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01. Dezember 2005

Aus dem Gulli, 1.12. (2)

Sober-Welle rollt - 754 RIAA-Klagen - Protest gegen Kannibalismus

Die Sober-Welle rollt

1.500% mehr Virenmails vermeldet Scott Petry von der Securityfirma Postini, die laufende Welle der von der neuen Sober-Variante generierten Mails übertreffe das Mailaufkommen der bisherigen Rekord-Virenschwemmen um das Doppelte. Die angehängten .zip - Files installieren in bekannter Sober-Manier eine eigene SMTP-Engine, über die sich der Wurm weiterverschickt. Das Social Enineering hinter der Virenflut scheint besonders viele User anzusprechen: beispielsweise vom BKA oder dem FBI täuscht der Wurm Absenderadressen vor. Die Idee, dass beide Institutionen in der Regel Einschreiben schicken oder vor der Hausdurchsuchung wegen Urheberrechtsverletzungen das potentielle Opfer nach Möglichkeit gar nicht vorwarnen, kommt offenbar vielen Usern nicht.

RIAA verklagt weitere 754 User

Die Marke von 17.000 verklagten Usern hat die RIAA mit ihrer gestrigen Anzeige von 754 Tauschbörsennutzern geknackt. Privatnutzer wie auch User von insgesamt 12 Colleges seien die Opfer der neuen Runde an Anklagen, mit denen die Filesharer zur Zahlung von Entschädigung erpresst werden sollen. Der Anteil der User, welche sich auf einen Prozess einlassen, ist extrem klein, weswegen es praktisch nie zu einer rechtskräftigen Verurteilung kommt: die Opfer vermeiden den riskanten und nun erwartungsgemäß auch kostspieligen Prozess. Bei angenommen 50 Millionen zumindest gelegentlichen Tauschbörsennutzern allein in den USA bleibt die Wahrscheinlichkeit, zu einem der betroffenen Pechvögel zu werden, jedoch nach wie vor gering.

Neues Feindbild "Kannibalismus" in Computerspielen

Die Topliste der schlimmsten Computerspiele nach dem bereits vorgestellten Ranking des Family Media Guide läßt neue Feindbilder entstehen: Kannibalismus in Spielen. David Walsh, Direktor des Instituts, zeigt sich entsetzt über "Stubbs the Zombie in Rebel Without a Pulse" - der Spieler könne die Hirne seiner getöteten Gegner aufessen, während Blut über den Bildschirm spritzt. Etwaige Befürchtungen, in Zukunft zahlreiche erwachsene Dr. Lectershirnverzehrend in der Öffentlichkeit anzutreffen, äußerte Walsh zwarnicht, die Games seien jedoch für Jugendliche extrem schädlich und leichter erhältlich denn je.
Letzteres sei falsch, so dagegen Hal Halpin, Vorsitzender der Interactive Entertainment Merchants Association in den USA. Man habe die Quote unerlaubter Spielekäufe durch Jugendliche seit 2000 um über 50% drücken können.
Zur Debatte in Deutschland beginnen sich glücklicherweise auch besonnenere Stimmen zu Wort zu melden. Armin Laschet, Kinder- und Jugendminister in Nordrhein-Westfalen, fordert ein Ende der Pauschalisierungen bei PC-Spielen und bringt das in der Killerspiel-Debatte lange vermisste Thema "Jugendschutz" wieder auf: die Klassifizierung in Altersfreigaben funktioniere schließlich sehr gut, die Horrorszenarien, wie sie in der jüngeren Debatte beschworen wurden, brächten wenig Konstruktives. Neben dem pauschalen "Verbieten!" scheint in der Debatte tatsächlich wieder eine rationalere Sichtweise politisch vertretbar zu sein.

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