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18. Mai 2008

Dallas Mit GPS-Trackern gegen Schulschwänzer

Der Berliner Felix von Leitner, in Fachkreisen als Fefe bekannt, veröffentlicht auf seinem Blog jeden Tag aufs Neue die schönsten Verschwörungslinks und absonderlichsten Geschichten, die leider alle der Wahrheit entsprechen. Gestern berichtete er davon, dass man seit drei Jahren in Dallas elektronische Methoden ausprobiert, um den notorischen Schulschwänzern der Stadt beizukommen. Im Angesicht des stark gesunkenen Bildungsniveaus verstehen die Stadtväter in Dallas keinen Spaß: Wer sich von den Jugendlichen weigert oder dem Unterricht dauerhaft fernbleibt, darf alternativ die schwedischen Gardinen von innen betrachten.

Im Artikel der New York Times wird ein 15 jähriger Schüler vorgestellt, der nach erfolgter Verurteilung wegen seines ständigen Schulschwänzens dauerhaft einen GPS-Empfänger bei sich tragen muss. Vor Eintritt in die Schule drückt er drei Mal auf einen Knopf des GPS-Trackers, die Lampe leuchtet grün, um ihm anzuzeigen, dass er gerade das Richtige tut. Bis vor Kurzem hatte er es häufiger nicht vor 14 Uhr geschafft die örtliche Schule aufzusuchen. Nachdem seine Leistungen abgesunken waren, verurteilte ihn eine Jury dazu, für sechs Wochen am örtlichen Pilotprojekt teilzunehmen. Die erziehungsberechtigte Großmutter ist froh, dass ihr Enkel wegen seiner notorischen Abwesenheit nicht alternativ ins Gefängnis musste, was in Dallas auch möglich gewesen wäre.

Jetzt wird er stattdessen 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, bis zum Ende des Projektes überwacht. Das Kontrollpersonal kann jederzeit mühelos bis auf wenige Meter seinen Aufenthaltsort bestimmen. Die Lehrer der Stadt hatten nach neuen Methoden gerufen, ihre Klassenräume blieben immer häufiger leer. Neun der 300 verurteilen Schüler/Studenten nehmen jetzt am Projekt teil. Ein privater Finanzier unterstützt die Unternehmung mit 26.000 US-Dollar, dafür wurde das Equipment und die Manpower für die jeweilige Überwachung eingekauft, die genauen Kosten sind unbekannt. In Dallas läuft das Schüler-Tracking per Satellit schon seit drei Jahren, unter anderem hatte man das Verfahren testweise bei einem Studenten eingesetzt, der wegen seines Drogenkonsums aufgefallen war. Schon, weil er wusste, dass er von oben kontrolliert wurde, fiel es dem Partylöwen nach eigenen Angaben leichter, die jeweilige Fete zu einer früheren Stunde und zudem nüchtern zu verlassen. In Dallas kann man als Schüler entweder im System mitschwimmen oder muss bei auffälligem Verhalten befürchten, dass man ansonsten die eigene Privatsphäre aufgeben muss. Effektiver kann man junge Menschen kaum zu Disziplin und Leistung zwingen, oder?

Dave Leis, der Sprecher des Herstellers NovaTracker versucht die Sache zu beschwichtigen: Man wolle mit der elektronischen Überwachung nicht bestrafen. Man soll die lückenlose Kontrolle des Big Brother nicht als solche betrachten - der GPS-Tracker wäre vielmehr ein Gerät, das den Schüler zu jemanden verbindet, der auf ihn aufpasst und ihm hilft, den Schulabschluss zu schaffen. Das riecht trotzdem stark nach einem großen Bruder, der für mich denkt und entscheidet, was für mich gut ist und was nicht. Sind Dinge wie Persönlichkeitsentfaltung und Selbtverwirklichung unter solchen Bedingungen möglich?

Die Stadt war kürzlich in einer Umfrage wegen der vielen verfrühten unfreiwilligen Schulabgänger und der zumeist schlechten Qualifikation der jungen Einwohner gnadenlos big brother, dallas, gps, tracking, surveillancedurchgefallen, im landesweiten Vergleich steht man an der siebtletzten Stelle. Nahezu ein Drittel aller Jugendlichen flog in Dallas wegen wiederholtem Fehlverhalten weit vor dem Abschluss von der Schule.

(Via fefe & NYT, thx!)

  • 12 Kommentare zum Artikel
  • Nen paar Stunden schwänzen tu ich auch gerne mal, wenn man dabei trotzdem seine Leitung bringt, ist das in Ordnung. Ich tue dies auf meine Verantwortung, ich weiß, welche Zensur dann dort steht und dass ich sie ausgleichen muss. Wenn ich das nicht tue, ist das mein Problem. Ich finde, es ist jedermanns Recht, sein Leben so zu leben wie man es für richtig hält. Vielleicht ist das Schulsystem in Dallas unattraktiv? Vielleicht hätten die ...

    The | Commander am 18.05.2008 14:49
  • Und ausserhalb der Schulzeit kann man dann auch noch feststellen, wo das Kid sich so rumtreibt. Und wer wird später noch so alles einen Chip bekommen? Falschparker, Demonstranten oder jeder der mal auffällig geworden ist? Wo bleibt da die Freiheit? Ne langsam wird es echt krank was so getrieben wird. Gruss Moses

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