gulli: Charter Communications: Provider überwacht Surfverhalten seiner Kunden
15. Mai 2008

Charter Communications Provider überwacht Surfverhalten seiner Kunden

Legislativen streiten sich darüber ob Filesharern der Zugang zum Netz verweigert werden darf, ISPs sollen zum Knecht der Content-Industrie verdonnert werden. Heftigste Diskussionen finden statt, während ein Provider in den USA seine Kunden seelenruhig darüber informiert, dass er in Zukunft ihr Surfverhalten aufzeichnen will.

Charter Communications, der viertgrößte Internetanbieter in den USA, verkündete seinen Kunden jüngst diese Hiobsbotschaft. Man wolle in Zukunft das gesamte Surfverhalten jedes einzelnen Breitbandnutzers aufzeichnen und analysieren, um zielgerichtet Werbung schalten zu können. Wer hier noch ruhig bleibt, darf sich auf den nächsten faux Pas gefasst machen. Die Daten werden natürlich nicht selbst ausgewertet und verarbeitet. Vielmehr gibt man diese an eine andere Firma, also Dritte, weiter. Diese haben sich auf Werbung spezialisiert und werden die Analyse der gesammelten Daten vornehmen. Ziel des Ganzen: Die Charter Kunden sollen während des Surfvorgangs scheinbar mit Werbung geplättet werden, die eben diesem entsprechen.

Wie ernst diese Idee ist, lässt sich kaum in Worten ausdrücken. Die Zahlen sprechen für sich. Mehrere zigtausend Kunden in 4 verschiedenen "Testbereichen" haben bereits Briefe mit der entsprechenden Mitteilung erhalten. Der Provider selbst gibt an, das System vorerst nur für 30 Tage testen zu wollen. Erst danach entscheide man sich, ob man es für die 2,8 Millionen weiteren Kunden ebenfalls einführen wolle. Über den Datenschutz bzw. die Überwachung und Ausspähung privater Daten bei einem solchen Vorgang mag man nur Mutmaßungen anstellen. Wenn "Papi" also abends noch drei oder vier Pornosites besucht, muss er ab sofort befürchten, dass den Kindern am nächsten Tag eben solche "heiße" Werbung am PC entgegen kommt.

Ted Schremp, der Vizepräsident von Charter Communications, sieht das Ganze wesentlich entspannter.

"Wir haben unseren Kunden genauestens mitgeteilt, was wir vorhaben. Unsere Mitteilungen waren sehr fürsorglich verfasst und enthielten kein Kleingedrucktes."

Das mag sogar stimmen. Der Brief enthielt nur fünf essenzielle Punkte, einer davon sprach lediglich von einer "erweiterten Online-Erfahrung, die stärker auf ihre Interessen und Aktivitäten zugeschnitten ist. Das Ergebnis verbergen, ISP, Provider, Überwachungunseres Projektes wird sein, dass Sie in Zukunft nicht mehr Werbung sehen, aber dafür auf Sie zugeschnittene, aufgrund der von Ihnen besuchten Seiten!"

Man möchte fast ein Loblied auf diese geniale Idee besingen. Aber halt. Wer hat eigentlich darum gebeten?

(Via New York Times, Bild via instant-thinking.de, thx!)

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