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04. August 2005

BitTorrent-Erfinder setzt sich mit Hollywood ins Boot

Beunruhigung über Cohens Verhandlungen mit der MPAA

Bram Cohen, seines Zeichens Entwickler des technisch ausgereiftesten Filesharingtools BitTorrent, wurde in ungewohnter Gesellschaft angetroffen: Cohen befindet sich in Verhandlungen mit verschiedenen Hollywoodstudios wie auch mit Vertretern der MPAA, um Möglichkeiten und Perspektiven der Nutzung BitTorrents zur kommerziellen Vermarktung von Filmen auszuloten. Die Verhandlungen mit der MPAA würden andauern, so Cohen, die Gespräche seien "freundlich". In Kontakt steht er weiterhin mit zwei Studios, deren Namen Cohen jedoch nicht nannte.

Ziel der Verhandlungen: BitTorrent zu einem Vertriebsinstrument für Filme unzufunktionieren, und nebenbei die geschätzten 40 Millionen Torrentnutzer in zahlende Kundschaft umzuwandeln. Der Vertrieb per Torrent birgt in der Tat bemerkenswerte Einsparpotentiale: Linux-Distributor Linspire gibt an, per Torrentvertrieb monatlich 20.000 Dollar Traffickosten zu sparen.

MercuryNews zitiert Dean Garfield von der MPAA zu den Potentialen von Filesharing mit den Worten, es gäbe "...einen völlig neuen Markt um Filtertechnologie, der sich entwickle, Methoden, diese Technologien weiterzuentwickeln, während Copyrightverstöße unterbunden werden. Wir sind hoffnungsvoll, dass Bram ein Partner sein wird, mit dem BitTorrent in diese Richtung bewegt werden kann".

Äußerungen des BitTorrent-Geschäftsführers Ashwin Navin gehen in eine ähnliche Richtung: mit Spieleentwicklern sei man ebenfalls bereits in Verhandlungen getreten, für die kommenden Wochen sei der Vertrieb von über 1.000 Spieletiteln per Torrent geplant, darunter klangvolle Namen wie Tomb Raider 3 und World of Warcraft.

In der Filesharingcommunity nimmt man die jüngsten Entwicklungen mit Argwohn auf - wenngleich ein Gutteil der Bedenken unbegründet sein dürfte. Befürchtet wird, dass spätestens mit einem drohenden Ausverkauf der BitTorrent-Technologie an die Medienkartelle die zwangsweise Schließung aller nicht autorisierter Tracker droht, womöglich gar das Verbot, die Technik überhaupt zu verwenden. Andere Sorgen betreffen die Möglichkeit zur Umarbeitung des Protokoll dahingehend, dass nur noch DRM-geschützte Daten ausgetauscht werden könnten: Torrents voller wmv- und wma-Dateien sind in der Tat eine gruselige Vorstellung.

Indessen sollte nicht aus den Augen verloren werden, dass BitTorrent unter der GPL steht. Was nun einerseits die kommerzielle Nutzung des Protokolls wie auch von Derivaten durch die Medienindustrie in keiner Weise behindert - auf der anderen Seite aber jedem Programmierer möglich ist, eine alternative Variante weiterzuentwickeln, jedem Filesharer erlaubt ist, den Client seiner Wahl zu verwenden. Ob nun einen, der in Zukunft vielleicht mit dem Segen der Medienindustrie zum Download steht, oder einen solchen, der dies eben nicht tut.

Dennoch ist ein skeptisches Beobachten der aktuellen Entwicklung um den Torrent durchaus angebracht. Im Fall von DVD-Kopiersoftware konnte bereits beobachtet werden, dass auf Druck der Industrie nicht mehr nur das Handeln eines Nutzers kriminalisiert werden kann, sondern die Software selbst schlicht für illegal erklärt wird. Sollten "genehme" Torrentclients und -Tracker zur Verfügung stehen, könnte es schnell passieren, dass die freien Clients vom Schicksal AnyDVDs ereilt werden: verlinken verboten.

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