gulli: ARD und ZDF wehren sich gegen 7-Tage-Internet
13. April 2008

ARD und ZDF wehren sich gegen 7-Tage-Internet

Der aktuelle Arbeitsentwurf des 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrages sieht enorme Einschränkungen des Öffentlich rechtlichen Rundfunks vor. Dieser soll sich in Zukunft nur noch "sendungsbezogen" im Internet präsentieren dürfen und müsse seine Angebote nach 7 Tagen aus dem Netz nehmen. ARD-Vorsitzender Fritz Raff sieht sich "ins medientechnische Mittelalter" zurückversetzt.

Nach der derzeitigen Situation sollen die Online-Angebote von ARD und ZDF stark eingeschränkt werden. Webinhalte würden nur noch "sendungsbezogen zulässig" sein. Das hätte weitreichende Folgen für den öffentlich rechtlichen Rundfunk. Damit würden laut dem NDR-Magazin Zapp neben den sog. "Dossiers", die weiterführende Informationen zu bestimmten Themen liefern sollen, auch Internetportale wie planet-schule.de unzulässig, da diese sich auf keine konkrete Sendung beziehen. Das "tagesschau.de Blog" wäre ebenfalls genauso verboten wie Nachrichten bei tagesschau.de, welche nicht im TV ausgestrahlt wurden.

Eine ebenso starke Einschränkung würde die "7-Tage-Regelung" bedeuten. ARD und ZDF müssten ihr Material demnach nach spätestens einer Woche aus dem Netz nehmen. Damit wären keine Archive möglich und keine Suche nach älteren Nachrichtenartikeln. ZDF-Intendant Markus Schächter geht auf die Barrikaden.

"Wer im Jahr 2008 den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern Textbeiträge im Internet verbieten will, schadet dem publizistischen Wettbewerb."

Freuen tun sich lediglich die Zeitungsverleger. Diese sehen den öffentlich rechtlichen Rundfunk nicht eingeschränkt, sondern gar gestärkt. "Der Staatsvertragsentwurf erweitere vielmehr den Online-Auftrag von ARD und ZDF hin zur sog. dritten Säule, indem er sendungsunabhängige Videos und Audiobeiträge erlaube." So der Verband Deutscher Zeitungsveleger (VDZ) in einer Pressemitteilung. Der VDZ hatte bereits in der Vergangenheit vermehrt die Online-Angebote von ARD und ZDF kritisiert.

Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff sieht den öffentlich rechtlichen Rundfunk dagegen von den privaten Medien bedroht:

"Das Internet gehört allen und nicht nur denen, die dort Milliardenbeträge umsetzen wollen. Gerade hier braucht die Gesellschaft auch Angebote, die nicht nur von Gewinninteressen bestimmt sind."

(Bericht: Malo)

  • 51 Kommentare zum Artikel
  • Zitat: Zitat von ENRIC0 meine nicht immer ganz einfach nachzuvollziehende argumentation Absolute Zustimmung! Das geht schon am Anfang los: Daß das ZDF der "Arbeitgeber der meisten Abgeordneten" ist, liegt vermutlich am Wesen des Fernsehrates, in dem 77 Mitglieder "die im Bundestag vertretenen politische[n] Parteien (außer der Linken) und weitere gesellschaftliche Gruppen ...

    Schattenspieler am 27.04.2008 17:02
  • hallo schattenspieler, freut mich von dir zu lesen. mangels zeit, möchte ich vorerst auf den zentralen punkt ÖR-Internet eingehen. ÖR im Internet, Cui bono? hervorheben möchte ich, das der vergleich mit den 4 konzern welche die deutsschparachige presse im TV gleichgeschaltet und monopolartig dominieren, hier in meiner betrachtung aussen vor bleiben, weil ein fehlendes einschreiten der monopolkommission oder ähnlichem, keine ...

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