gulli: Biometrie: Bundestag diskutiert über Fingerabdrücke
09. Mai 2008

Biometrie Bundestag diskutiert über Fingerabdrücke

Der neue elektronische Reisepass mit biometrischen Gesichts- und Fingerabdrucksdaten ist bereits Realität. Die Diskussion um die biometrischen Daten ist jedoch noch nicht vorbei: Die Bundesregierung hält an ihrem Vorhaben fest, sämtliche Bundesbürger erkennungsdienstlich behandeln zu lassen - denn der neue elektronische Reisepass soll ebenfalls biometrische Daten enthalten. Aber nicht nur der Staat, sondern auch die Privatwirtschaft nutzt fleißig biometrische Systeme zur Identifikation.

Die Grünen machten es heute im Bundestag zum Thema, indem sie durch einen Antrag eine kontroverse Debatte um datenschutzrechtliche Bedenken des elektronischen Personalausweises entfachten. Die Grünen kritisierten, dass sämtliche Bundesbürger erkennungsdienstlich behandelt würden. Die Verlockung, eine zentrale Referenzdatei zu erstellen, werde noch größer, wenn diese Daten erst einmal gesammelt werden. Ausweisbesitzer würden zu Unrecht in ein "Verbrecheralbum" gesteckt.

Während die Union und die Opposition sich bereits klar positioniert haben, ist die SPD noch uneins. Während der Vorsitzende des Innenausschusses Sebastian Edathy das Projekt bereits scheitern sieht, hält SPD-Innenpolitiker Frank Hofmann die Risiken des elektronischen Ausweises für "beherrschbar". Bereits im November 2007 wurde der bereits eingeführte biometrische Reisepass von Karsten Naumann, dem Landesbeauftragten für den Datenschutz Mecklenburg-Vorpommern, für unsicher befunden. Der Datenschützer forderte bereits die Einstellung der Aufnahme von biometrischen Daten, bis die datenschutzrechtlichen Probleme beseitigt worden seien.

Automatisierte biometrische Erkennungen werden nach Angaben des IT-Branchenverbands BITKOM immer beliebter. Biometrischer Datenvergleich sei unter anderem in einer hamburger Schulbibliothek und im Zoo Hannover gängige Praxis. Auch am Frankfurter Flughafen sollen automatisierte biometrische Grenzübergänge ausgeweitet werden, so die Bundesregierung. Ähnlich soll es auch an britischen Flughäfen laufen. Maschinen würden Pässe besser kontrollieren können als Menschen, so ein britischer Regierungssprecher. Nach Meinung des BITKOM-Vertreters Dieter Kempf hat die deutsche Biometrie-Wirtschaft einen international sehr guten Ruf und sei im Bereich Gesichtserkennung sogar marktführend.

Der Chaos Computer Club (CCC) warnt bereits seit längerem vor den Gefahren von Biometrie. Erst kürzlich hatten die Bürgerrechtler den Fingerabdruck von Innenminister Wolfgang Schäuble veröffentlicht. Den Abdruck hatten sie nach eigenen Angaben von einem Glas übernommen, aus welchem der Minister getrunken hatte. Damit veranschaulichten sie, wie leicht es ist, einen Fingerabdruck zu kopieren. Wie leicht es ist, einen gefälschten Fingerabdruck zu verwenden, demonstriert der CCC Berlin seit längerem in einem Video. (Autor: Malo)

(via Heise )

  • 11 Kommentare zum Artikel
  • Ja die geschichte mit dem frosch und dem kochendem wasser. Aber politikverdrossenheit ist ja kein wunder, wenn du als "kleines arbeiterkind" (ich hasse solche ausdrücke) mitbekommst wie dein abgeordneter seine diät auf 9000€ erhöht, während dein paps 1500€ macht. Wie war das mit den fackeln und mistgabeln? Wie gesagt volkswirtschaftlich ist es irrelevant was die volkstreter "verdienen".

    mcbierle am 10.05.2008 01:24
  • Mir egal, was passiert wenn ich da nicht hingehe?

    Johnnsen am 10.05.2008 01:52

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