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15. Juni 2008

Deckel drauf - die Gulli Glosse (Woche 24)

Die vergangene Woche hatte einige interessante Sachen parat, traurig wie ernst. Diese wollen wir in der Woche 24 wieder beleuchten, damit wir festhalten können, wohin wir uns entwickeln.

 

Deckel drauf - die Gulli Glosse (Woche 24)

Existenzminimum

Letzte Woche erreichte uns eine Meldung, die zumindest bei mir bedauern auslöste. Das Opfer: Ein vierbeiniger Labrador, der eigentlich ein schönes Leben hätte haben können. Stattdessen wurde er dazu ausgebildet Raubkopien zu erschnüffeln, genauer gesagt ein Material, welches sich in allen Rohlingen befindet. Dieses arme Tier wurde nun tot aufgefunden, ob er ermordet wurde, ist indes noch unklar. Wenig unklar ist jedoch, dass dieser Hund am allerwenigsten dafür konnte. Denn im Gegensatz zu uns Menschen, konnte er es sich nicht aussuchen, wofür und wogegen er kämpft. Ruhe in Frieden Manny, denn wir hier, haben noch einen harten Kampf vor uns.

Diesen Kampf fechten die Schweden in erster Linie aus. Schwedens Linkspartei kämpft für eine Legalisierung von Filesharing. Ein Kampf, David gegen Goliath. Währenddessen ist man in Deutschland immer noch damit beschäftigt, alte Kamellen hervorzuholen. Kampf den bösen Mordraubvergewaltigungskopieren. Da werden die kränksten Sachen vorgestellt, um die Menschheit davon abzuhalten, Content zu kopieren. Dass es außerhalb good old Germany anders geht, zeigen dann wiederum die Iren (nein, nicht die Irren). Ok, die Vorratsdatenspeicherung finden sie gut, das mag jetzt etwas komisch klingen. Aber dennoch klagen sie dagegen, weil diese "Data Retention" Richtlinie auf einer falschen Basis erzeugt wurde. Und wenn die erst mal gestürzt wäre, könnte man doch wenigstens wieder darauf hoffen, dass unsere Volkszertreter den Gedanken verwerfen. Dann wird die Stasi 2.0 wohl höchstpersönlich in jede Privatwohnung einrollen, um die Kommunikation zu überwachen.

Inzwischen weiß ich auch, wo die tollen Ideen von Herrn Schäuble herkommen. Aus demselben Land wo man Filesharing legalisieren will. Schon irgendwie paradox, oder? Einerseits freie Inhalt für ein freies Volk, andererseits Totalüberwachung, weil alle verdächtig sind. Schwedens Sicherheitsbehörde überwachte nämlich angeblich schon seit längerem TK-Anschlüsse. Dies ohne jedwede rechtliche Grundlage, den diese soll erst geschaffen werden. So stell ich mir das vor. Zuerst was ausfressen und dann das Ganze nachher rechtlich legitimieren. Ob sich die Geschichte wiederholen kann? Man darf sich solche Fragen getrost stellen, den schließlich geht es hier um die Grundrechte eines Volkes. Wir lassen uns womöglich einfach zuviel gefallen

Wer vergangene Woche aufgepasst hat, dem wurde auch mal deutlich, dass in einem Land nicht immer Recht und Gesetz regieren, sondern der größte Geldbeutel. Die RIAA setzt jetzt einfach den finanziellen Hammer an, wenn einer nicht zugibt, dass er Filesharing betrieben hat. Erinnert mich irgendwie an alte Foltermethoden.

"Du bist mit dem Teufel im Bunde!" - "Nein" - "Gib es zu, sonst prüfen wir dich!" - "Nein!" - "Los, fesselt ihn und werft ihn ins Wasser. An seinen Fuß hängt einen Stein. Wenn er ertrinkt, war er unschuldig, wenn nicht, dann ist er mit dem Teufel im Bunde!" Dies jetzt bitte auf die finanzielle Belastung von bis zu 8.000 US-Dollar übertragen. Danke.

Hand in Hand damit geht inzwischen auch Kanada. Drakonische Urheberrechtsstrafen braucht man. Aha. Vielleicht gibt's ja bald wieder die ersten öffentlichen Hinrichtungen - von Raubkopierern. Ein Event für's Volk, und jeder macht 'nen Camrip der Vorstellung. So wird die Zukunft aussehen.

Apropos Aussehen. Andere Zukunftserwartungen gibt es jetzt wohl für viele Abgemahnte, deren Status auf "ignore" stand. Die Kanzlei Schutt & Waetke hat eine Klage gegen einen erhoben, dessen Status auf "ignore" war. Ganz lustig find ich bei dieser "Juristerei" immer die Streitwerte, die da zusammenkommen. Die arme Sau sieht sich nämlich einem Betrag von rund 60.000 Euros gegenüber, die als Streitwert festgelegt wurden. Aber hallo. Wenn wir uns mal vor Augen führen, was der Durchschnittsbürger monatlich so verdient, sind 60k Euro schon eine Menge Holz. Ob die Kohle nur dazu gedacht ist, noch mehr "inhaltsleeren" Content auf den Markt zu bringen? Ich erwarte es voller Spannung.

Dann bis nächste Woche! Euer Firebird!

  • genial! und mal wieder spricht man mir aus dem herzen... ein wunderschöner text so wie er sein muss ich kanns kaum noch abwarten bis zur nächsten GG

  • Für alle die es interessiert, heute hat Landsgericht Köln beschlossen, alle Anfragen von Anwälten bezüglich der Herausgabe von IP-Adressen mit einer Aufwandsentschädigung zu belegen in Höhe von 200,-€ das heisst wenn Schutt/Waetke weiterhin tausende von Filesharern belangen wollen, müssten Sie Summen in Milionen höhe vorschießen um uns zu belangen... Ich freue mih schon darauf, nie wieder von solchen "AbzockerAnwälten" zu ...

    Alice D am 25.09.2008 16:06
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