gulli: Deckel drauf - die Gulli Glosse (Woche 20)

Anzeige

gulli:Toolbox

Voting

Worüber wollt ihr mehr News?
Netzwelt
Untergrund
Filesharing
Datenschutz
Hacking
Demoszene
Mobiles (Handy)
Linux
Feature (Gulli Glosse)
18. Mai 2008

Deckel drauf - die Gulli Glosse (Woche 20)

Die G:G - Gulli:Glosse ist der Versuch ein neues, wöchentliches Projekt ins Leben zu rufen. Abgerechnet wird unter anderem aber nicht nur mit dem Wochengeschehen. Wir erhoffen uns zahlreiches sowie wohlwollendes Feedback, da es sich um den ersten Versuch handelt. Bei entsprechender Resonanz, werden wir das Projekt weiter befeuern.

 

Deckel drauf: Die Gulli Glosse (G:G)

Rechtsstaatlichkeit ist ein schönes Wort. Sinn eines Rechtsstaates soll es sein, seine Bürger vor der Willkür der Machthaber zu schützen. Inwiefern ihm dies gelingt, mag immer wieder zu Erstaunen führen. Werfen wir einen Blick in den Rechts-Sonnen-Staat Frankreich. Die Regentschaft führt eine politische Marionette, die sich vom Reichtum der Lobbyfreunde beeinflussen lässt und quasi in den Tag hineinlebt. Nein, nicht Louis der XIV ist gemeint, sondern König Nikolas Sarkozy. Er herrscht mit seiner Gattin Carla Brunhild vollends konform zu den Grundsätzen der Rechtsstaatlichkeit. Exekutive, Legislative, Judikative. Strikte Teilung im ganzen Land. Man hat gelernt, was es heißt, wenn Nationen dies nicht gelingt. Jedoch scheint er es bei den richtigen Freunden nicht so ernst damit zu nehmen. 1-2-3 Raus. So heißt das Hirngespinst, welches ihm seine Freunde in den Kopf gesetzt haben. Wie viel "Überzeugungskraft" sonst noch geflossen ist, darf sich jeder selbst ausmalen. Filesharer sind böse. Wer 3-mal shared, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit spricht. Vergehen gegen das Gesetz wurden seit jeher geahndet. Gut so. Um den Vorgang zu optimieren, konnte man ihm jedoch den Gedanken schmackhaft machen, das eine "Allmächtige Behörde" von Nöten wäre. Ein Amt, das alle 3 Gewalten in sich vereint, als Kläger, Zeuge und Richter zur gleichen Zeit auftritt. Sarkozy ist scheinbar der dunklen Seite der Macht erlegen, wie sonst sollte man solche Fantastereien gut heißen können. Wir warten gespannt auf den ersten "Judge BMG" wie er mit seinem Mopped zu den Filesharern nach Hause braust, ihnen die Rechtslage erklärt, sie für schuldig befindet, und ihnen auf Lebzeiten das Internet abdreht.Aber schweifen wir ein wenig ab. Rechtsstaat hin oder her. Es gibt Menschen, die wollen tatsächlich überwacht und kontrolliert werden. Diese waren übrigens schon immer merkwürdig. Wohnen auf einer kleinen Insel und haben die höchste CCTV-Kamera Dichte der ganzen Welt. Die finden das inzwischen sogar so lustig, dass Bands extra dorthin fliegen, um ihr neues Video aufzunehmen. Man springt einfach von Cam zu Cam und verlangt später das Filmmaterial. Kreativität ist gefragt! Etwas worauf die Content-Industrie selbst nie kommen würde.

Meiner Meinung nach sind ja schon lange zahlreiche Filme so produziert worden. Spiderman beispielsweise. Der klebt ja auch wie die Kameras an Hauserwänden, in dunklen Ecken, usw. In Wahrheit gibt es gar keine Cam-Rips. Das Original, welches nur legal ist, sieht so aus! Also hat sich die Industrie doch weiter entwickelt. Von "0-8-15" Produktionen zu "SuperSpar" Produktionen. Bleibt indes aber fraglich, wieso es ihnen immer so schwer fällt, neue Konzepte zu akzeptieren.

Stur in puncto Entwicklung ist auch Premiere. NDS wurde ja jetzt zu einer Strafe verurteilt, weil sie die Premiereverschlüsselung geknackt hatten. Eigentlich ne witzige Sache. Wir erinnern uns, vor langer Zeit. Sonntag, acht Uhr. Wir holen uns die BILD von der Tanke und sehen auf Seite 3 ganz groß: "Liebe Hacker, wir haben unsere Verschlüsselung umgestellt. Nix mehr schwarzsehen! MfG Pr3m13r3" Samstagabend hatten die meisten von uns doch schon den neu codierten Receiver zuHause aufgebaut.

Es ist nun mal so, wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Das darf sich ja inzwischen auch die Spieleindustrie gefallen lassen. Die produzieren ja nur noch Amokläufer und Killer am fließenden Band. Gar keine richtigen Games mehr. Die fotografieren ne Waffe, nehmen den Ton dazu auf, packen das in ne viereckige-Spielfläche, et voilà das Killerspiel schlechthin. Damit das Ganze dann noch beweisbar bleibt, holt man sich professionelle Hilfe von Psychologen. Die sind so professionell, da staunt man immer. WoW - World of Warcraft. Der Ego-Shotter mit dem schlimmsten Gewaltpotential überhaupt. Da tötet man - nein, nicht Menschen - Fantasiewesen! Schlimme Sache. Eine Stunde WoW täglich und spätestens nach einer Woche schnappt sich der Sohnemann ein Heckler&Koch Produkt, und zeigt den Leuten mal wo der Hammer hängt. Erschreckend, wenn man bedenkt, das innerhalb der ersten fünf Wochen das Spiel 200.000 mal über die Ladentheke ging. Das sind dann 200.000 Amokläufer. Tickende Zeitbomben, die nur darauf warten uns den gar auszumachen.

Andere wiederum wollen darauf gar nicht warten, so geschehen im Musterland USA. Da flirtet eine 49-Jährige über MySpace mit einem jungen Mädchen. Damit das klappt - welch Heimtücke - gibt man sich auch noch als Mann aus. Das Teenie-Girl ist natürlich hin und weg darüber, bis der virtuellen Beziehung der Todesstoß versetzt wird. Die Reaktion des Mädchens: Suicid.

Der Versuch hier Mitleid aufzubringen mag gelingen, doch fragt man sich natürlich, hat den niemand was bemerkt? Aber was noch viel wichtiger ist: Wieso gibt sich eine alte Frau als junger Mann aus, um ein Mädchen anzuflirten, dass sie dann sitzen lässt. Wie krank muss man sein, wenn man das Internet für solche Perversionen missbraucht. Nun gut, inzwischen bin ich ja von Amerika einiges gewohnt, aber ganz neu dazu gehört das "Schwanz-einziehen-wenn´s-Probleme-gibt". So die gesamte letzte Woche bei der RIAA erlebt. Erst keifen die rum, weil sich eine alleinerziehende Mutter gegen 220.000 Strafe wehrt, als der Richter nen Fehler zugibt. Als Sahnehäubchen oben drauf reden sie dann plötzlich von überhöhten Forderungen, wenn eine Beklagte ihre Kosten einfordert, und 375 $ Stundenlohn für den Anwalt will. Das zu toppen erscheint schwer, im Falle Tanya Anderson gelang dies jedoch trotzdem. Da beschweren sich die sechs Anwälte der Labels, die bei jeder Verhandlung anwesend waren darüber, dass Mrs. Anderson bei jedem Gerichtstermin die Frechheit besaß, zwei Anwälte zugegen zu haben. Zu viele seien das. Nicht notwendige Kosten. Aha. Die glorreichen Sechs haben sich dann wahrscheinlich wie eine Einheit behandelt. Moment. Nein, sie haben alle ihr Gehalt aufgerechnet. Ich sehe schon, wie immer regiert Geld die Welt. Bleibt nur zu hoffen, dass die Labels noch genug davon haben, sonst ist bald Schluss mit prozessieren.

Euer Firebird77 - bis nächste Woche!

Diskutieren, anderer Meinung? Der entsprechende thread im G:B findet sich hier!

© Copyright 2008 gulli.com  | home | sitemap | kontakt | impressum | Partner | downloads |