gulli: Datenbanken und Bestechung: Was der Staat weiß, wird auch weitergegeben
18. Januar 2008

Datenbanken und Bestechung Was der Staat weiß, wird auch weitergegeben

Zentrale Datenbanken sind sicher: natürlich werden die geplanten Datenhalden dem neuesten Stand der Securitystandards entsprechen, Hackangriffe unmöglich sein und Pannen wir der Postversand sensibler Daten in Großbritannien niemals nicht vorkommen. Dass aber menschliches Versagen bzw. menschliche Bestechlichkeit oder private Niedertracht im Menschenbild der ansonsten doch recht misstrauischen Überwacher nicht vorkommen, erweist sich aktuell als ernstzunehmendes Problem.

Denn in der Regel nehmen die Datenwächter an, dass natürlich niemand aus Böswilligkeit, Geldgier oder anderen niederen Beweggründen Dateneinsicht nimmt. Überraschend, wenn man bedenkt, mit welchem Misstrauen die Datensammler ansonsten das Volk beäugen, welches ihrer Ansicht nach überwiegend aus Terroristen, subversiven Elementen, Pädophilen und Staatsfeinden bestehen muss. In Florida machte sich nun ein Beamter einem minder schweren, aber durchaus auch relevanten Vergehen schuldig: der Bestechlichkeit.

Der Beschuldigte arbeitet beim Zoll in Florida und hatte somit Zugriff auf Datenbanken der Zoll- und Einwanderungsbehörden. Für ein etwas größeres Taschengeld übermittelte der Beamte Informationen an einen Drogenhändler, der so über seine erfassten Zweitidentitäten informiert blieb. Nebenbei konnte er Visas für Familienangehörige in Mexiko beschaffen lassen. Die Folge für den Beschuldigten: 87 Monate Knast. Eine Berufung wurde eingelegt, aber abgelehnt.

Die verwendete Datenbank, das Treasury Enforcement Communications System TECS enthält über eine Milliarde Datensätze und wird unter anderem von der Zollfahndung und der Bundespolizei verwendet und beinhaltet auch den Zugriff auf FBI-Daten.

Dass indessen so getan wird, dass bei den Datenschutzproblemen, die mit den geplanten zentralen Datenbanken in den Bereichen Strafverfolgung oder Gesundheit geplant sind, menschliches Versagen oder ein durchaus verbreitetes Phänomen wie Korruption und Bestechung offenbar keine Rolle spielen, bleibt unverständlich. Schon die Hackerlegende Kevin Mitnick war dafür bekannt, sehr viel mit "schlichtem" Social Engineering erreicht zu haben - aber sicher war das damals eine völlig andere Zeit und sind Beamte und Staatsangestellte über derartigen verdacht vollkommen erhaben.

  • 14 Kommentare zum Artikel
  • Zitat: Zitat von GFXman Den Datenschutz testet man am besten indem man z.b. in einem Formular einen Schreibfehler beim Namen einbaut. ... Dieser Trick verwende ich schon seit Jahren. Und kann beobachten wer meine Daten wohin verkauft. Diese verkaufen dann die Daten weiter. Irgendwann wird man dann überall Schrötter genannt. Und das nur weil sich Behörden und Firmen über Gesetze hinwegsetzen. Ich ...

    mad1max am 20.01.2008 01:35
  • @GFXman: danke für diesen erschreckend echten bericht gute taktik! zu schade, dass man auf datenschuss scheisst :/ Zitat: Zitat von mad1max Ich mache das auch. Wobei die Post/Versandunternehmen die Daten auch hätte weitergeben können. Es gibt also meistens doch zwei verdächtige. nach dem system von GFXman nicht. so wie ichs verstanden habe, modifiziert er für jedes einzelne formular den ...

    Wandang am 14.02.2008 17:01

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