gulli: Datenschutzaktivistin stellt Sozialversicherungsnummern des Bush - Clans online
26. Mai 2005

Datenschutzaktivistin stellt Sozialversicherungsnummern des Bush - Clans online

Protest gegen fehlenden Datenschutz in US-Behörden

Dass Ämter und öffentliche Einrichtungen in den USA den Datenschutz ihrer Klientel nicht unbedingt ernstnehmen, ist der Bürgerrechtlerin und Datenschutzaktivistin Betty Ostergren ein Dorn im Auge. Nicht nur, dass die Privatsphäre der Betroffenen eingeschränkt wird, auch dem Identitätsdiebstahl würde mit staatlicher Hilfe Tür und Tor geöffnet. Weswegen sie zu drastischen Methoden greift, um auf den Missstand hinzuweisen: sie veröffentlicht persönliche Daten von Politikern, bis hin zu ihren Sozialversicherungsnummern, wenn sie sie denn irgendwo online aufspüren kann. Dies auch beim Bruder des amerikanischen Präsidenten und Gouverneur Floridas, Jeb Bush. Dessen Sozialversicherungsnummer im übrigen 451-88-4919 lautet.

Ostergren protestiert gegen die gängige Praxis von Behörden und Ämtern, weitaus mehr als die jeweils notwendigen Daten der Bürger einerseits nicht nur zu erfassen, sondern auch online zu veröffentlichen - beispielsweise auf den Webseiten von Gerichten. Jeb Bush war ihr ein besonderer Dorn im Auge, da in Onlinedokumenten von Miami-Dade County nach einiger Zeit die Sozialversicherungsnummern der Bushs geschwärzt wurden - die anderer Bürger auf demselben Dokument jedoch nicht. Ob Datenschutz und Privatsphäre demnach etwas sei, was Bush allenfalls für sich selber in Anspruch nehme, seinen Mitbürgern jedoch nicht zugestehe, fragt Ostergren rhetorisch.

Auf ihrer Website dokumentiert Ostergren seit 2002, wie immer mehr sensible persönliche Daten durch Nachlässigkeit oder schlicht fehlendes Bewusstsein für das Recht der Bürger auf den Schutz ihrer Daten im Netz auffindbar sind - und den Weg für Identitätsdiebstahl und anderen Missbrauch ebnen. Oft genug wird, nachdem sie die Onlinepräsenz von Daten politischer Prominenz öffentlich gemacht hat, nur die entsprechenden Einträge der Prominenten gelöscht oder geschwärzt - nicht jedoch die der "Normalbürger".

Die 56jährige Betty Ostergren kämpft als "Virginia Watchdog" einen ausdauernden Kampf gegen den Datenmissbrauch - County für County sammelt sie die staatlich online bereitgestellten Daten, schreibt einige hundert Personen an, deren Informationen durch die Verwaltung ins Netz gestellt wurden und fordert sie auf, gegen die entsprechende Praxis der Behörden vorzugehen. Wenn sie auf interessante Prominenz stößt, werden deren Daten ebenfalls veröffentlicht - neben Jeb Bush traf es auch schon Colin Powell oder den CIA-Direktor Porter J. Goss. Online hätten von den Behörden erfasste sensible persönliche Daten nichts verloren - die Botschaft Ostergrens.

Auch in Deutschland is das Bewusstsein um Datenschutz und Privatsphäre auf einem bedenklichen Tief. Die allenthalben vorherrschende "Ich habe nichts zu verbergen" - Haltung ist kein Phänomen, welches sich auf Heise-Forentrolle beschränkt. Vermutlich würde auch Deutschland eine Betty Ostergren sehr gut tun.

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