gulli: CDs wegschmeißen soll Urheberrechtsverstoß werden: Universal auf BMGs Spuren
14. April 2008

CDs wegschmeißen soll Urheberrechtsverstoß werden Universal auf BMGs Spuren

BMG hat bereits durchsetzen können, dass weggeworfene CDs nicht aus dem Müll geholt werden dürfen, nun setzt Universal einen drauf: bereits das Wegwerfen der tonträger soll ein Urheberrechtsverstoß werden. Verhindert werden soll damit, dass Promo-CDs in den Handel geraten. Auch der Weiterverkauf von CDs könnte in rechtlich unsichere Regionen befördert werden. Das Ganze scheint wenig durchdacht: mit ihrer "Bemusterungspraxis" haben die Big Four das Problem selbst geschaffen, das nun auf Kosten von Radiosendern, Kunden und Musikkritikern gelöst werden soll.

Der Sachverhalt: Sender, Musikmagazine und ähnliche Promo-Kanäle werden von den Labels mit Rezensions- und Promo-CDs versorgt, die jedoch oft genug nicht den Weg in die Heavy Rotation finden (wofür früher daher auch gerne Bestechungsgelder mitsamt dem Promomaterial bei den DJs eingingen). Die Promo-CDs werden von den Labels indessen nicht unbedingt zurückgenommen, BMG beispielsweise wies die Post an, zurückgeschicktes Promomaterial schlicht in den Müll zu werfen.

Werden die CDs aus den Abfalltonnen gerettet und weiterverkauft, ist das jedoch auch nicht im Sinne der Labels, dafür wird dann gerne Klage wegen Urheberrechtsverstoß erhoben. Und mit dieser paradoxen Situation will nun Universal aufräumen: bereits das Wegwerfen der CDs soll bitteschön verboten werden.

Das würde jedoch für leichte Probleme sorgen: ein bemusterter Sender würde mit CDs eingedeckt, darf diese jedoch weder wegwerfen noch sonstwie in Verkehr bringen, versucht er sie zurückzuschicken, passieren Dinge wie im Fall BMG: Das Label will das Material nicht mehr. Ein Paradebeispiel für das beliebte "sollen sich die anderen kümmern" - ist das Promomaterial verschickt, ist es für das Label offenbar einen Dreck wert, alle anderen sollen sich aber doch bitteschön um die sachgerechte, die Wiederverwertung verhindernde Entsorgung kümmern.

Und wenn als Nebenwirkung die zahlende Kundschaft mal wieder einen weiteren generalverdacht um die Ohren geschlagen bekommt - die EFF befürchtet, dass in Zukunft Kaufbelege für CDs jahrelang aufgehoben werden müssten, damit der Kunde belegen kann, die CD "ordnungsgemäß" gekauft zu haben - darauf kommt es offenbar auch nicht mehr an. Ist der Ruf erst ruiniert...

  • 67 Kommentare zum Artikel
  • www.slicethepie.com Nur so als Idee - nicht, daß ich mich damit näher auseinandergestzt hätte.

    Schattenspieler am 13.06.2008 06:31
  • Zitat: Zitat von Spellcraft Direkt bei den Musikern kaufen.. gibt ja sowas wie Homepages der meisten. Da muss man keinem raffgierigen Label Geld schenken. Das Label stellt die CDs aber selber her. Es sei denn, die Band/der Musiker hat sein eigenes Label gegründet. Und das ist wohl heutzutage eher seltener der Fall

    Karan2k6 am 13.06.2008 14:06

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