gulli: Copyright in Frankreich: Lex Apple könnte Folgen haben

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04. Juli 2006

Copyright in Frankreich Lex Apple könnte Folgen haben

Geplant war eine Interoperabilitätsklausel im neuen französischen Copyright: DRM-Techniken verschiedener Hersteller sollten kompatibel werden, damit der Kunde beispielsweise Musikstücke beliebiger Anbieter auf Playern aller Hersteller abspielen könne. Diese Klausel wurde abgeschwächt: ein Sieg für Apples proprietären FairPlay-Schutz, der bei iTunes eingesetzt wird, sich aber als Schuss ins eigene Bein erweisen könnte. Auch in anderer Beziehung dürfte die neue französische Gesetzgebung nicht ohne Folgen bleiben.

Beobachter vermuteten bereits, eher würde Apple sein Frankreichgeschäft mit Musik einstellen, als die DRM-Technik des iTunes-Shops offenzulegen, um Wettbewerbern die Implementierung zu ermöglichen. In der gestern verabschiedeten Fassung des französischen Urheberrechts ließ man Apple ein Hntertürchen: wenn die Rechteinhaber einverstanden sind, kann weiterhin auch proprietäre Kopierschutztechnik verwendet werden. Was bedeutet, dass Apple nur den Segen der Labels braucht, um weiterhin inkompatible und DRM-kastrierte Musik zu vertreiben.

Den dürfte Apple bekommen - dass DRM auf Musik trotz der lächerlich einfachen Knackmöglichkeiten als das allein seligmachende Mittel zum kommerziell erfolgreichen Vertrieb von Musik ist, wird wider die alltägliche Erfahrung bei den Labels seit Jahren als in Stein gemeißelte Wahrheit betrachtet. Die Frage wird eher sein, wie die neuen Druckmöglichkeiten gegen Apple ausgenutzt werden: noch haben die Labels noch nicht alle Möglichkeiten realisieren können, um ihre Kunden zu vergraulen. Das könnte sich in Frankreich ändern.

Denn die Einheitspreispolitik des Apple-Shops ist den Labels schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Regelmäßig wird von Apple eine "flexible Preispolitik" gefordert, ein Euphemismus für Preiserhöhungen bei populären Stücken, denen einige Alibisenkungen bei anderen Tracks entgegenstehen dürften. Apple-Chef Steve Jobs konnte sich derlei Forderungen bislang erwehren, nannte die Labels gar "gierig" und hielt am 99-Cent-Standardpreis des iTunes-Shops fest.

Mit der nun nötigen Zustimmung der Labels zum Einsatz proprietären DRMs in Frankreich haben die Labels möglicherweise einen Hebel in die Hand bekommen, mit dem sie zumindest auf dem französischen Markt einen Testlauf für die "flexible Preisgestaltung" erzwingen könnten. Wie solche Modelle beim Kunden ankommen, ist fraglich, wer bei möglichen Einbrüchen der Verkaufszahlen als Sündenbock herhalten muss, kann man sich hingegen leicht ausrechnen.

Unterdessen sind die Reaktionen auf die Lex Apple von Ernüchterung bei Bürgerrechtlern und Open-Source-Aktivisten geprägt. Während die Strafen für den privaten Download von nicht lizenzierter Musik mit 38 Euro zivil einsteigen, soll die Verbreitung von Software, die darauf ausgerichtet ist, den Zugang zu geschützten Files oder ihre Verbreitung zu ermöglichen, mit Haftstrafe und bis zu 300.000 Euro Geldstrafe belegt werden. Es wird befürchtet, dass diese Klausel beispielsweise auch auf Playersoftware wie VLC oder gar elementare freie Programme wie Webserver angewendet werden können, da diese die Verbreitung auch DRM-geschützter Files per se nicht unterbinden.

Noch keine zwei Wochen her ist hingegen die Gründung nun auch einer französischen Piratenpartei, die erwartungsgemäß dem Gesetz mehr als skeptisch gegenübersteht. Über 1600 "aktive Piraten" vermeldet die Webseite bereits, der man ansieht, dass sie noch im Aufbau befindlich ist - wie die Partei indessen auch, die bis zu den anstehenden Wahlen 2007 jedoch auf Zuwächse hofft.

  • Geplant war eine Interoperabilitätsklausel im neuen französischen Copyright: DRM-Techniken verschiedener Hersteller sollten kompatibel werden, damit der Kunde beispielsweise Musikstücke beliebiger Anbieter auf Playern aller Hersteller abspielen könne. Diese Klausel wurde abgeschwächt: ein Sieg für Apples proprietären FairPlay-Schutz, der bei iTunes eingesetzt wird, sich aber als Schuss ins eigene Bein erweisen könnte. Auch in anderer Beziehung ...

    gullinews am 04.07.2006 11:11
  • Frag mich, wilang es gehen wird, bis Deutschland auch seine eigene Piratenpartei hat.

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