gulli: China und seine Online-Bürgerwehr: eine Hexenjagd der Moderne?

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10. November 2008

China und seine Online-Bürgerwehr eine Hexenjagd der Moderne?

Die Olympischen Spiele sind inzwischen fast wie Rauch verzogen. Was bleibt ist ein Land, in dem Zensur und Kontrolle Platz eins auf der Tagesordnung einnehmen. Jeden Tag. Gesperrte Websites, Stimmungsmache und Kontrolle beim eigenen Volk. Keine Begriffe, die man nicht mit China in Verbindung bringen könnte. In eben jenem Land scheint sich aber seit geraumer Zeit auch so etwas wie eine moderne Hexenjagd möglich zu sein - dank des Internets. Ein Schauspiel das anmutet wie im Mittelalter, mit dem einzigen Manko, dass es im Hier und Jetzt spielt.

Die Freiwilligen der "Online-Bürgerwehr" in China sind schneller und aktiver, als es so mancher Polizist je sein wird. Binnen kürzester Zeit verfolgen und finden sie "Verbrecher". Ihr Hauptwerkzeug dabei: Das Internet und zahlreiche hunderte Mitstreiter. Ihre Ziele: Vermeintlich kriminelle Personen, die in einer regelrechten Hexenjagd aus den wenigen sensiblen Daten die den selbst ernannten Ordnungshütern zur Verfügung stehen ermittelt werden.

bewegte Kamera, Überwachung, ChinaLin Jiaxiang, ein Beamter aus Shenzhen war jüngst eines der Ziele der "Menschen-Suchmaschine". Ein grotesker Name, wenn man darüber nachdenkt, dass dieses System nicht das Geringste mit einer Personen-Suchmaschine gemeinsam hat. Lin Jiaxiang wurde von einer Überwachungskamera gefilmt, als er in einer Warteschlange stand. Vor ihm stand ebenfalls ein Mann - mit seiner 11-jährigen Tochter. Diese soll er unsittlich berührt haben, so die Anschuldigung. Ob die Aufzeichnungen dies beweisen ist unklar. Fest steht nur eines: Binnen kürzester Zeit wanderte sein Bild durch das Netzwerk der "Bürgerwehr", zahllose Helfer machten sich auf, das kriminelle Subjekt zu fassen. Es gelang. Schneller als es die Polizei je gekonnt hätte. Im gegebenen Fall möchte manch einer vielleicht noch sagen, die Mitarbeit des Bürgers bei Ermittlungen gegen Verbrecher ist wichtig. Diese Ermittlungen sollten jedoch der Polizei überlassen werden. Nicht hunderten selbst ernannten Helfern, für die ein Unschuldsprinzip womöglich nebensächlich sein könnte. Das Spielchen geht jedoch weiter. Eine Frau wird von einer Überwachungskamera gefilmt, wie sie kleine Katzen mit hochhackigen Schuhen zertritt. Eine schlimme Tat - ohne Zweifel. Die Bürgerwehr gelangt über eBay und eine Auktion mit diesen Schuhen an die Täterin. Die "Kätzchen-Killerin" wird binnen kürzester Zeit identifiziert und gefasst. Die Folgen dieser öffentlichen Jagd: Kurz nachdem sie inhaftiert wurde, verlor sie ihren Job. Eine vergleichsweise harmlose Reaktion - neben den strafrechtlichen Sanktionen. Denn nicht immer werden die Täter nach einem menschenwürdigen Prinzip behandelt, sofern es ein solches in China überhaupt gibt. Andere werden dauerhaft verfolgt, erhalten Morddrohungen per E-Mail, Telefon, Post und Fax. Ihre Häuserwände werden beschmiert. Eine öffentliche Hexenjagd, an der theoretisch jeder teilnehmen und durch einen dummen Zufall zum Opfer werden kann.

Hexenverbrennung, China, FilesharerWie ein in Amerika lebender Tibeter, dessen Name falsch geschrieben wurde. Ihm wurde vorgeworfen versucht zu haben, dem Sportler Jin Jing in Paris das olympische Feuer zu entreißen. Die Hexenjagd kennt keine Landesgrenzen. Er wurde per Telefon und E-Mail belästigt und bedroht.

Eine Bürgerwehr sollte eigentlich eine gut gemeinte Initiative darstellen, um ein wachsames Auge zu haben. Die echten Ermittlungen und Anschuldigungen sollten in staatlicher Hand bleiben, den sonst dürfte es bald wieder einige Hexenverbrennungen geben - wenngleich mit modernen Technologien. (Firebird77)

(via guardian, thx!)

(Bild via deathrow-artwork-thornton, thx!)

  • Zitat: Zitat von Gravenreuth  Och - es gibt auch User die glauben das was ihnen ........bla bla bla Moinsen. So langsam werden einige aber vermutlich mehr glauben, wenn denn das hier stimmt http://www.rotglut.info/post/315558/rss2 Edit 16 Uhr: der Link funktioniert zwar, aber Herr N. hat die Kommentare von G. aus M und KJ aus M. nun gelöscht. Auf der Seite mit der "originalen" Farbe ...

    ichauchda am 13.11.2008 09:57
  • Zitat: Zitat von Gravenreuth  Man denke z.B. daran wie er aus einer Fußnote Nr. 407 in einer Dissertation die Stückzal von 407 Abmahnungen gemacht und daraus den angeblichen Umsatz berechnet hat. Hatte er zu Deinen Lasten dabei etwa eine Null vergessen? War die Stückzahl also vierstellig? Oder warum jammerst Du hier so rum jetzt? MfG Andy

    titus_shg am 13.11.2008 10:10
  • Zitat: Zitat von Gravenreuth  Man denke z.B. daran wie er aus einer Fußnote Nr. 407 in einer Dissertation die Stückzal von 407 Abmahnungen gemacht und daraus den angeblichen Umsatz berechnet hat. So kann man auch eine Hexenjagd der Moderne ...

  • Danke @ A John! Wollte ich auch gerade schreiben... Dein Verhalten, Günter, ist absolut nicht akzeptabel. Wenn du Stress mit fastix hast, ist das ja schön und gut, aber lass uns bitte mit deinem Mist in Ruhe...

    Toronto am 13.11.2008 13:46
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