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22. Januar 2008

Blogaktion für inhaftierte iranische Studenten am 30.01.

Eine Gruppe iranischer Blogger ruft dazu auf, am 30. Januar an einer Blogaktion für ihre inhaftierten Landsleute teilzunehmen. Durch das Umbenennen der teilnehmenden Blogs in 'Solidarity of Bloggers with the Imprisoned Iranian Students' (Solidarität der Blogger mit den inhaftierten iranischen Studenten) soll gegen die Unterdrückung der Meinungsfreiheit im Iran protestiert werden. Schätzungsweise etwa 100.000 Websites umfasst 'Blogistan', wie sich die iranische Weblog-Community selbst bezeichnet. Das dortige Recht erlaubt Zensur, sofern sie vom Staat ausgeübt wird. Kritische Stimmen suchen sich zur freien Meinungsäußerung Kanäle, die das Regime wegen der Größe des Internets schlecht bis überhaupt nicht kontrollieren kann.

Vor einem Jahr wurde noch das Gesetz erlassen, dass sich jeder Schreiber eines Online-Tagebuchs innerhalb von zwei Monaten auf einer Regierungswebseite mit Angabe des Namens und der Adresse registrieren muss. Der Staat wollte mit dieser Initiative religiöse wie kulturelle Werte bewahren helfen. Dabei gilt die unter Beschuss geratene iranische Blogosphäre als eine der größten und einflussreichsten der Welt. Bereits im Jahr 2005 bloggten annähernd so viele Iraner wie Deutsche heute. Und dies bei einer vergleichsweise viel geringeren Verbreitung des Internets. Einen großen Anteil an der Popularisierung des Mediums Blog hatte dabei der in Kanada lebende frühere Journalist Hossein Derakhshan, der seinen Landsleuten diese Publikationsform näher brachte. Einigkeit herrscht dabei nicht: Regimekritische Autoren wie auch die religiöse Elite des Landes betreiben ihre Blogs. Im religiösen Zentrum Qom etwa finden seit zwei Jahren Blogging-Kurse für Kleriker statt. Auch viele bedeutende Politiker des Landes besitzen eigene Online-Tagebücher, bis hinauf zu Präsident Mahmoud Ahmadinejad. Trotz der unterschiedlichen Ausrichtung stellen junge, kritische Studenten offensichtlich die Mehrheit in "Blogistan" dar. Viele von ihnen sind auch Mitglieder oppositioneller Studentenverbände, die regelmäßig Protestveranstaltungen organisieren und sich dadurch die Aufmerksamkeit der konservativen Regierungskreise gesichert haben. Sie geraten durch ihre Aktionen immer wieder ins Fadenkreuz iranischer Sicherheitsdienste und werden von diesen angegriffen und verhaftet.

Zuletzt gab es nach dem 7. November zahlreiche Inhaftierungen unter iranischen Studenten, nachdem diese an jenem Tag den nationalen Tag der Studenten gefeiert haben. Am gleichen Tag wurden ebenfalls dutzende Internetcafés von den Behörden in einer Großaktion geschlossen. Zu den verhafteten Studenten, die Blogger, Freedom, Zensur, Irannoch immer aus politischen Gründen in Haft sitzen, zählen auch einige Blogger. Nicht ungewöhnlich, der Iran gehört neben Ägypten und China zu den Ländern, in denen Blogger am häufigsten hinter Gitter geraten. Seit Beginn des Blog-Booms vor fünf Jahren wurden dutzende Fälle gezählt, ein Ende des Trends ist nicht abzusehen. Um der Zensur und der Inhaftierung entgegenzuwirken, ruft man für den 30. Januar zu der Protestaktion auf. An diesem Tag sollen alle Teilnehmer als Zeichen der Solidarität ihre Website für 24 Stunden umbenennen. Eine umfangreiche Beteiligung zumindest in der politisch aktiven iranischen Blogosphäre ist abzusehen.

  • Wenn die Aktion abgeschlossen ist, wird sich die Regierung aber echt schämen und in der Ecke schmollen. :/

    Latexschlampe am 23.01.2008 08:35
  • Ich versteh einfach nicht warum solche Sachen immer erst so extrem werden müssen damit die Leute sich mal bewegen. Die Briten werden auch erst merken, dass die Totale Überwachung nicht das Gelbe vom Ei ist, wenn sie die ersten Chips in den Arsch gepflanzt bekommen. Und bei uns halte ich es auch nicht für unwahrscheinlich das die Blogs bald Zensiert werden. Schäuble wird das schon schaukeln...

    Anwendername am 23.01.2008 12:57
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