Und am Ende stimmen wieder alle trotz Verfassungsbedenken zu, weil ja eh irgendwann irgendjemand klagt? Irgendwie kann man keiner der Bundesparteien abnehmen, so richtig und überzeugt gegen den Überwachungsstaat zu sein, und dass sich die SPD versucht, Bedenken zu äußern, dürfte eher für Spott als für Glaubwürdigkeit sorgen. Die Fraktion jedenfalls will es sich "vorbehalten", dem Entwurf zum Gesetz über die "Online-Durchsuchung" im Bundestag zuzustimmen.
Aus "mehreren Quellen" hat das virtuelle Datenschutzbüro erfahren, dass die SPD in Sachen Bundestrojaner das Wackeln probt. Unter "strikter Beachtung der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts sorgfältig beraten" will die Fraktion den Gesetzesentwurf, auf den sich Justizministerin Zypries und Innenminister Schäuble geeinigt haben.
Zu befürchten ist nun eine weitere Haarespalterei über die Frage, ob das Abhören verschlüsselter VoIP-Kommunikation via Trojaner schon eine Wohnraumüberwachung, ein Einbruch auf einen privaten Computer oder nur eine Abhörmaßnahme ist. Oder ob ein Rechner tatsächlich zum Kernbereich der Privatsphäre gehört, ob ein Einbruch auf dem Rechner was anderes ist als ein Einbruch in eine Wohnung und ähnliche Spitzfindigkeiten mehr, die alle auf eines herauslaufen: wie müssen wir es nennen, damit es nichts mehr mit Bürgerrechten zu tun hat?
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