MP3- Suchfunktion ärgert die Labels
Als "chinesisches Google" gilt die Suchmaschine Baidu, deren Aktienkurs in den letzten Monaten einen bemerkenswerten Höhenflug hingelegt hatte. Der Grund für die große Beliebtheit der Suchmaschine dürfte indessen vor allem im Verhalten der chinesischen Webmaster liegen: die sind zwar in Bezug auf Möglichkeiten zur politischen Meiningsäußerung nicht zuletzt dank Microsoft und Yahoo! recht eingeschränkt, was das Kopieren von Musik und den massenhaften Upload angeht, geht es trotz Versuchen, dies zu ändern, immer noch recht unbeschwert zu. Und entsprechend zahlreich sind die Suchergebnisse, bemüht man Baidus MP3 - Suchfunktion. Die Musiksuche ist ein Kerngeschäft Baidus: während Alexa von 22% Anteil der Musiksuche an den Baidu-Suchanfragen ausgeht, schätzen andere Experten den Anteil als durchaus noch höher ein.
Dass nicht mehr die Anbieter, sondern die Suchmaschine für Inhalte im Netz verklagt werden, ist eine neue Strategie der Plattenindustrie im Kampf gegen missliebige Inhalte. Würde Google für jede rechtlich umstrittene Seite verklagt werden können, welche sich mit der Suchmaschine auffinden läßt, würde man sich das resultierende juristische und technische Chaos ausmalen können. Indessen, Baidu unterscheidet sich in der Tat leicht von Google: die Suchmaschine gibt als Ergebnis bei der Musiksuche nicht etwa die gefundene Webseite aus, sondern einen direkten Downloadlink der gesuchten MP3-Datei. Über diese Feinheit versuchen die Labels offenbar, Baidu zu Zugeständnissen zwingen zu können.
Bei Baidu zeigt man sich gelassen, nach dem letzten Meeting von Vertretern der Musikindustrie mit Baidus Marketing-Vizepräsident Liang Dong hieß es aus dem Haus Baidu gegenüber dem Hong Kong Standard, das Ergebnis sei positiv gewesen und man kooperiere beim Vorhaben, eine Plattform für legale Musikdownloads zu schaffen.
Den deutschen Surfer dürfte dies alles weniger betreffen. Die Downloadgeschwindigkeiten aus dem Reich der Mitte sind hierzulande eher weniger berauschend.