rechtsnormen historisch aus gesellschaftlichen Moralvorstellungen erwüchsen. Wo kämen wir denn da hin, wenn jene schätzungsweise 90% der Bevölkerung, die bei sich zu Hause gebrannte CDs rumliegen und/oder eine P2P-Applikation auf dem Rechner installiert haben plötzlich das Gefühl hätten, sie handelten irgendwie normal? Nein nein, was Moral ist, müssen der Patriarch und die Wirtschaftslobbyisten definieren. Mit eiserner Hand! Sonst kommt der Pöbel noch auf die Idee, erneut die Bastille zu stürmen. Der Gedanke liegt nicht allzu fern, dass eine ähnliche Gesetzgebung auch für Deutschland in näherer Zukunft real wird. In dem Zusammenhang stellt sich freilich eine bohrende Frage: Wenn Schäubles Schergen meinen Telefonanschluss abhören und mich dabei erwischen, wie ich meinem Gesprächspartner drei AP-Agenturmeldungen vorlese - wird dann mein Telefonanschluss gesperrt? Eine gute neue Woche wünschen fraencko und das Gulli:News-Team. Bilder "Mann mit Fernglas": practicalowl (cc) "Firefox-Lady": ihao (cc) "Sarkozy vs. The Finger": moiles (cc) P.S.: Bitte nicht diesem Link folgen. News
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