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11. April 2007
Bangladesch im Chaos Nach Verbot der Internet-Telefonie niemand mehr erreichbarAlleine in der Hauptstadt von Bangladesch, einer der am schnellsten wachsenden Städte der Welt mit riesigen Elendsvierteln, Dhaka, leben über 14 Millionen Menschen. Zumindest einige davon möchten für ihre Freunde und Verwandte aus dem In- und Ausland telefonisch erreichbar sein. Aber seit der Durchsetzung des Verbots gegen die illegale Voice over IP-Telefonie funktioniert in diesem Staat kommunikationstechnisch so gut wie nichts mehr. Vor dem Einschreiten der Polizei kostete ein internationaler Anruf via VoIP lediglich ein bis zwei Pence. "Nun rufen wir an aber kommen nicht durch. Wir versuchen es wieder und wieder - aber wir kommen einfach nicht durch.", so ein frustrierter Servierer eines Restaurants in London. Kein Wunder, der Anteil der über das Internet abgewickelten Anrufe betrug, bezogen auf long distance calls satte 80%. Auf diese Resourcen kann man jetzt nicht mehr zurückgreifen.
Es zirkulieren Gerüchte, ranghohe Politiker und Geschäftsleute waren an dieser Branche bis zum Einsetzen der Razzien selbst beteiligt und haben fleißig mitverdient. Dementsprechend hatte man kein Interesse daran, das Geschäft zu legalisieren. Für die umfangreichen Einkünfte wären horrende Summen an Steuern fällig geworden. So ist es zu erklären, warum die Polizei über viele Jahre hinweg nur im kleinen Rahmen gegen die Provider vorgegangen ist. Und nun befindet sich das Land im Ausnahmezustand. Die neue Militärregierung hat das Wagnis auf sich genommen, diesem so lange tolerierten Geschäftszweig und der damit verbundenen Korruption den Krieg zu erklären. Reiche und gleichsam mächtige Politiker wurden verhaftet und sehen sich nun Korruptionsklagen ausgesetzt. Tausende illegal gebaute Shops der Provider wurden geschlossen, die komplette VoIP-Industrie wurde dem Erdboden gleichgemacht. Der VoIP-Unternehmer Hassan dazu:
Er war einer der Wiederverkäufer der Billiganbieter. Wie er mussten viele ihr einträgliches Geschäft einstellen, um seine Verhaftung zu verhindern. Doch anstatt die eigene Telefonfirma "Bangladesh Telegraph and Telephone Board" damit zu unterstützen, stürzte diese Maßnahme das ganze Land in ein totales Durcheinander. Immer mehr Personen versuchen die viel zu wenigen Leitungen zu benutzen. In der Konsequenz kommt niemand mehr durch, für die Wirtschaft und das soziale Leben des Landes bedeutet dies ein unglaublicher Schaden. Laut Zia Safdar, einem der Leiter der Razzien, war man sich über den wahren Umfang dieses Wirtschaftszweiges völlig im Unklaren. "Aufgrund der enormen Mengen unversteuerter Einkünfte hatten wir keine Wahl, als zu handeln", versucht er das Problem im Nachhinein zu rechtfertigen. Für das Problem gibt es im Moment keine schnelle Lösung. Und doch: Den im Exil lebenden Arbeitern in aller Welt die Chance zu geben, ihre Verwandten in der Heimat zu erreichen, würde man in Bangladesch ebenfalls willkommen heißen. Trackbacks
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