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17. Februar 2006
Bundestag nickt Vorratsdatenspeicherung abSechs Monate Logging von Verbindungsdaten Die umstrittene EU-Richtlinie zur Data Retention, der verdachtsunabhängigen Speicherung von Verbindungsdaten, wird in Deutschland nationales Recht: gegen die Stimmen der Opposition nickte der Bundestag gestern die Umsetzung der Überwachungsmaßnahme ab. Nach Zustimmung des EU-Rats kann anschließend die Regierung den Entwurf in Kraft setzen. Datenschützer, Bürgerrechtler und Opposition kritisieren den Entwurf, der alle Bürger unter Generalverdacht stellt. Die Koalition beruft sich wie gewohnt auf die Terrorismusbekämpfung und die neue Qualität des Verbrechens im Internet. Bedenken der Datenschützer werden mit dem Hinweis gekontert, dass entsprechende Daten bei "Bagatelldelikten" nicht ausgewertet würden. Die Erfahrung lehrt indessen, dass Daten, wenn erst vorhanden, auch zügig Begehrlichkeiten wecken. Ob die Zielgruppe - der internationale Terrorismus - durch die Maßnahmen überhaupt betroffen wird, bleibt fraglich - die Möglichkeit, verschlüsselt zu kommunizieren und über Proxy- und Anonymisierungsdienste wie TOR die providerseitige Datenerfassung zu konterkarieren, dürfte als erstes gerade von der Gruppe genutzt werden, gegen die sich die Richtlinie wendet. Auch die ebenfalls als Zielgruppe genannten Sexualstraftäter sind bereits jetzt zum Teil aus den überwachbaren Netzen abgewandert in log-resistente Netzstrukturen wie Freenet - dieser Prozess wird durch die Umsetzung der Richtlinie allenfalls beschleunigt. Besonders begrüßt wurde die anstehende Abschaffung des "besonderen Schutzes" von DSL-Flatratenutzern. Während die jüngste Rechtsprechung die Speicherung von Verbindungsdaten bei Flatrates untersagte, wird diese Rechtsauffassung mit dem kommenden Entwurf ad acta gelegt. Seitens der Grünen wurde eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof angekündigt, sollte das Gesetz die Zustimmung des EU-Rates finden. Verwandte News
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