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15. Juni 2005

BSA sei von den Reaktionen auf ihren Pirateriebericht angeekelt

Man war auf fachliche Kritik wohl nicht gefasst

Kürzlich beklagte die BSA die ach so großen Schäden, die ihr durch "Piraterie" entstünden - weltweit über 32 Milliarden Dollar an Einkünften würden ihr wegen der Nichtlizenzierung von Softwareinstallationen entgehen, und selbst in Ländern mit moderaten Anteilen nichtlizenzierter Software würden trotz sinkender Kopierquoten die Verluste steigen.

Nun ist die Methode der BSA, "entgangene Gewinne" zu ermitteln, nicht nur fragwürdig, sondern vollkommener Nonsense. Die für die Datenerhebung zuständige IDC ermittelte kurzerhand den jeweiligen Bedarf an Software - beispielsweise eines Officepakets - über Interviews, Erhebungen und sonstige Studien. Anschließend verglich man die hochgerechnete Gesamtzahl dieser im Land vermutlich installierten Applikationen, zog die Anzahl tatsächlich verkaufter Softwarepakete ab und voila: die "Pirateriequote" eines Landes ist ermittelt.

Nun kann man bereits sagen, angesichts der OpenOffice - Lösungen wäre eine solche Statistik eine Milchmädchenrechnung. Aber es kommt noch schlimmer: Laut dem "Economist" wurde nur ermittelt, wieviel Applikationen auf dem durchschnittlichen Rechner landesweit installiert waren. Und unter "Applikationen" fällt auch ein Firefox. Dennoch nahm die IDC die Gesamtzahl der landesweit installierten Applikationen, verglich sie mit den Landesverkäufen und kam so an ihre Quoten. Unter diesem Aspekt nimmt es bereits Wunder, dass die Zahlen nicht noch weitaus höher ausgefallen sind.

Nun veröffentlichte der Economist eine Betrachtung dieser Art. Fachliche Kritik an einer offenbar mit völlig falscher Methodik angegangenen Erhebung sollte dann eventuell zu einer fachlichen Antwort führen, in derr Denkfehler in der Kritik aufgedeckt würden. Doch man wurde enttäuscht. Die BSA antwortete per Leserbrief: "Sir - Ihr Artikel über Softwarepiraterie war extrem, irreführend und unverantwortlich (...). Die Überschrift war insbesondere widerwärtig. Die implizite Botschaft, eine Industrie würde vorsätzlich die Piraterieraten und ihre Auswirkungen aufblähen, um ihre politischen Ziele zu erreichen, ist lächerlich. Das Problem ist real und braucht keine Übertreibung.
Beth Scott
Business Software Alliance

Keinerlei Berichtigung, keinerlei inhaltliche Kritik am vernichtenden Urteil des Economist über die Datenerhebungsmethoden der IDC - auch arstechnica wundert sich sehr über das völlige Fehlen inhaltlicher Berichtigungen.
Nachdem klar ist, dass die Erfassungsmethoden der IDC methodologischer Unsinn sind und keinerlei gültige Daten produzieren können, bleibt eigentlich nur noch die Möglichkeit, die BSA glaube offenbar selber, was sie da schreibt. Was belegen würde, dass es offenbar niemanden dort gibt, der einigermassen Ahnung von Statistik und Methoden der Datenerhebung hat. Oder, um unerlaubterweise aus diesem und einem zweiten Fall der völligen Methodenamnesie zu verallgemeinern: im Zusammenhang mit der Sammlung von Daten über nichtlizenziertes Kopieren scheint sich jeglicher methodologische und analytische Sachverstand der beteiligten Experten asymptotisch der Null anzunähern.

Aber, wie jeder anständige Statistiker weiss: eine Verallgemeinerung aus zwei Fallstudien ist praktisch immer unzulässig. Warten wir künftige Studien ab.

Sehr seltsamer Zufall am Rande: IDC ist nebenbei nicht nur die Abhkürzung für "International Data Corporation". Im Chatslang bedeutet die Abkürzung in der Regel "I Don't Care" - "Mir egal".

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