"Legale Downloads" für das digitale Heim
Chipschmiede Intel und Medienkonzern Bertelsmann planen die gemeinsame Entwicklung einer Technologie zum Download und Sharen von Film, Video und Musik über das Internet. Geplant ist die Herstellung von Chiptechnologie, die kompatibel zu der von Bertelsmann geplanten Pseudo-Tauschbörse GNAB sein soll.
Scheint die Kooperation auch vollkommen sinnig, völlig selbstverständlich sei sie nicht: Bertelsmann habe im momentan laufenden Verfahren gegen Grokster und Morpheus Partei gegen die Tauschbörsen ergriffen, während sich Intel eher um die Risiken der zukünftigen Technologieentwicklung sorgte, die bei einer Haftbarkeit der Produzenten für die Handlungen der Kunden entstehen würden.
Bertelsmann hat jedoch bekannterweise wenig Berührungsängste, was Filesharingplattformen angeht: wenngleich der Aufkauf und der Umbau von Napster ein Fehlschlag für das Unternehmen war.
Für die kommende Initiative scheint sich Bertelsmann nun besser vorzubereiten: noch ist keine Rede von hartgecodetem DRM, die Kooperation ausgerechnet mit Intel läßt aber nicht erwarten, dass man sich ausschließlich auf den Bau seperater Empfangsgeräte für die neue Medienplattform konzentrieren möchte, sondern gegebenenfalls auch auf den PC-Markt abzielt.
Das aktuelle Engagement Bertelsmanns im digitalen Vertrieb läßt weiter erwarten, dass der Dienst letztendlich mit einer Tauschbörse wenig gemein hat, sondern die Etablierung eines Netzes zentralisierter Downloadserver angestrebt wird: in der Pressemitteilung der Bertelsmann-Tochter Arvato ist zwar die Rede von einer "P2P-Downolad-Plattform", das Konzept sieht aber klar zentralisierte Downloadserver mit integrierter DRM-Verwaltung vor, von denen ausschließlich die Clients die Dateien laden können. "Dezentral" ist allenfalls die Anbieterstruktur: verschiedene Mediendistribuitoren können jeweils die Plattform verwenden.
Ob Intel damit in die Wohnzimmerelektronikbereiche vordringen will oder auch für den PC-Markt mit Bertelsmann-DRMkompatiblen Chips zu rechnen sein könnte, bleibt bislang unklar. Es ist zu befürchten, dass ähnlich unauffällig, wie TCPA-Technik (bzw. heute NGSCB) auf modernen Mainboards still zur Regel wurde, hier weitere Knebeltechnik den Weg in die Rechner findet.