Ghandy am Samstag, 06.02.2010 00:55 Uhr
Seine Formel für eine erfolgreiche Vermarktung ist so simpel wie erfolgreich. Cory Doctorow hat zahlreiche Blogs im Rücken, die ihm in der Netzkultur zu einem hohen Bekanntheitsgrad verholfen haben. Die PDF-Dateien seiner Bücher verschenkt er. Wer die Werke in Papierform in Händen halten möchte, kauft sie. In Graz stellte er heraus, eine Einschränkung der Internet-Freiheit sei eine "existenzielle Bedrohung unserer Gesellschaft". Das Urheberrecht selbst sei "nicht dazu geeignet, unsere Kultur zu regulieren."
Jetzt haben sogar die Produzenten des Blockbusters Transformers zugeschlagen. Sie haben die Filmrechte seines Erfolgstitels "Little Brother" gekauft. Für diejenigen, die der englischen Sprache nicht mächtig sind: Neben der übersetzten Version von Christian Wöhrl kommt das Buch in Deutschland demnächst in gedruckter Form von Rowohlt heraus.
Der Blogger Cory stellt das Verlagswesen völlig auf den Kopf. Ihm geht es nicht darum, dass jeder ihm etwas dafür gibt, der sein Buch liest. Seiner Meinung nach wird die Zukunft unserer Kultur und der Kreativwirtschaft vom Kopieren geprägt sein. Der Boing Boing-Autor hat sich darauf eingestellt. Der Kampf gegen die Piraten stellt einen Schaden für die Gesellschaft dar. "Kopieren ist Leben. Wer nicht kopiert, ist tot", schlussfolgert er. Die unlizenzierten Kopien seien zwar negativ für einige Unternehmen. Aber Künstler und Konsumenten würden davon profitieren. "Was eine rechtmäßige Kopie ist, hat mit Machtverhältnissen und Geld zu tun und wechselt ständig. Als die Beatles in den 50er Jahren begannen, die Blues-Rhythmen der Afroamerikaner zu verwenden, wurde dies als Fortschritt gesehen. Als die afroamerikanischen Hip-Hop-Musiker in den 80er Jahren Beatles-Songs verwenden wollten, nannte man das Diebstahl." Er sieht dies als einen Beweis, dass das Urheberrecht nicht dazu geeignet sei, unsere Kultur zu regulieren. Er wendet sich auch gegen die geheimen ACTA-Verhandlungen. Dieses Abkommen würde mit radikalen Einschränkungen einhergehen. Es könnte unsere Kultur und vor allem das Internet zerstören, glaubt er.
Passend zu "Little Brother" wendet er sich gegen die Maßnahmen, die im Namen der Terrorbekämpfung vollzogen werden. Diese hätten schreckliche Folgen und würden unsere Gesellschaft bedrohen. Er ließ es am Ende offen, ob sich die Freiheit oder die Zensoren durchsetzen werden. Man müsse glauben, dass alles gut ausgeht. Das würde einen aber nicht davon freisprechen, zu handeln. Sonst würde überhaupt nichts passieren.
(via derStandard.at, thx!)
(Bildausschnitt von Patrick H. Lauke, danke!)
Schade, dass er bei dem Film wohl kein großes Stimmgewicht haben wird. Michael Bay ist nunmal nicht unbedingt als jemand bekannt, der auf die kleinen Details in den Geschichten achtet, die er verfilmt/produziert. Little Brother ist m.E. gerade wegen den technischen Details, die Marcus kennt und aus...
Die künstler die ja die eigentlichen produzenten sind sollten (...) PassivAktiv Sein sollten aber die zumeist im Vorfeld in 360 Grad-Verträgen alle Rechte an ihren eigenen Werken abtreten. Cory entscheidet zumindest selber, was mit seinem Buch passieren w...
Hallo, es ist doch schon seltsam wieviele der künstler gegen das aktuelle urheberrecht sind. Die künstler die ja die eigentlichen produzenten sind sollten entscheiden, wer Ihre werke für welchen zweck nutzen soll. Generell sollte der schutz nur 10 jahre oder so gewä...
Hallo, es ist doch schon seltsam wieviele der künstler gegen das aktuelle urheberrecht sind. Die künstler die ja die eigentlichen produzenten sind sollten entscheiden, wer Ihre werke für welchen zweck nutzen soll. Generell sollte der schutz nur 10 jahre oder so gewährt sein, das sollte reichen...
Ohne seine extravagante Stellung als Netzaktivist hätte Cory das nie schaffen können. "Little Brother" ist klasse und ich finde es toll, dass es endlich als reales Buch in deutscher Sprache zu haben sein wird! Ich habe das PDF gelesen und war total begeistert! Kann ich jedem empfehlen!...