gulli: Browser Wars: IE8 mit gigantischem Ressourcenhunger, Start nach Maß für Google Chrome [Update]

Anzeige

gulli:Newsbox

03. September 2008

Browser Wars IE8 mit gigantischem Ressourcenhunger, Start nach Maß für Google Chrome [Update]

Microsofts Internet Explorer hat immer noch einen überragenden Marktanteil gegenüber seinen Mitbewerbern. Die aktuellen Versuche der Redmonder, mit der IE8-Beta 2 den Status Quo zu sichern, kann man jedoch guten Gewissens als "erbärmlich" bezeichnen: Der Browser frisst Ressourcen im epischen Ausmaß. Indes betritt mit Googles Chrome ein neues Schwergewicht den Ring im Browserkrieg - und weiß auf Anhieb zu überzeugen.

Das globale Nutzer-Netzwerk für Benchmarks, exo.performance.network, hat die neue Beta 2 des Internet Explorer 8 unter die Lupe genommen und kam zu dramatischen Ergebnissen. Chief Technology Officer Craig Barth erklärte die Resultate gegenüber InfoWorld.

ie_bugIn einer Testumgebung mit Vista x86 plus Service Pack 1 wurde eine Browsersession gestartet und zehn bekannte Webseiten wie dilbert.com, cnet.com und nytimes.com in einzelne Tabs geladen. Der IE8 verbrauchte dabei knapp 380 MB an Arbeitsspeicher. Zum Vergleich: Der IE7 begnügt sich mit knapp 250 MB, Firefox 3.01 sogar unter 160 MB. Unter Windows XP ist der RAM-Verbrauch jeweils etwas geringer. Wenn man jedoch bedenkt, dass ein frisch installiertes und neu gestartetes Windows XP in seiner Gesamtheit nur 130 bis 150 MB Arbeitsspeicher in Beschlag nimmt, werden die Dimensionen klar: Heutzutage benötigen Browser, besonders der IE, mehr Speicher als ein voll funktionsfähiges Betriebssystem.

Eine weitere Achillesferse vom Internet Explorer 8 ist die hohe Zahl an parallelen CPU-Threads, in der Testumgebung bis zu 171, im Vergleich zu maximal 29 im Firefox 3.0.1 und in der Spitze 65 beim IE7. Viele parallele Threads, also Aufgaben, die ein moderner Hauptprozessor gleichzeitig abarbeiten kann, müssen nicht per se schlecht sein und können auf CPUs mit vielen Kernen sogar die Performance erhöhen. Jedoch steigt mit dem Grad der Parallelisierung auch der Arbeitsaufwand, den der Rechner aufbringen muss, um die gleichzeitigen Aufgaben zu managen. Außerdem besitzt auch heute noch bei weitem nicht jeder ein Multicore-System. Da im Laptopbereich eine Marktentwicklung hin zu immer preisgünstigen Single Core-Systemen besteht, könnten viele Anwender, die nichts von alternativen Browsern wissen, demnächst die Wahl zwischen Pest und Cholera haben: Entweder ein veralteter Browser oder einer, der sehr lange zum Starten und Laden von Webseiten benötigt.

Zumindest ein wenig gerechtfertigt wird die enorme Ressourcensucht des IE durch dessen neue Architektur. Da jedem einzelnen Tab ein eigener Prozess zugeordnet wird, muss eine einzelne fehlerhafte Seite zukünftig nicht mehr den gesamten Browser abstürzen lassen - ein Plus an Sicherheit.

Einen identischen Ansatz verfolgt Googles Browser Chrome (wir berichteten), der vor wenigen Stunden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Dieser erkauft sich die mutmaßlich höhere Stabilität ebenfalls durch hohen Speicherverbrauch, welcher zum Teil sogar den IE8 toppt, ist jedoch viel sparsamer, was die Anzahl an CPU-Threads angeht - etwa auf dem Niveau des IE7.

Google Chrome BrowserDie ersten Reaktionen zu Googles eigenem Browserprojekt sind überwiegend positiv. Die WebKit-Engine, welche auch in Apples Safari-Browser arbeitet, stellt Webseiten ausreichend schnell dar. Der Browser scheint bereits recht stabil zu sein (erheblich stabiler als seinerzeit die erste Safari-Version für Windows), lediglich ein Lifehacker-Leser berichtet von einem Absturz beim Taggen von Fotos auf Facebook. In einigen Anwendungen zeigt Chrome sogar beeindruckende Ergebnisse: Schwer auf Ajax und JavaScript beruhende Webseiten wie Google Mail oder diverse webbasierte Feedreader fühlen sich "direkter" an und laden merklich schneller. Im Gulli-Test bestätigt sich dieser Eindruck. Wir ließen den Test zwar nicht unter Laborbedingungen laufen, aber die Tendenz sollte beim Betrachten der Ergebnisse, die die verschiedenen Browser im SunSpider JavaScript Benchmark lieferten, deutlich werden: Chrome brauchte mit 1461 Millisekunden nur die Hälfte der Zeit des zweitplatzierten Firefox 3.0.1 mit 2945 ms für die aufwendigen Berechnungen. Danach folgten Safari 3.1.2 mit 3339 ms vor Opera 9.52 (3715 ms) und dem einsam abgeschlagenen IE7 mit 27707 ms. Testsystem war ein Core 2 Duo E7200 mit 2 GB RAM unter Windows Vista x86. Blogger Peter Kröner warnt allerdings davor, den Performancevorteil von Chrome als in Stein gemeißelt zu sehen. So böten die Entwicklerversion von Safari 4 und die Alpha des Firefox 3.1 bereits jetzt erheblich verbesserte JavaScript-Leistung. Gut möglich, das beim Erscheinen von deren Finals wieder ein anderer Browser die Nase vorn hat.

Wer Sorgen hat, dass Chrome als weiteres Produkt der nimmermüden Datenkrake Google die eigenen Surfgewohnheiten ausspäht, kann halbwegs beruhigt sein. Da das Programm quelloffen ist, dürften eventuelle Hintertüren schnell entdeckt werden. Matt Cutts führt in seinem Blog an, dass sich die Kontaktaufnahmen, die Chrome an google.com richtet, im normalen Bereich von Updateanfragen für das Programm selbst, Phishing- und Malwarefilter bewegen. Das Versenden anonymisierter Benutzungsstatistiken und Absturzprotokolle kann man bei der Installation abschalten. Wer allerdings unterbinden möchte, dass Google eigene Vorschläge beim Eintippen von URLs unterbreitet, sollte zusätzlich die Google Suggest-Funktion deaktivieren: Rechte Maustaste in die Adressleiste -> "Suchmaschinen bearbeiten" und den Haken bei "Automatische Vorschläge zur Vervollständigung..." entfernen.

Unter dem Strich bietet Chrome eine einfache, intuitive Oberfläche ohne großen Schnickschnack, einige interessante Designkonzepte und technische Innovationen, die die Konkurrenz zwischen den Browsern zum Wohle des Nutzers beleben werden. Wer nicht auf seine Erweiterungen verzichten kann, bleibt vorerst beim Firefox. Für Webdesigner wird Chrome als Testumgebung zur Pflicht, Benutzer von Safari und Opera sollten definitiv einen Blick riskieren. Dafür, den IE zu nutzen, gibt es allerdings nach wie vor keinen Grund. (fraencko)

Bild "IE Bug": Hashir Milhan (cc)

(via news.ycombinator - good source, as always)

[Update] Angesichts der haarsträubenden Endbenutzervereinbarungen (wir berichteten), der eindeutigen Benutzeridentifikationsnummer, die ständig an Google gesendet wird, diversen Sicherheitslücken und Berichten, wonach der ungefragt mitinstallierte Google Updater die E-Mail-Adresse des Nutzers an die Google-Server sendet, revidieren wir unsere "halbe" Downloadempfehlung. Von der Installation von Chrome ist momentan aus Datenschutzgründen abzuraten..

  • Zitat: Zitat von fraencko  Tabs in verschiedenen Threads wäre so eine Sache, [klugscheiß]Du meinst Prozesse?[/Klugscheiß]

    Toronto am 03.09.2008 23:32
  • Zitat: Zitat von fraencko  Die Gulli:News haben eine gewisse Tradition der Süffisanz und Seitenhiebe. Es gibt genug andere IT-Newsportale, die ohne das auskommen, aber wenn wir bei Gulli zu "neutral" berichten, gibt es genauso User, die uns deswegen aufs Dach steigen. Ich wollte ja eigentlich nur schreiben, daß die Lobpreisung von Chrome etwas vorschnell war. Aber ich nehme auch mal dieses Zitat ...

    Schattenspieler am 04.09.2008 18:53
  • Ich habe mir mal rein aus Interesse den Google Chrome Browser installiert. Überrascht hat mich wirklich die Geschwindigkeit wie er die Seiten aufbaut. Da ist er wirklich ein richtiger F1 Renner. Alles andere ist spatanisch. Von den restlichen problematischen Sachen mal abgesehen. Da bleibe ich lieber beim FF. Mit den tausenden von Extension kann man sie den so herrichten wie man den Browser wirklich möchte. Der IE wird genau so ...

    Verbogener am 04.09.2008 19:47
  • Jajaja, Chrome ist der schnellste Browser den es gibt! Habt ihr euch gefragt wieso? Nee, er wurde nicht komplett in Assembler geschrieben. Ein guter Test war damals der Beonex Browser der auf der Gecko Rendering Engine aufbaute wie z.B. der Firefox, Was machte Beonex so hyperschnell? Wenn man beim Browser sämtliche wichtige Sicherheitsüberprüfungen weglässt. Also jeden String so akzeptiert wie er kommt ohne dabei auf Richtigkeit und ...

  • © copyright 1998-2009 gulli.com  | home | sitemap | kontakt | impressum | partner | downloads |