gulli: Aus dem Gulli, 30.7.
30. Juli 2005

Aus dem Gulli, 30.7.

Opera mit BitTorrent, Teil 2 - Schweden unbeeindruckt von Copyrightreform - BBC: die Hölle gefriert

Opera in 8.10 Alpha wieder mit BitTorrent

Während die 8.02 Alpha bereits über eine experimentelle Einbindung des populären Filesharingclients BitTorrent in den Alternativbroswer Opera verfügte, zeichnete sich kurz darauf ab, dass das Einfließen des p2p - Clients in die offiziellen Releases noch einige Zeit dauern würde. Es geht schneller als gedacht - in der Alpha hat Opera den Sprung von 8.02 auf 8.10 nun geschafft, und der Torrent wird wieder unterstützt - besser als zuvor. Neben Überarbeitungen in der Menuführung kann der Opera-BT-Client nun auch Scrape - ein Torrent-Protokoll, über das statistische Daten eines Torrents verarbeitet werden. Die Alpha steht bei Opera für Windows, Mac und Linux zur Verfügung.

Nach der Copyrightreform: Schwedens Filesharer sind unbeeindruckt

Einige Erwartungen setzte man in die Copyrightreform in Schweden, die Anfang des Monats in Kraft trat und über Nacht die Kleinigkeit von 900.000 Schweden zu Verbrechern machte, allein, die Folgen bleiben bislang aus. Wie "The Local" nun berichtet, passierte offenbar überhaupt nichts. Das Downloadverhalten der User habe sich nicht im Geringsten geändert, berichten die Provider, das Gesetz habe zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei beobachtbaren Einfluß. Justizminister Thomas Bodström erklärte bereits, die Polizei in Schweden habe besseres zu tun, als Filesharer zu verfolgen, dem schloß sich nun Anders Ahlqvist von der IT-Abteilung der schwedischen Polizei an: Unsere Prioritäten sind andere: Gewaltverbrechen, Kinderpornografie und Drogendelikte. es sei sehr unwahrscheinlich, dass sich die schwedische Polizei von sich aus mit Filesharern befasse. Obgleich nun gar Gefängnisstrafen möglich wären, sei dies kein Delikt, weswegen Menschen eingesperrt werden würden. Überhaupt gab er sich zum Thema p2p sehr nüchtern: es sei "...eine kulturelle Sache. Eine ganze Generation ist nun mit Filesharing aufgewachsen. ich denke nicht, dass es nun aufhört, bloss weil es ein neues Gesetz gibt".

BBC: Die Hölle gefriert...

...und Microsoft Windows wird Open Source. Bill Thompson schrieb für die BBC eine durchaus lesenswerte und spannende Betrachtung, wie die für Microsoft typische Embrace-and-extend - Strategie auf Open Source - Software und Linux ausgeweitet werden könnte. Nachgeschoben natürlich: es sei alles völlig hypothetisch, was er schreibe, er kenne keine entsprechenden gerüchte noch Stimmen aus dem Hause Mircosofts, die eine solche Strategie andeuten. Dennoch: eine Microsoft-Linuxdistribution könnte seine Ansicht nach eine erfolgversprechende Strategie für den Redmonder Riesen sein, um seine Marktmacht weiter zu vergrößern. Hypothetischer, auf deutsch eher komisch klingender Name: "Micrix". Geld sei kein Problem - Thompson rechnet mit einer Millarde Dollar Anschubkosten plus zweier Milliarden laufender Kosten im Jahr. MS könnte das in der Tat aus der Portokasse bestreiten. Kompatibilität zu MacOs und anderen Linuxderivaten müsse zwar hergestellt werden, aber MS sei ja nicht gezwungen, beispielsweise die Gelddruckmaschine Office ebenfalls offenzulegen. Spätestens wenn Richard Stallmann mit einem Micrix auf dem Laptop gesichtet werden würde, dürfte das Grabläuten über die OS-Aktivistenszene hereinbrechen.
Nun mag es unwahrscheinlich sein, dass die Hölle gefriert, fast unvorstellbar, dass MS je ein Open-Source-OS herausbringt, aber Stallman und ein MS-OS spielt wohl in derselben Unwahrscheinlichkeitsliga wie die Entdeckung einer bislang unbemerkten natürlichen Zahl zwischen zwei und drei. Die Welt dürfte wohl nochmal davonkommen.

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