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31. März 2008

Buchautoren und die Internetpiraterie Wir hören auf zu schreiben!

Die "Society of Authors" kündigte heute in der Times Online an, man müsse dringend radikale Methoden finden, um die Buchautoren für ihre erlittenen Verluste zu entschädigen. Die Online-Piraterie wird die Autoren letztendlich dazu zwingen, aufzuhören zu schreiben. Die Organisation, die diese düstere Zukunftsvision aufbrachte, repräsentiert in Großbritannien über 8.500 professionelle Autoren. Die Vereinigung orakelt, wenn so viele Bücher wie bisher kostenlos im Netz verfügbar seien, werden die Autoren über kurz oder lang dazu gezwungen sein, ihre Tätigkeit komplett einzustellen.

Der Buchhandel sieht sich nach der Musik- und der Pornoindustrie nun in einer vergleichbaren Überlebenskrise wie die Plattenlabels und die Hersteller von Schmuddelfilmen. An den Verlusten der Branche sind, wie üblich nur die Online-Piraten schuld. Das Internet sei nicht nur voller illegaler Musik, Filme oder Sexvideos. Man sieht sich auch mit einer Flut von illegalen Kopien von Büchern konfrontiert. Fest steht: Ursache der Krise ist ähnlich wie in der Musikindustrie das Fehlen eines brauchbaren Geschäftsmodells für das digitale Zeitalter. Das Buch in seiner herkömmlichen Vertriebsform scheint überholt zu sein. Und was die Filesharer auf legalem Weg nicht kaufen können, kopieren sie sich halt. Der Verband indes bezeichnet das Internet als ein zweischneidiges Schwert. "Es ist gut, um die Leserschaft eines Autors zu steigern aber verhängnisvoll, wenn es darum geht, diese in Erträge umzuwandeln", erklärte die britische Schriftstellerin Tracy Chevalier. Auch sie fordert neben neuen Vertriebsmodellen nach härteren Strafen für die Raubmordkopierer.

Auch in Deutschland seien die Auswirkungen deutlich zu spüren. Von einem bevorstehenden Tod der Literatur wollte Gudrun Bolduan vom Verlegerausschuss des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gegenüber pressetext.at nicht sprechen. Die nicht lizenzierten Kopien von Büchern hätten aber enorm zugenommen. Besonders betroffen sei dabei die Gattung der Hörbücher. Vor zwei Jahren hätte man etwa 110.000 illegale Hörbuchangebote im Netz gezählt, dem standen damals 24.0000 nur legale Hörbücher gegenüber. Doch auch Frau Bolduan ruft nach härteren Strafen und schlägt vor, das Angebot von E-Books vermehrt in das Angebot des Buchhandels zu integrieren.

Aber es geht auch ganz anders: Paulo Coelho ("Der Alchemist", "Die Hexe von Portobello" etc.) stellt Raubkopien seiner eigenen Werke ins Netz - und verkauft so zum Erstaunen seiner Verleger mehr seiner Bücher. Er kann und will der Logik der Industrie "Raubkopierer sind Verbrecher" nicht folgen. Coelho hat die Filesharer als potenzielle Kunden verstanden und vertreibt seine Werke in den unterschiedlichsten Sprachen auf seinem Weblog "Pirate Coelho" per eDonkey2000-Links. Seiner Meinung nach konnte er so die Verkaufszahlen seiner Bücher stark steigern. Vielen, denen das Buch als PDF gefallen hat, werden nicht zögern, es auch als Printausgabe zu bestellen. Viele Leser vom PDF sprechen darüber und wirken als Multiplikatoren, was den Bekanntheitsgrad des Buches steigert. Wenn jemand die Datei geschenkt bekommt und mehr von dem Autor lesen will aber nicht versiert genug ist den Esel (eDonkey) anzuwerfen, wird weitere Bücher im Buchhandel um die Ecke beziehen. Andere begeisterte Leser des E-Books verschenken es in einer gebundenen Version an Dritte, was wiederum den Bekanntheitsgrad steigern dürfte.

Ob man Paulo Coelho seine Theorie glaubt oder nicht: Er persönlich war damit bisher überaus erfolgreich. Um seine PiratenSite noch populärer zu machen, hat er sie sogar auf seiner offiziellen Website verlinkt. In einem Eintrag seines eigenen Weblogs soll er mit gespieltem Entsetzen darauf verwiesen haben. Er zumindest hört wegen sinkender Verkaufszahlen nicht auf zu schreiben, im Gegenteil.

(Via pressetext.at & literaturcafe.de)

  • Zitat: Zitat von Gravenreuth Nettes Bild gefunden: http://users.du.se/~jsv/downloading_communism.jpg Gilt das auch für Blood and Honour?

  • Na ja, den größten Verlust werden die wohl dadurch hinzunehmen haben, das immer weniger Leute überhaubt noch n Buch in die Hand nehmen. Wird ja wohl kaum so sein das jetzt alle Welt vorm eBook sitzt?! (ausser eventuell mal ne Gebrauchsanleitung!)

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