gulli: China: Yahoo half weiterem Dissidenten in den Knast
20. April 2006

China Yahoo half weiterem Dissidenten in den Knast

Für vier Jahre wanderte Jiang Lijun in ein chinesisches Gefängnis, wieder einmal mit der Hilfe Yahoo!s. Besonders peinlich: Yahoo! gab nicht bereits per Mail verbreitete Kritik am Regime an die chinesischen Ermittler weiter, sondern Inhalte eines Ordners für noch nicht gesendete Mailentwürfe.

Der Imageschaden wächst weiter: nach wie vor ist keine Kursänderung Yahoo!s beim Kuschelkurs mit dem chinesischen Regime zu erkennen. Inhalte des Drafts-Folders seines Yahoo-Mailaccounts waren unter dem Beweismaterial, welches dem Dissidenten 2003 vier Jahre Knast eintrug. Yahoo! Hong Kong gab die Daten weiter.

Kritisch auseinandersetzen will man sich mit der eigenen Praxis jedoch nicht: nachdem die Reporter ohne Grenzen Yahoo! das Videomaterial zeigen wollte, welches die erfolgte Kollaboration belegt, drohte man ihnen mit der Polizei. Ein schließlich doch zustande gekommenes Treffen endete ergebnislos.

Die Reporter ohne Grenzen zeigen sich zunehmend desilussioniert vom Vorgehen Yahoos:

"Stück für Stück setzen wir die Beweise dafür zusammen, was wir lange Zeit vermuteten: dass Yahoo! hinter den verhaftungen der meisten Personen steht, die wir bisher verteidigt haben... Wir hoffen, dass sich der Internetriese nicht hinter seinem lokalen Partner Alibaba versteckt, um sein Vorgehen zu rechtfertigen. Welchen Vertrag er auch immer mit seinem Partner hat, das Emailgeschäft wird von Yahoo! selber vermarktet."

Die Netzunternehmen, die bereitwillig mit dem totalitären chinesischen Regime kooperieren, berufen sich regelmäßig auf die Notwendigkeit, sich an die dortigen Bestimmungen - auch in Hinsicht auf Zensur und Überwachung - zu halten, um am Markt agieren zu können. Letzten Endes führe ihre Präsenz zu einer Verbesserung der Verhältnisse in China. Google kooperiert bezüglich der Zensurforderungen zwar auch bereitwillig mit dem Regime, loggt die Daten der chinesischen Surfer jedoch im Ausland, um nicht zur Datenherausgabe gezwungen werden zu können.

  • 1 Kommentar zum Artikel
  • Für vier Jahre wanderte Jiang Lijun in ein chinesisches Gefängnis, wieder einmal mit der Hilfe Yahoo!s. Besonders peinlich: Yahoo! gab nicht bereits per Mail verbreitete Kritik am Regime an die chinesischen Ermittler weiter, sondern Inhalte eines Ordners für noch nicht gesendete Mailentwürfe. Der Imageschaden wächst weiter: nach wie vor ist keine Kursänderung Yahoo!s beim Kuschelkurs mit dem chinesischen Regime zu erkennen. Inhalte des ...

    gullinews am 20.04.2006 12:58
  • Na toll, muss ich jetzt extrem aufpassen, was ich mit meinen chinesischen Freunden schreibe, dass ich da nich aus Versehen mal was falsches schreibe? Die haben nämlcih meistens yahoo email addressen. Tolle Sache yahoo! Weiter so! zupi

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