gulli: Colorado: Rechtsprofessor fürchtet Katastrophe für Privatsphäre

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08. September 2008

Colorado Rechtsprofessor fürchtet Katastrophe für Privatsphäre

Die moderne Kommunikationsgesellschaft wird immer durchsichtiger. Gesetze und Vereinbarungen sorgen für eine immer tiefer gehende Zusammenarbeit zwischen Providern, Rechteinhabern und schlussendlich dem Staat. Der amerikanische Rechtsprofessor Paul Ohm befürchtet nun den größten Verlust der Privatsphäre seit der Entstehung des Internets.

Die Auswirkungen der Vorratsdatenspeicherung, Teamwork zwischen Rechteinhabern und Providern sowie eine starke Lobby scheinen schlimmer, als man es bislang angenommen hatte.

Zumindest wenn es nach dem Rechtsprofessor Paul Ohm geht, welcher an der Colorado Law School lehrt. Laut seiner neuesten Publikation erwartet das Volk nichts Geringeres als "die größte Minderung von Privatsphäre in der Geschichte des Internets unter denen die User schrecklich leiden werden".

Ein neuerliches Horrorszenario oder ein objektiver Blick in die nahende Zukunft? Seine größte Sorge gilt den Internet-Service-Providern, welche sich immer häufiger auf Filtermechanismen oder sogar Deep-Packet-Inspections einlassen (werden) müssen. Dies hält er auch in seinem Schriftstück fest.

"In dem auf moderne Art verbundenen Leben stellt kein anderes Gebilde eine so große Gefahr für die Privatsphäre dar, wie der ISP. ISPs sind eine wesentlich größere Gefahr für die Privatsphäre als jede andere Organisation, die im Internet ist und zumeist auch noch eine größere Gefahr als Organisationen, die nicht online agieren. Dies beinhaltet Ärzte, Psychiater oder Anwälte." Provider sollen also zur größten erdenklichen Gefahr für die Privatsphäre der Menschheit erwachsen. Wenn man einen Augenblick über die jüngsten legislativen Ereignisse bzw. Bewegungen nachdenkt, erscheint der Gedanke gar nicht mehr so abwegig. Bei einer monatelangen Speicherung jedweder Verbindungsdaten muss sich selbst der Datenjunkie Google warm anziehen.

Die treibenden Kräfte für eine solche Entwicklung sieht Ohm zum einem in der immer wieder aufkeimenden Idee Deep-Packet-Inspections durchzuführen, zum anderen im enormen kommerziellen Druck. Beide würden die ISPs in eine Ecke drängen, aus der diese sich kaum befreien können. Aber selbst wenn diese beseitigt werden könnten, so bleiben noch immer die Regierungen im Hintergrund. Die Rechteinhaber weltweit würden sich an die Regierung wenden, diese wiederum würden ihre Anfragen an die ISPs richten. Diese wären letztendlich die Dummen, die das "P2P-Problem" beseitigen sollen.

Möglicherweise wird es aber überhaupt nicht bis zu diesem Punkt kommen, so Paul Ohm.

privacy, privatsphäre, Katastrophe"[...]. Provider, die die schnellsten Netzwerke betreiben und nicht direkt in Kontakt mit dem Kunden stehen, stehen mit ziemlicher Sicherheit unter dem gesetzlichen Verbot [im amerikanischen Rechtssystem] sogenannte Deep-Packet-Inspections auszuführen. Verkäufer von solchen Technologien begehen sehr wahrscheinlich sogar eine schwere Straftat, wenn sie diese verkaufen." Dabei betont Ohm immer wieder die Bedeutung von Netzwerkneutralität und zeigt auf, dass Neutralität und Privatsphäre zumindest bei modernen Kommunikationstechnologien nicht voneinander zu trennen sind. Man sollte also auf die bereits bestehende rechtliche Lage bauen, anstatt neue Wege zu begehen. Letztere sind möglicherweise gar nicht notwendig. (Firebird77)

(via arstechnica, thx!)

  • Ich vermute eine Böswillige Absicht hinter diesen Entwicklungen ...

    Mr.Harmlos am 08.09.2008 16:54
  • Das wird wohl die Entwicklung von VPN Lösungen über 3. Länder mit geeigneten Gesetzen fördern. Das freie Internet ist tot, lang lebe das freie Internet

    joinbug am 08.09.2008 19:49
  • Zitat: Zitat von joinbug  Das wird wohl die Entwicklung von VPN Lösungen über 3. Länder mit geeigneten Gesetzen fördern. Das freie Internet ist tot, lang lebe das freie Internet In diesen werden dann Massenvernichtungswaffen entdeckt und sie bekommen ein neues Gesetzsystem.

  • Die ISP sind nur eine Seite der Medallie. Ich finde es viel interessanter wenn sich Leute über mangelnde Privatsphäre klagen, sich gleichzeitig aber bei jedem neu entstehenden Social Network anmelden das irgendwo genannt wird! Die Dinger sind doch für Arbeitgeber heute schon interessanter als die eigentliche Bewerbung. Und wenn das in der freien Marktwirtschaft der Fall ist, dürfte es im staatlichen Rahmen noch weitaus schlimmer aussehen. Was ...

    Ironwhistle am 08.09.2008 22:23
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