Als Beispiel wurde der Zugriff auf Pornoseiten genannt, der erst nach Auslesen des ePasses und Übertragung von Informationen erfolgt, wenn der Kartenbesitzer das nötige Mindestalter erreicht hat. Dazu Klaus Petersdorf, Generalsekretär der Piratenpartei Schleswig-Holsteins: "Pornos sind jetzt also schon ein Argument für Überwachungstechniken geworden! Unfassbar!"
Dass gerade die Kunden von erotischen Angeboten eher wenig Interesse an einer Übermittlung ihrer Daten an eine Stelle haben, von der nicht auszuschließen ist, dass die Daten anderweitig verwendet werden, ist nur allzu klar. Wie die diversen aktuellen Fälle zeigen, kann ein Heraussickern dieser Daten nie ganz verhindert werden. Für alle Betroffenen wäre dies eine peinliche Angelegenheit, die sowohl private als auch berufliche Katastrophen nach sich ziehen kann. Ein solcher Vorfall würde für die betroffene Person den informationellen Super-GAU bedeuten.
Wäre nicht schon eine Möglichkeit zur Ausspionierung von Konsumgewohnheiten und weitergehenden Interessen der Bürger schlimm genug, so treten gleich zwei Varianten, der ePass und die elektronische Krankenkassenkarte (eGK) gegeneinander an. Der Ausgang dieses Kampfes ist ungewiss. Klaus Petersdorf merkt hierzu an: "Hier liegt der Verdacht nahe, dass die Wirtschaft zwei Systeme wie damals VHS vs. Betamax oder aktueller BluRay vs. HD-DVD ins Rennen um die Gunst des Bürgers schickt. Dieses Mal verlieren jedoch nicht nur die ihr Geld, die das unterlegene System kaufen, nein jeder von uns, denn dieser Wettkampf wird durch Steuergelder finanziert."
Als "Geniestreich" mutet auch die Aufgabenteilung zwischen einer noch einzurichtenden Bundesbehörde und der Industrie an. Diese Bundesbehörde lässt Unternehmen zu, die auf die Informationen des ePasses zugreifen dürfen und diese Unternehmen beglaubigen ihrerseits, dass die Extra-Informationen korrekt mit dem Karteninhaber verknüpft werden. Die Industrie würde also einen Freibrief für den Zugriff auf die zum Teil sensiblen Daten erhalten. Man kann auch davon ausgehen, dass die Wirtschaft sich mit dem ePass und der elektronischen Krankenkassenkarte (eGK) neue Möglichkeiten schafft, um das Konsumverhalten ihrer Kunden noch detallierter zu analysieren. Die ganzen Bonus-, Rabatt- und Kundenkarten könnten somit überflüssig werden.
Der Pirat Klaus Petersdorf wirft einen Blick in die Zukunft: "Die Karten werden in einer Form der Wirtschaft die persönlichen Daten des Bürgers zur Verfügung stellen, die die Wirtschaft möchte. Ich gehe davon aus, dass die Wirtschaft mit ihren Bonus Cards nicht effektiv genug die Daten der Bürger sammeln konnte und deswegen ihre Bonus Cards einstampfen wird, um auf Personalausweis und Krankenkassenausweis umzuschwenken. Damit sollen auch noch die letzten Rebellen erwischt werden, die ihre Daten nicht freiwillig rausrücken."
Was aber soll man von einer solchen "Aufwertung" von Personalausweis und Krankenkassenkarte halten? Biometrische Daten und persönliche Interessen und Vorlieben haben in diesen sensiblen Dokumenten nichts verloren. Die Wirtschaft darf nicht erneut mit ihrem Wunschzettel bei der Politik durchkommen. Zumindest die Piratenpartei wird die Auswüchse der drohenden "Dateninkontinenz" mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen. Auch deswegen macht es Sinn an einer der bundesweiten Demonstrationen am Samstag teilzunehmen.
(via piratenpartei.de, thx!
| 11 Reaktionen aus dem gulli:Board |
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KlausPetersdorf am 16.07.2008 16:15:32: |
Siddie am 16.07.2008 16:21:56: |
Munahid am 23.07.2008 17:30:59: |
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