Ca. 8 Millionen Menschen wechseln jährlich ihren Wohnsitz. Damit Briefsendungen auch weiterhin an die neue Adresse kommen, stellt man einen sogenannten Nachsendeantrag bei der Post. Was viele scheinbar nicht wissen: Wer nicht explizit der Weitergabe seiner Daten widerspricht, dessen Angaben werden gespeichert und an Werbende oder sonstige Firmen weiterverhökert, die sie dann mit bereits vorhandenen Daten verknüpfen, aufwerten, weiter analysieren und je nach Verwendungszweck gefiltert, nutzen. Die Post selbst wirbt für die Dienste ihrer Tochterfirma mit den Worten "Die Deutsche Post Adress GmbH kennt fast jede Umzugsadresse in Deutschland und bringt sowohl kleinere als auch große Adressenbestände auf den neuesten Stand.", was diesen unschönen Adresshandel sehr schön umschreibt.
Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein, meint dazu "Es wird von der Post in sehr großem Umfang Adresshandel betrieben" und dies gehe dann in Kombination mit anderen Daten entsprechender Adresshändler bis hin zum "hochdifferenzierten selektiven Verfahren, die tief in die Persönlichkeitssphäre eingreifen"; "Das ist Wahnsinn, was da passiert". Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schar kritisiert "Angaben zu Adressen, Konsumgewohnheiten oder Vorlieben sind für die Wirtschaft keine frei verfügbaren Rohstoffe" und äußerte sich gegenüber der Frankfurter Rundschau in Form von "(der Bürger) selbst (solle) mit seiner Einwilligung entscheiden, in welchem Maße mit seinen personenbezogenen Daten Handel getrieben werden darf.". Doch damit sich das alles nicht so schnell ändert, üben regelmäßig wirtschaftsorientierte Verbände einen leichten Druck auf den Gesetzgeber aus, um sich so ihr geliebtes Listenprivileg zu erhalten.
Die Post selbst dagegen sieht das alles weniger dramatisch und beruft sich darauf, dass es sich hier nur um Haushalte handele, aber nicht um konkrete Personen. Kein Wunder, so bietet man ja zum Handel ansich auch noch die passenden Seminare an, in denen gelehrt wird, wie man das Maximum aus solchen Daten rausholt. Eines der Seminare hatte laut FR den fast schon zynischen Titel "Der gläserne Kunde". Auch verwundert so ein Verhalten nicht, wenn man die werbende Aussage der Post betrachtet, die da lautet "Wer umzieht, gibt jede Menge Geld aus", gefolgt von einem "Erstkontakt zum Kunden, bevor ihn andere Anbieter erreichen". (MSX)
(via fr-online.de, nach einem Hinweis von markusjantz, merci!)
(Bildquelle: techpubs.sgi.com)
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djmarten am 24.04.2009 20:12:39: |
nonamer am 24.04.2009 20:15:56: |
djmarten am 24.04.2009 21:38:48: |